Bodenschule (Teil1): Fragt dein Pferd noch – oder antwortest du schon?

Eine schonende und nachvollziehbare Bodenschule für Mensch und Pferd

Dem jungen Pferd ist die Idee,später einmal ein erfolgreiches Sportpferd zu werden und Karriere zu machen, so fremd wie der Kuh das Tanzen. Seitdem die Arbeit im Roundpen  (abgegrenzter Longier Zirkel)  und am Leitseil  (vergleichbar mit einer Longe) von Horsemanship-Trainern, Pferdeflüsterern und anderen Ausbildern und Pferdeleuten einen Namen bekommen hat, wurde zwar die Grund- und Weiterbildung des Pferdes nicht neu erfunden, aber schon in gewisser Weise revolutioniert und neu strukturiert. Mit alten verstaubten Ausbildungsmethoden wurde rigoros aufgeräumt. In unseren Köpfen fand ein Umdenken statt und immer mehr Freidenker gingen auch öffentlich ihren Weg. Wir Menschen entscheiden WAS aus dem Pferd wird, welche Karriere es machen soll. Pferdegerechte, faire und schonende Ausbildung hilft dem Pferd, sich in der Menschenwelt zurechtzufinden und unsere pferderelevanten Bedürfnisse zu erfüllen. Mit  Kamera und Schreibblock hat Claudia Wieth, selbst Trainerin-B (FN), die lizensierte TGT-Trainerin (Bodenschule) und Trainerin-B (EWU) Julia Schwehn bei der Ausbildung von (jungen) Pferden begleitet. Davon, dass Reitweisen und verschiedene Arten der Ausbildung sich ergänzen, sind Claudia und Julia überzeugt und belegen dies durch den nachfolgenden Bericht, der einen möglichen Verlauf des Ausbildungsbeginns aufzeigt.

Teil 1:

Foto: Claudia Wieth

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Die Grund-Ausbildung des jungen angehenden Reit-Pferdes/Ponys beginnt vor dem Anreiten.

Aus Wachstumsgründen sollte das Anreiten nicht vor Vollendung des dritten Lebensjahres beginnen. In einigen Fällen ist es schonender, die Pferde sogar erst mit vier Jahren anzureiten. Hier gibt es auch rassebedingte Unterschiede, auf die es Rücksicht zu nehmen gilt.

Foto: Claudia Wieth

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In der Zeit zuvor muss das Jungpferd aber schon zumindest vertraut sein mit dem Anlegen des Halfters und dem Führen. Zur Grundausbildung gehört, dass es sich problemlos putzen lässt und den Hufschmied nicht in die Flucht schlägt. Kurz gesagt: Die einfachen Regeln des täglichen Umganges zwischen Mensch und Tier müssen dem jungen Pferd bekannt sein und ihm keine Angst machen. Man sollte sich immer bewusst sein, dass…

…jeglicher Umgang mit dem Pferd Ausbildung bedeutet!

Foto: Claudia Wieth

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Ein sehr entscheidender Lebensabschnitt beginnt für das Jungpferd mit der Grund-Ausbildung, die die Basis für alles weitere legt. Deshalb ist es sehr wichtig, dass der Besitzer bewusst überlegt, welchem Ausbilder/Trainer er sein junges Pferd zur Basisausbildung anvertraut oder ob er sich zutraut dies selbst zu tun. Ob man sich nun im Internet oder über direkten Erfahrungsaustausch mit anderen Pferdeenthusiasten eine Meinung über DIESEN oder JENEN aneignet, ist es auch immer wichtig sich vor Ort anzuschauen WIE und WO ( sichere Umzäunung, ebener und rutschfester Boden…) der Ausbilder arbeitet. Internet und Papier sind geduldig und Erfahrungsberichte anderer Pferdebesitzer sind oftmals sehr subjektiv.

 

Foto: Claudia Wieth

Foto: Claudia Wieth

Es ist von besonderer Wichtigkeit, dass der Start in die Ausbildung schrittweise und auch für den Besitzer nachvollziehbar begonnen wird, so dass – wenn das Jungpferd in den heimatlichen Stall zurückkommt – Pferd und Besitzer auf einer fair erarbeiteten Basis weiterarbeiten können. Nur auf der Basis von solider, fairer und schonender Grundlagenerziehung kann sich der vierbeinige Partner zu einem verlässlichen FreiZeitPartner entwickeln, der ausgeglichen und mit Freude weiter mitarbeitet. Durch gegenseitige Verlässlichkeit und Vertrauen wird durch gezielte Bodenarbeit   eine Basisausbildung erarbeitet, die im Ergebnis ein entspanntes und freiwillig mitarbeitendes Jungpferd hervorbringt.

Foto: Claudia Wieth

Foto: Claudia Wieth

Mit den folgenden Eindrücken möchten wir einen möglichen Ausbildungsbeginn mit Schwerpunkt TGT Bodenschule – (The Gentle Touch) aufzeigen, den wir jedoch nicht als „das alleinige Handbuch zur Jungpferdeausbildung“ verstanden haben möchten. Jedes Pferd ist anders und das Training muss individuell auf dieses abgestimmt werden. So muss auch die Basisausbildung wie ein Maßanzug zu Pferd und Pferdebesitzer passen, auch wenn die wichtigen Säulen nicht nur bei der Ausbildung des Jungpferdes – sondern generell – immer gleich sein sollten: Vertrauen / Zuverlässigkeit / Eindeutigkeit / Harmonie / Konsequenz / Nachvollziehbarkeit. Auch auf dem weiteren Weg darf dies nie in Vergessenheit geraten.

Durch den schrittweisen, konsequenten und logischen Aufbau des TGT–Ausbildungskonzepts können Pferd und Mensch den vertrauensvollen, verlässlichen Umgang miteinander lernen, mit eindeutigen Signalen zur richtigen Zeit ( Timing ). Der Mensch lernt hierbei sich zum richtigen Zeitpunkt   eindeutig klar gegenüber seinem Pferd zu verständigen und in stets freundlicher, fairer Umgangsform zu kommunizieren. … das Ganze entwickelt sich zu einem logischen System!

Foto: Claudia Wieth

Foto: Claudia Wieth

Nicht nur das Jungpferd wünscht sich einen aufmerksamen Menschen, der klar in seiner Kommunikation ist und würdig, souverän und selbstsicher als Führungsperson vom Pferd anerkannt zu werden.

Wir als Pferdeleute sollten stets an uns arbeiten um unserem Pferd in all seinen Lebensabschnitten genau das zu bieten und sollten auch deutlich NEIN sagen können zu einer (Basis)-Ausbildung, die unser Pferd überfordert. Nur wer sich gerade zu Anfang genug Zeit nimmt, um die wichtigsten Basis-Grundlagen vertrauensvoll zu erarbeiten, der hat nicht auf Sand gebaut und sein Geld gut investiert. Das Lerntempo und der Lerneifer des Pferdes müssen jederzeit die wichtigsten Parameter sein und der Ehrgeiz des Ausbilders/Trainers und/ oder des Besitzers dürfen keinesfalls überhand nehmen, denn gerade zu Anfang der Ausbildung ist „weniger oft mehr“.

Nur wer die Grundschule gut durchlaufen hat, kann mit gutem Gewissen zur Haupt-/Realschule wechseln um dann später einen guten Gymnasiumabschuss zu erlangen, der alle zukünftigen Möglichkeiten lässt. Wenn man es so aufschlüsselt, kann man vielleicht besser nachvollziehen, dass Aus- und Weiterbildung einfach eine Menge Zeit benötigen. Manchmal muss man sich auch mal eingestehen, dass man wieder einen Schritt zurückgehen muss.

Foto: Claudia Wieth

Foto: Claudia Wieth

Am Anfang der Ausbildung sind wiederkehrende Arbeitsschritte äußerst wichtig, um das Pferd in seinem vom Menschen gewünschten Verhalten positiv zu bestärken. Die Wiederholungen dürfen aber nicht zur langweiligen Gewohnheit werden. So kann man z.B. das Führtraining dementsprechend interessant gestalten, indem man das Pferd langsamer oder schneller im Wechsel auf geraden und gebogenen Linien führt. Somit kann mit System abwechslungsreich gearbeitet werden.

Claudia Wieth/Julia Schwehn

Infos: www.fairplay4horses.de

Fortsetzung folgt: Teil 2 beschäftigt sich mit dem Thema „Der Anfang vom Ende“