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Wanderreiter – Der Blog

Worum geht es hier? Annette hat vom 2. bis 7. Juli 2018 ihren Dolomitenritt bewältigt. Während der Tour hat sie uns über Whatsapp mit Fotos und kurzen Berichten über die Ereignisse einformiert.

Wir beginnen mit einer kurzen Vorstellung. Annette erzählt von ihrer Motiviation, den Herausforderungen, Hindernissen und Hoffnungen.

Am Ende der Tour haben wir die wirklich mutige Reiterin gefragt, was Sie über ihre Tour sagen möchte: „Grandios, anstrengend, wahnsinnig schön, aufregend, kräfteraubend, aber schön!“

 

Ihr findet die neuesten Beiträge jeweils oben

7. Juli – der letzte Tag einer aufregende Reise zu Pferd

 

Der Tag begint mit den schönsten Farben und einer schönen Aussicht

Und frischen Wachteleiern

 

Und der Begutachtung der abgerissenen Packtasche nach der gestrigen Kollision. 8 – 9 Stunden Reitzeit sind für heute vorgesehen.

 

 

Der Ritt in Zahlen:

Die Gruppe hat 180,8 km zurückgelegt.

HM rauf 7870

HM ruter 7890

Gesamt HM 15760

6. Juli- Mehr Aufregung als nötig

Abritt um 8 Uhr

 

 

Zwischen diesem und dem folgenden Foto ist viel passiert. An einer sehr steilen Bergaufetappe ist die Gruppe zu Fuß unterwegs gewesen, die Pferde jeweils hinter sich.Die Wegstrecke war anspruchsvoll, denn dicke Steinblöcke lagen auf dem Weg. Lindsey blieb auch brav hinter Annette. Das Pferd dahinter wurde allerdings hektisch, stürmte voran, rannte seine Reiterin um und rammte Lindsey, die dadurch nach vorn „geschubst“ wurde. Dabei zerriss die Packtasche und ein Teil des Inhalts purzelte heraus. Die beiden Frauen verletzten sich (Stand 21.30 Uhr) nur leicht.

Statt der Packtaschen muss nun eine Plastiktüte herhalten. Lindsey trägts mit Fassung.

 

Abendstimmung nach einem anstrengenden Tag

 

 

5. Juli – viel Wetter für die Reiter und Pferde

 

Keine Kompromisse bei der Kleidung! Annette ist trocken geblieben

 

Nette Mitreiter

Nein, da steht ein Halteverbotschild

 

Gar nicht so einfach, unter diesen Bedingungen ein Foto zu schießen. Es gibt noch ein weiteres Bild, auf der die Reiter Wanderern begegnen, die ihnen entgegenkommen. Die Wanderer haben sehr nett Platz gemacht und man sieht ihnen an, wie sie sich über den Anblick der Reiterinnen und Reiter freuen. Wir hätten das Bild gern gezeigt, aber DSGVO und so.

Beim Bergaufklettern wirds schwierig, alle Passanten nach ihrer Einwilligung zu fragen und darauf hinzuweisen, dass sie jederzeit das Recht haben, dass das Bild wieder gelöscht wird.

 

Und hier ein paar Eindrücke zur Ausrüstung:

und jetzt alle zusammen

 

 

Und warum das alles? DARUM :-)

 

Der 3. Tag (4. Juli 2018) mit atemberaubenden Bildern

Hufschmied ist „an Bord“. Deshalb ist das Beschlagen zwischendurch kein Problem

„Wir wären dann soweit:-)“

 

 

Auch wenn es anspruchsvoller wird, den Pferden gehts gut und alle sind bester Laune.

Durch den Naturpark. Hier müssen alle Äppelhaufen weggeräumt werden! Die Wanderreiter haben eine Sondergenehmigung für die Durchquerung des Gebiets. Normalerweise ist das nicht erlaubt.

 

Auf dem Weg zum Pass. Die Temperatur beträgt 19°C.

 

Rast auf 2306 Meter Höhe an der Schlüterschutzhütte

 

…inklusive Energie tanken, denn der Tag wird noch anspruchsvoll

 

In bester Gesellschaft!

 

Und wieder die beeindruckende Kulisse

 

 

Tag 2. Auf- und Abstiege, Gewitter, Sonne und Regen. Die Tagesetappe endet auf Sass Rigais, den Südtiroler Dolomiten. Was für ein Ausblick!

 

 

 

Der erste Tag war ereignisreich. Annettes Pferd Lindsey hat sie gut auf 2350 HM hinauf gebracht.

 

Feierabend für die Pferde :-)

 

 

 

 

Heute, am 1. Juli, ist Annette am Startpunkt angenommen. Sie kann zwischen zwei Pferden wählen. Die Aussicht ist fantastisch und das Wetter noch besser. Aber seht selbst:

Fotos. privat

 

Annette reitet mit einem Leihpferd, denn ihre „Bina“ ist zwar sehr sportlich, aus gesundheitlichen Gründen für diese Tour nicht geeignet. Das erzählt Annette über ihr Pferd:

 

Foto: privat Annette mit Bina

Der Plan – Annette vor der Abreise

Zuhause in Niedersachsen ist Annette mit Bina unterwegs

Bina ist eine 19 jährige Spanierin. Bei uns geboren, alt klassisch ausgebildet bis zur Piaffe und spanischem Schritt. Bis zu ihrem Fesselträgerschaden ist sie bis 68 km Distanz gelaufen. In den letzten Jahren viele Wanderritte. Besuche im Trailpark gehören genauso zum Trainingsprogramm wie regelmäßige Kurse, Bodenarbeit, Arbeit am langen Zügel, Zirkuslektionen  und ein vielfälltiges Geländetraining. Durch ihre langjährige Teilnahme an Distanzritten ist sie sehr laufwillig und durch fehlen eines Trainingspartners zu Hause ist sie  immer sehr aufgeregt, wenn sie mit anderen Pferden zusammenkommt. Deshalb ist es eher gefährlich mit ihr einen solchen Ritt in den Bergen zu gehen, da sie dann unaufmerksam wird und abstürzt….:-))

Diese Gedanken beschäftigen Annette vor der großen Tour

Sorgen machen mir meine Arthroseschmerzen…da an manchen Tagen auch keine Schmerzmittel wirken, hoffe ich, dass ich den Ritt halbwegs schmerzfrei genießen kann. Anstrengend wird das allemal, aber ich freue mich drauf. Und natürlich ist es doof, seine eigenen Pferde zu Hause lassen zu müssen….und zu bangen, dass gerade in dieser Zeit etwas passieren könnte….der alte Mann ist ja immerhin schon 29…

Besonders freue ich mich auf die Berge, die Natur, die Auszeit, das Erleben, das Zusammenspiel von Pferd und Reiter, die Kraft der Pferde, diesen Ritt zu meistern. Das eins sein in dieser gewaltigen Kulisse, ein Teil des ganzen zu sein. Die Gruppe kennenzulernen, Freunde zu finden, sich gegenseitig zu helfen, abends geschafft aber glücklich am Tisch zu sitzen und über die Abenteuer des Tages zu sprechen.

Große Ereignisse werfen ihren Schatten voraus – So bereitet sich Annette vor

Es gab keine Voraussetzungen vom Veranstalter, nur Empfehlungen. Körperliches Training von Ross und Reiter, überwinden von natürlichen Geländehindernissen wie steile Abhänge, Geröll, schmale Pfade etc.

Pflicht ist der Nachweis eines Coggingtest, nicht älter als 3 Jahre. Die Pferde müssen aus einem von ansteckenenden Krankheiten freien Stall kommen und gesund sein und dem Alter entsprechend leistungsfähig.

Vorbereitung…reiten, wann immer es geht. Für unsere Flachlandverhältnisse viel berghoch und bergrunter….Ich habe da ja so ein Kopfproblem bergab….da habe ich aber in den letzten Monaten dran gearbeitet und es geht jetzt, weil ich weiß, dass das Pony es kann. Das Leihpony wird das ja wohl auch können, lebt ja in den Bergen und will ja auch nicht abstürzen….

Dann fahre ich noch viel Mountainbike und gehe min. 2x im Monat 1000 m schwimmen, wegen der Kondition.

Und das Leihpferd?

Über das Leihpferd weiß ich noch nichts…..es wird ein Haflinger oder Quarter werden…ich soll mir eins aus der Herde aussuchen:-)))

Und was kommt noch mit ins Gepäck? Es wird kalt!

Die Ausrüstung wird in der Woche vor dem Ritt festgelegt, je nach Wettervorhersage. Sicher mehr warme Sachen, da wir die meiste Zeit auf 2000m rumreiten:-))

Das einzige was ich mir angeschafft habe, nachdem im letzten Jahr auf der Alpenüberquerung mit dem MTB meine angeblich wasserdichten Radhandschuhe nach 10 Minuten durch waren, sind Surfhandschuhe. Die sind absolut wasserdicht und noch zügeltauglich. Es gibt nichts schlimmeres als im Dauerregen auf 2000m kalte, nasse Finger zu haben…..

Achja und einen Seidenschlafsack, der ist leicht und soll schön warm sein, wiegt dabei aber nur 130g….ich bin ja ein Frosti, deshalb kanns für mich gar ned warm genug sein…..und nach so einem anstrengenden Tag müssen die Muskeln auch warm bleiben, sonst gibts Probleme.

Im letzten Jahr habe ich mir eine Thermohose zugelegt, die mir abends und nachts auf den Hütten, die ja meistens auch auf über 2000m waren, gute Dienste geleistet hat. Die kommt auf jede Fall mit. Und min. zwei leichte Fleecepullis. Man muss ja immer Anziehsachen  zum reiten mitnehmen und normale Anziehsachen für die Hütte…..höchstwahrscheinlich verschmelzt das in den 6 Tagen aber….:-)) Hinterher sind eh überall Pferdehaare dran und es riecht alles nach Pferd….

Ich hoffe auf gutes Wetter…..aber abends/nachts wirds in den Bergen immer kühl. Ein Wintereinbruch wäre nicht gut…..war aber alles schon da. Ich hoffe da auf das Können der beiden Rittführer.

 

So geht es am 2. Juli los

Das Leihpferd gibts vom Reiterhof wo wir die Nacht vor dem Ritt verbringen. Der Inhaber ist Hufschmied und wird den Ritt begleiten. Die Tour ist privat organisiert und wir sind insgesamt 12 Teilnehmer. Ich bin dort zufällig reingerutscht. Wir starten von nördlich von Bozen in Südtirol/Italien.

Die Etappen sind zwischen 25 und 40 km. Wir sitzen jeden Tag 7-8 Stunden im Sattel. Es wird immer früh morgens gegen 7.30 Uhr gestartet.  Am ersten Tag gehen wir 2350 Hm. Am vierten Tag bis auf 2450 m hoch. Das ist der höchste Punkt und der anstrengenste Tag. Die Pferde übernachten auf Paddocks oder in Boxen. Wir auf Almen. Die Tour führt durch bekannte Touristenziele wie Gadertal, Grödnertal, Seiseralm und den Naturpark Puez-Geisler, für den wir eine Ausnahmegenehmigung der Naturbehörde bekommen. Nach der Reittour fahre ich ein Stück weiter in die Dolomiten und fahre mit dem MTB noch zwei Tage um die Sella. 8.+9.7.

 

Foto: privat, Annette mit Bina

 

Wie kommt man auf solche Ideen?
Als ich vor über 30 Jahren meinen ersten Wochenendritt, damals noch mit meiner Reitbeteiligungsstute,  machte, ahnte ich noch nicht, welche Ausmaße meine Ritte mal annehmen sollten.

Mit der Zeit wurden die Rittlängen ausgedehnter, die Pferde trainierter. Wir starteten auf Distanzritten, Rallyes, Orientierungsritten, machten Urlaube in der Heide und an der Nordsee. Nebenbei bildete ich meine Pferde in alt klassischer Reitweise aus, denn ohne Gymnastizierung gehts es nicht.

In den letzten Jahren machte ich das bronzene, das silberne und das goldenen Wanderreitabzeichen der VFD…..doch, was nun…alles erreicht?

Ein neuer Plan mußte her….der lang ersehnte Wunsch nach einer Wanderung von Hütte zu Hütte in den Alpen kam mir wieder in den Kopf.  Da meine Füße aber mittlerweile von Arthrose geplagt wurden, schob ich die Idee in die Ecke.

Tja, man könnte eine Alpenüberquerung mit dem Pferd machen…mein  Rentner war zu alt und mein Pony zu zappelig….was tun? Seit ein paar Jahren fuhr ich auch Mountainbike…warum also die Tour nicht mit dem MTB fahren?

Nach reiflicher Überlegung fuhr ich dann  im letzten Jahr 370 km vom Tegernsee bis nach Bozen. Allein. Als Frau. 10 Tage lang.  Das war eine tolle Erfahrung und ich geriet bei dieser Tour auch wirklich an meine Grenzen.

Es dauerte nicht lange und ich fragte mich, was ich wohl nun im nächsten Jahr machen würde…..

Ein Alpenritt, am besten durch die Dolomiten….mein Traum….unerreichbar? Ich machte mich im Internet auf die Suche nach Leuten, die solche Ritte mit Leihpferden anboten. Ich schrieb viele Betriebe die Trekkingreiten anboten an, von manchen erhielt ich keine Antwort, mache wußten noch keine Termine, da es im letzten Winter so viel Schnee gab und der erstmal tauen mußte. Über fünft Ecken bekam ich dann einen Kontakt. Eigentlich nimmt Claudia nur Freunde und Bekannte mit, aber da wir uns so nett über e-Mail verstanden haben, macht sie eine Ausnahme.:-))) Und zufällig gibt es auf diesem Ritt auch Leihpferde. Nun ist es nicht mehr lange hin. In gut 3 Wochen geht es los…..  Der Ritt führt in 6 Tagen von Bozen durch das Grödnertal, den Naturpark Puez-Geisler, das Gadertal  über die Seiser Alm wieder zurück nach Bozen. Die Tagesetappen sind zwischen 30 und 40 km lang. Am ersten Tag sitzen wir laut Rittbeschreibung 8 Stunden im Sattel und überwinden dabei 2350 Höhenmeter. Das Ganze wird bestimmt kein Zuckerschlecken und sehr anstrengend, aber ich freue mich riesig drauf!

Eine Herausforderung wird das Zusammenstellen der Kleidung, da wir uns ja meistens auf 2000 m befinden und es dort eher frisch ist. Hoffentlich bekomme ich alles in meine Packtaschen verstaut.

Ich hoffe, dass ich unterwegs Strom und genug Netz habe, damit ich euch von meinem Abenteuer berichten kann.