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Beinprothese fürs Pferd als Rettung nach schweren Unfällen?

Die Zeiten, in denen ein gebrochenes Bein automatisch den Tod des Pferdes bedeutete, sind vorbei. Heute gibt es eine Vielzahl von Maßnahmen, um ein Pferdeleben zu retten. Dennoch werden viele Pferde aufgrund schwerer Beinverletzungen getötet. Dafür gibt es viele Gründe:

  • fehlende Bereitschaft des Pferdehalters
  • hohe Kosten
  • schlechte Prognose
  • Komplikationen während der Behandlung
  • fehlende therapeutische Möglichkeiten

Bei den Pferden, bei denen die Behandlung zumindest versucht wird, stirbt ein nicht unerheblicher Teil an einer Belastungsrehe. Bekanntestes Beispiel dafür ist der Vollblüter Barbaro, der sich 2006 ein Bein gebrochen hatte. Seine Besitzer ließen nichts unversucht, um sein Leben zu retten, mussten ihn aber acht Monate später aufgrund einer schweren Rehe einschläfern lassen. Barbaros Verletzungen waren schwer, die Prognose von Anfang an ungünstig. Insgesamt mussten die Chirurgen 20 Bruchstellen nageln. Bei einem glatten Bruch ist die Prognose deutlich besser. Auch die Lage des Bruchs hat Einfluss auf die Heilungschancen. Je weiter unten der Bruch liegt, desto besser die Aussicht auf vollständige Wiederherstellung. Auch Rasse und Gewicht des Pferdes spielen eine große Rolle bei der Entscheidung für oder gegen einen Behandlungsversuch. Ein zartes Pony hat die besten Heilungschancen. Je schwerer ein Pferd ist, desto komplizierter ist die Behandlung.  Pferde, die sich hinlegen, um sich zu  erholen, überleben außerdem häufiger, weil sie die Gliedmaßen entlasten. Das gilt auch für Tiere, die Hängevorrichtungen akzeptieren. Nicht jedes Pferd lässt sich nach einem Knochenbruch helfen. In den Kliniken sind die Momente des Aufwachens nach der Narkose immer besonders kritisch. Dass Pferde dann in Panik geraten, kommt leider häufiger vor. Die Folgen sind katastrophal und enden nicht selten mit dem Tod des Tieres. Gut zu behandeln sind Pferde, die ihre Notlage erkennen und sich vertrauensvoll helfen lassen.

Erste Prothese beim Pferd im Jahr 1978

1978 erhielt der amerikanische Hengst Boitron eine Prothese. Damit lebte er offenbar noch lange und auch recht gut. Aktuell gibt es weltweit mehrere Pferde, die Prothesen an einem Bein tragen. Dazu gehört die Ponystute Molly aus New Orleans, die ein Bein bei einem Hundeangriff verlor. Die kleine Stute dürfte auch der populärste Patient sein, denn sie leistet heute therapeutische Hilfe bei Patienten, die Amputationen verarbeiten müssen. http://www.mollythepony.com/ Wie alle Betroffenen, müssen auch die Pferde erst lernen, das fehlende Bein zu akzeptieren. Der Lernprozess ist mit dem bei amputierten Hunden nicht zu vergleichen, denn Pferde können das fehlende Bein nur sehr schwer über die anderen drei Beine ausgleichen. Das Lernen kann Monate dauern. Erst dann kommt die Prothese zum Einsatz.

Sind Prothesen für Pferde in Deutschland möglich?

Die Behandlung nach einem Knochenbruch und die Entwicklung der Prothese sind sehr teuer. In Deutschland gibt es bis heute auch kein standardisiertes Verfahren. Das liegt m. E. auch an der geringen Nachfrage. Natürlich muss das Pferd nicht zwingend einen Knochenbruch erlitten haben. Amputationen können sich auch bei bestimmten Erkrankungen als notwendig erweisen, um dem Pferd ein schmerzfreies Leben zu ermöglichen. Die medizinischen Voraussetzungen sind u.a., dass der Stumpf reizarm ist, damit das Pferd mit der Prothese überhaupt laufen kann. Das Pferd muss sich außerdem auf das künstliche Bein konzentrieren können, wie bei Molly deutlich wird https://www.youtube.com/watch?v=ckTdLdqCAps Mittlerweile gibt es eine Studie, mit deren Hilfe überprüft werden soll, ob Implantate die bessere Möglichkeit sind. Gelungen ist die Umsetzung bislang nicht, denn das Infektionsrisiko ist gerade bei Pferden sehr hoch.

Prophylaxetipps gegen Knochenbrüche:

– Ordentliche Hufpflege

– niemals den Huf nach dem Auskratzen fallen lassen

– Überlastung vermeiden (Ermüdungsbrüche)

– ausgewogene Fütterung