Angst vor dem Pferdeschänder – das Interview

Es gibt wohl kaum eine Meldung in den Nachrichten, die einen Pferdefreund mehr erschreckt als die Berichterstattung zu einem Übergriff auf Pferde. Ist mein Pferd gefährdet? Was kann ich tun, um es zu schützen und stimmt es, dass die Polizei die Täter sowieso nicht fassen kann? All diese Fragen beschäftigen Pferdebesitzer. Wir haben nachfolgend die Journalistin Carola Schiller interviewt, die sich im Rahmen der präventiven Berichterstattung seit zwei Jahren intensiv mit dem Thema befasst und an einem Buch zum Thema arbeitet.

 

>Die FreiZeitReiter: Carola, du arbeitest unter anderem für das Aktionsbündnis Pro Pferd am Thema Pferdeschänder. Wie muss man sich diese Arbeit vorstellen?

Carola Schiller: Das Aktionsbündnis wird durch seine enorme Reichweite immer wieder für die Verbreitung von den Nachrichten herangezogen, die Pferdehaltern auf der Seele brennen. Aus diesem Grund werden wir auch von Pferdebesitzern kontaktiert, deren Tiere Opfer von Pferdeschändern geworden sind. Wir versuchen dann die Betroffenen zu beruhigen und natürlich zu beraten.

>Die FreiZeitReiter: Das hört sich schlimm an. Nehmen die Fälle denn zu?

Carola Schiller: Das ist insgesamt schwer zu sagen. Auch hier haben die sozialen Netzwerke einen erheblichen Beitrag an der Verbreitung der Nachricht, sodass sich die Reichweite der Horrormeldungen deutlich vergrößert. Wir können also nicht sicher sagen, ob sich die Zahl der Fälle insgesamt erhöht hat.

>Die FreiZeitReiter: Was genau müssen denn Betroffene wissen?

Carola Schiller: Das sind tatsächlich einige Dinge. Und auch hier muss ich leider die sozialen Netzwerke erwähnen. Die Pferdebesitzer erstatten zwar häufig Anzeige, posten dann aber die Bilder der Verletzungen auf ihren Pinnwänden, z. B. bei Facebook und bitten um Verbreitung. Das ist aber noch nicht alles. In fast allen Fällen finden wir in den Beiträgen Hinweise, die nur die Personen vor Ort und der oder die Täter wissen können. Wenn solche Informationen verbreitet werden, kann das die Strafverfolgung erheblich behindern, schlimmstenfalls sogar zunichtemachen.

>Die FreiZeitReiter: Aber die Pferdehalter aus der Region müssen doch gewarnt werden?

Carola Schiller: unbedingt! Es besteht immer die Gefahr, dass der oder die Täter zurückkommen oder es anderer Stelle in der Nähe noch einmal versuchen. Aber da gibt es ja noch das gute alte Telefon. Reiter kennen sich ja für gewöhnlich. Für die Presse genügt die Mitteilung, wann und wo ein Pferd verletzt wurde und dass Zeugen gesucht werden.

>Die FreiZeitReiter: Was kann der Pferdebesitzer tun, um sein Pferd zu schützen?

Carola Schiller: Wir erleben immer wieder, dass bodenloser Leichtsinn den Tierquälern die Tat erleichtert. Da bleiben Halfter am Pferd, die Stricke hängen am Tor, nichts ist verschlossen. Ein Polizist aus meinem Bekanntenkreis ist kürzlich in Zivil in einen Stall mit 15 Einstellerpferden spaziert und konnte die Reiterinnen so ausfragen, dass er innerhalb von zehn Minuten alles wusste, was für einen Einbruch oder einen tierquälerischen Angriff nötig gewesen wäre. Dazu gehörte auch, wann gefüttert wird, ob der Stall über Nacht verschlossen ist und wo das Werkzeug aufbewahrt wird. Dabei war er dort völlig unbekannt. Der Hinweis, dass er auf jemanden wartet, genügte. Auch dass er ein Auto mit dem Kennzeichen einer Stadt in 200 km Entfernung fuhr, hat niemanden irritiert.

>Die FreiZeitReiter: Oha. Was können Pferdehalter denn noch verbessern?

Carola Schiller: Es gibt sehr viele Möglichkeiten die eigenen Pferde zu schützen. Dazu gehört eine vernünftige Einbruchsicherung. Die Polizei ist dazu der beste Ansprechpartner. Die Beamten kommen auch raus, schauen sich die Hofstelle an und zeigen Schwachstellen auf. Außerdem müssen die Bestände in unregelmäßigen Abständen kontrolliert werden. Das kann abschrecken.

>Die FreiZeitReiter: Du schreibst ja gerade an einem Buch zum Thema. Ist das Buch auch für empfindsame Menschen geeignet?

Carola Schiller: Es gibt keine blutrünstigen Bilder und auch keine Beschreibungen von Taten. Es geht um Prävention. Ich versuche aber auch zu erklären, wie ein solcher Täter ticken kann, auch wenn ich die Frage nach dem Warum nicht beantworten kann. Es gibt aber durchaus Erklärungsansätze, die ich auch aufgreife.

>Die FreiZeitReiter: Ist es schwierig, an die nötigen Informationen zu kommen?

Carola Schiller: Jein. Bei der Polizei habe ich offene Türen eingerannt. Mittlerweile habe ich einige konkrete Ansprechpartner,die Experten auf dem Gebiet sind und die mir sehr helfen. Allerdings ist das zusammengetragene Material umfangreich und ganz sicher sehen wir Reiter einige Dinge anders als ein Ermittler oder ein Psychiater. Wir hatten deshalb einige Diskussionen, die im Ergebnis aber wieder hilfreich waren.

>Die FreiZeitReiter: Was ist dein wichtigster Tipp für die Pferdehalter?

Carola Schiller: Vor allem sollen sie sich bewusst machen, dass sie Werte auf ihren Weiden stehen haben. Sie schließen ihr altes Rad tagsüber sorgfältig ab und stellen es über Nacht in eine Garage oder einen verschlossenen Schuppen, lassen aber das Pferd ohne jeden Schutz z. B. nachts auf der Weide. Eine der Aussagen von gefassten Tätern, warum sie sich am Pferd vergriffen haben lautete: „weil es so einfach war“.

>Die FreiZeitReiter: Also immerhin werden auch Täter gefasst?

Carola Schiller: Ja, das ist richtig.

>Die FreiZeitReiter: Pferde verletzten sich aber häufig selbst. Kann die Polizei erkennen, was da passiert ist?

Carola Schiller: Es ist wichtig, einen Tierarzt hinzuzuziehen, auch wenn das Pferd tot ist. Er kann die Verletzungen analysieren und so der Polizei wichtige Hinweise liefern. Pferde können sich natürlich  furchtbar selbst verletzen, weshalb die Spuren am möglichen Unfall- oder Tatort für die ermittelnden Beamten wichtig sind. Deshalb ist es wichtig, diese Zonen möglichst nicht zu betreten.

>Die FreiZeitReiter: Du bist ja auch für die FreiZeitReiter aktiv. Können die DFFR- Mitglieder dich bei Fragen kontaktieren?

Carola Schiller: Selbstverständlich! Ich bin über carola.schiller@diefreizeitreiter.de erreichbar