Aufgeschaukelt – Wenn der Hänger schlingert

Relampago de Retiro wurde nur 12 Jahre alt. Der 12-jährige Lusitano starb am 29.6.2011 in einem Straßengraben im Kreis Soest (NRW), nachdem offenbar ein rücksichtsloser Autofahrer das Gespann geschnitten hatte und die Fahrerin mit Zugmaschine und Pferdeanhänger in den Graben rutschte. Für das Olympiapferd „Reli“ gab es keine Rettung mehr. Was hier für Schlagzeilen sorgte, ist auch schon vielen anderen Pferdefreunden passiert. Auf Landstraßen und Autobahnen wird überholt, geschnitten und ausgebremst. Die Folgen können katastrophal sein.

Anfälliger Verkehrsteilnehmer

Die meisten Pferdefreunde wissen, wie wichtig vorausschauendes Fahren mit dem Pferdeanhänger ist. Der Hänger mit Pferd ist dabei deutlich schwieriger zu beherrschen als z. B. ein Wohnwagen. Schließlich stehen Pferde nicht immer ruhig. Bei einem Bremsmanöver oder in Kurven müssen sie außerdem die Bewegung des Hängers ausgleichen. Das bedeutet, dass zusätzliche Kräfte wirken, die die Situation verschärfen. Schlimmstenfalls schaukelt sich der Hänger auf, gerät ins Schlingern und kann er auch ohne Ladung ein starkes Zugfahrzeug mitreißen.

Aufschaukeln

Das richtige Verhalten ist abhängig von der Situation und vom Auslöser. Fahrschüler lernen heute, dass beherztes Bremsen die bessere Entscheidung ist. Je nach Auslöser kann es aber auch richtig sein, kurz zu bremsen und dann Gas zu geben, damit das Gespann sich streckt.

Durch das Bremsen wird die Auflaufbremse des Hängers aktiviert, beim anschließendem Beschleunigen ist die Auflaufbremse noch aktiv, sodass das Gespann etwas „auseinandergezogen“ wird. Auslöser für das Aufschaukeln ist z. B. zu schnelles Fahren auf gerader Strecke, bergab oder in Kurven. Auch wer einen Gegenstand auf der Straße überfährt, kann damit ein Aufschaukeln provozieren. Das gilt auch für technische Mängel am Hänger. Falscher Reifendruck oder Schwächen in der Karosserie und Straßenschäden können ebenfalls ein Schlingern auslösen. Deshalb ist es nach einem solchen Ereignis wichtig, die Ursache zu klären. Wer Pferde im Anhänger hat, sollte die Autobahn verlassen, um den Gesundheitszustand der Tiere zu überprüfen. Das Foto zeigt einen Hänger von innen, der sich mit einem Pony aufgeschaukelt hat. (Die Stute blieb unverletzt).

Fahrsicherheitstraining ist sinnvoll

Das Fahrsicherheitstraining mit Pferdeanhänger beim ADAC ist eine gute Investition. Ein solches Training absolvieren die Teilnehmer für gewöhnlich mit den eigenen Fahrzeugen. Die Übungen beginnen mit einem theoretischen Teil. Im Anschluss lernt der Fahrer, wie er seine Sitzposition und die Spiegel richtig einstellt, um optimal reagieren zu können. In der Praxis werden dann die typischen Gefahrensituationen geübt. Bremsen in Kurven, Schlangenlinien, aber auch das Rückwärtsfahren gehört dazu. Übrigens ist ein solches Training ein sinnvolles Geschenk für Pferdefreunde.