Insektenfallen gefährlich für Vögel und Fledermäuse?

 

Fast scheint es, als seien die Bremsen dieses Jahr besonders groß und besonders aggressiv. Ihre Stiche sind für Mensch und Tier ausgesprochen schmerzhaft. Es ist also kein Wunder, dass die Pferde hektisch werden, wenn sich die Insekten nähern. Bremsenbälle und breite Streifen mit Klebstoff sind für viele Pferdefreunde derzeit eine beliebte Möglichkeit, um stechende Insekten von Pferden fernzuhalten. Allerdings kann das Folgen für andere Tiere haben, die so nicht gewollt sind.

Diese Bremsenfallen sind für andere Tiere unbedenklich

Bremsenfallen gibt es mit und ohne Kleber. Die Bremsenfalle ohne Kleber besteht aus einem schwarzen Ball und einem darüber gespannten Netz. Im oberen Teil befindet sich ein Wasserbehälter. In der Sonne wärmt sich der Ball auf. Das nehmen Stechinsekten war und verwechseln den Ball mit einem warmblütigen Lebewesen. Das Insekt fliegt auf den Ball und sticht. Da es dabei nicht den erwünschten Erfolg hat, fliegt es nach oben und wird dabei vom Netz geleitet. So erreicht das Insekt beim Weiterfliegen das mit Wasser gefüllte Fangbecken. Diese Variante ist bislang als ökologisch vertretbar anerkannt und schadet anderen Insekten offenbar nicht. Das gilt aber nicht, wenn Kleber ins Spiel kommen.

Zappelnde Insekten locken Fressfeinde an

In den sozialen Netzwerken warnen vor allem Naturschützer vor Insektenfallen, die mit Klebern verwendet werden. Die Insekten sterben nicht sofort, sondern hängen noch einige Zeit zappelnd auf dem Gegenstand, auf den der Kleber aufgebracht wurde. Der Kleber selbst enthält Lockstoffe, die auf Bremsen, ggf. aber auch auf Wespen wirken. Nützlinge werden davon nicht angelockt. Kleben aber zappelnde Insekten fest, lockt die Bewegung ihre Fressfeinde an. Dazu gehören Vögel und auch Fledermäuse! Die Folgen für die kleinen Jäger sind schlimm. Bei einigen Klebern können sich sehr kleine und leichte Tiere nicht mehr befreien. Vor allem bei Fledermäusen klebt dann die gesamte Flügelfläche fest. Wer versucht, sie davon unsachgemäß zu befreien, riskiert, dass Teile des Flügels abreißen. Das kommt einem Todesurteil des Tieres gleich.

So befreit man Fledermäuse und Vögel fachmännisch

Christian Söder, Fachberater für Fledermausschutz im Landkreis Kitzingen und tätig im Auftrag der Naturschützbehörde, empfiehlt: „Es gibt unterschiedliche Methoden angeklebte Fledermäuse zu befreien. Man kann Talkum nutzen, welches den Kleber abbindet und die Haut vorsichtig und langsam, Stück für Stück vom Kleber abziehen. Oder man kann das Tier auch mit Salatöl, Olivenöl, etc. ablösen. Allerdings muss es danach vorsichtig gewaschen werden, um das Fell wieder vom Öl zu reinigen. Die angeklebten Tiere sind meist geschwächt und dehydriert, benötigen also fachlich versierte Hilfe und Rekonvaleszenz, bevor man sie in die Freiheit entlassen kann. Nichts für Laien. Ausserdem sind Fledermäuse nach dem Naturschutzrecht und EU-Richtlinien besonders streng geschützte Tiere, die man sich nicht aneignen darf“.

Foto: Christian Söder mit freundlicher Genehmigung

CS