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Abschied vom Pferd – Schlachten oder Einschläfern, Verwertung oder Beisetzung

Ob aus heiterem Himmel, durch einen Unfall oder vorhersehbar, z. B. nach einer schweren Erkrankung, wenn das Pferd sterben muss, ist das auch für hartgesottene Pferdebesitzer ein Schock, der nicht so leicht zu verarbeiten ist. Schon die Art der Tötung ist oftmals eine schwere Entscheidung und in vielen Fällen Grund zum Anlass für regelrechte Auseinandersetzungen in Pensionsställen und Reitvereinen. Schlechte Erfahrungen, Halbwissen oder persönliche Schmerzgrenzen dienen dann als Maßstab und können die Qual der Betroffenen nur vergrößern. Doch auch mit dem Tod des Pferdes kommen Pferdehalter nicht zur Ruhe, denn ihr Pferd muss auch noch abgeholt werden. Auch hier gibt es mehrere Möglichkeiten, die unterschiedliche Akzeptanz bei Pferdefreunden finden. Fairer ist es, den Betroffenen in ihrer Trauer den Rücken zu stärken und sie nicht für ihren Weg zu verurteilen, welchen auch immer sie gewählt haben.

Einschläfern oder schlachten?

Diese Entscheidung muss jeder Besitzer selbst fällen. Auch wenn im Equidenpass das Pferd als Nicht-Schlachtpferd eingetragen ist, darf es theoretisch geschlachtet werden. Nur für die Verwendung als Lebensmittel ist es so nicht zugelassen. Die Voraussetzung ist aber, dass der Schlachter über ein abgegrenztes Schlachthaus verfügt, denn das Fleisch darf mit dem der Schlachttiere für den menschlichen Verzehr nicht in Kontakt kommen. Solche Möglichkeiten können die meisten Schlachter nicht bieten. Es besteht aber in einigen Regionen auch die Möglichkeit, das Pferd tot einem Zoo zu überlassen. In diesem Fall z. B. Tierkliniken oft die Vermittler. Schließlich bleibt auch die Schlachtung eines zur Schlachtung zugelassenen Pferdes. Mit diesem Weg tun sich Pferdefreunde oft besonders schwer.

Viele Pferdehalter fürchten das Einschläfern, weil ihnen von anderen unangenehme Bilder vermittelt wurden. Da ist die Rede von Pferden, die sich heftig wehren oder nicht „loslassen“. In den allermeisten Fällen passiert so etwas nicht. Trotzdem ist das Einschläfern kein „schönes“ Erlebnis. Wer die Kraft hat, dabei zu bleiben, sollte das tun. Es ist im Anschluss leichter, endgültig loszulassen. Pferdebesitzer, die aber schon vorher wissen, dass sie die Nerven verlieren, sollten einen Vertreter schicken und ggf. später von dem toten Tier Abschied nehmen.

Zusammenfassend zur Tötung muss gesagt werden, dass es die „einzige pferdefreundliche“ Tötung nicht gibt. Jedes Pferd ist anders. Manche haben panische Angst vor dem Tierarzt und bleiben beim Schlachter ruhig. Andere lassen sich schlecht transportieren oder sind zu krank/zu schwer verletzt, dass eine Schlachtung sowieso nicht zur Debatte steht. Sicher ist aber, dass ein Schlachter sich um allergrößte Ruhe bemühen wird, damit es nicht zu unvorhergesehenen Zwischenfällen kommt. Nach dem Bolzenschuss wird er das hirntote Pferd ausbluten lassen. Viele Pferdefreunde empfinden schon den Bolzenapparat als Akt der Gewalt, die nachfolgend nötigen Maßnahmen sind für sie dann so unerträglich, dass Schlachter den Pferdehalter spätestens dann aus dem Raum schicken. Auch der Tierarzt wird größte Sorgfalt walten lassen, damit das Pferd sich ruhig ablegt und niemand verletzt wird.

Die Abholung durch die Tierkörperverwertung

Noch ist es in den meisten Fällen die Tierkörperverwertung der erste Ansprechpartner. Der Fahrer holt das tote Pferd ab. Das kann ein paar Tage dauern. Gerade im Hochsommer ist es daher wichtig, nicht zu lange zu warten. Das Pferd muss bis zu diesem Zeitpunkt auf einer wasserdichten Unterlage, möglichst auf Beton, liegen und sicher (nicht mit Plastik, sondern z. B. Mit Säcken aus Maismehlstärke) abgedeckt sein. Es ist wichtig, dass der LKW (mit Greifarm), das Pferd auch gut erreichen kann. Ist das nicht der Fall, ist ein Abtransport nicht möglich, das Pferd muss erst geborgen werden.

Bei der Abholung sollte eine Person anwesend sein und den Vorgang quittieren! Es ist aber nicht nötig, dass der Pferdebesitzer vor Ort ist. Ist das nicht möglich, können Pferdebesitzer auch einen Behälter abstellen, in den der Abholer die Bestätigung legt. Es gibt Unternehmen, die die Anwesenheit vorschreiben. In diesem Fall empfiehlt sich dringend, den Grund zu erfragen. Möglicherweise wird dann erwartet, dass der Anwesende mithilft. Bei modernen Unternehmen ist das für gewöhnlich nicht üblich. Die Kosten für die Abholung schwanken von Bundesland zu Bundesland und können auch ganz entfallen.

Hufeisen müssen eigentlich vorher abgenommen werden, was nicht immer möglich ist. In diesem Fall übernimmt das Unternehmen das Abnehmen auch selbst. Das liegt auch daran, dass Metallrückstände auch an anderen Tieren vorkommen können. (verschluckte Schrauben, Magnete bei Rindern etc. )Das Pferd selbst wird bei der Tierkörperverwertung nicht anders behandelt als Schlachtabfälle, die dort ebenfalls verarbeitet werden. Nahrungsmittel werden hier nicht produziert, wohl aber Rohstoffe „getrennt“. Es entstehen mehrere Stoffe, die unterschiedlich verwendet werden. Das sogenannte Tiermehl hat einen hohen Brennwert und ist ein Ersatzbrennstoff, z. B. Für Kraftwerke. Das Tierfett wird ebenfalls thermisch verwertet. Häute werden vorgearbeitet und der Industrie zugeführt.

Einäschern

Auch da ist mittlerweile bundesweit möglich und wird durch private Anbieter realisiert. In diesem Fall agiert das Unternehmen nach dem Muster von Bestattungen. Der würdevolle Umgang mit dem Pferd und dem trauernden Besitzer ist das Ziel dieser Dienstleistung. Das bedeutet, dass die Anbieter von Pferdebestattungen schon beim Einschläfern vor Ort sein können, was auch von den Betreibern gewünscht ist. Mit einem Spezialtransporter wird das tote Tier so schonend wie möglich auf den Hänger geladen und zum Krematorium gefahren. Aufgrund der großen Nachfrage haben auch viele Kleintierkrematorien ihr Angebot auf Pferde erweitert. Wer keine unangenehmen Überraschungen wünscht, sollte vorher fragen, ob die Größe des Ofens für das Pferd ausreicht! Es gibt auch Krematorien, die keine Einzeleinäscherungen vornehmen, sondern die toten Tiere erst „sammeln“.. Auch das gilt es vorher zu klären.

Spezielle Pferdekrematorien äschern für gewöhnlich das ganze Tier allein ein. Ein ausgewachsenes Pferd ergibt etwa 20 kg Asche. Eine Urkunde und ggf. ein Identitätsstein ist die Garantie dafür, dass es sich auch wirklich um das eigene Pferd handelt. Die Kosten sind abhängig von der Größe des Tieres, sind aber in den letzten Jahren eher gesunken und liegen etwa zwischen 400 und 1000 Euro. Die Asche können Pferdebesitzer abholen oder auch im Institut belassen, wo sie für gewöhnlich in einem Gemeinschaftsgrab verbleibt oder auf einer speziell dafür ausgewiesenen gepflegten Wiese verstreut wird. Für viele Pferdebesitzer ist das ein großer Trost.  Es ist aber auch möglich, aus der Asche Schmuck anfertigen zu lassen, der so zu einer bleibenden Erinnerung wird.

Ein Beispiel dafür sind kleine und nicht allzu teure Schmuckanhänger, die etwas von der Asche enthalten. Auch das Pressen eines Diamanten ist möglich. Dazu muss nicht die Asche selbst verwendet werden. Pferdehalter, die z. B. Nur ein paar Schweifhaare übrig behalten konnten, können sie ebenfalls zu einem Diamanten pressen lassen. Für Pferdehalter, die das Einschläfern und Abholen sonst allein bewältigen müssten und sich damit überfordert fühlen, kann der Einsatz eines solchen Dienstes sinnvoll sein. Auf Wunsch ist eine Trauerbegleitung möglich.