Bodenschule (Teil 3): „Wer nicht leitet – der leidet“!

In der Pferdegrundschule hat Julia Schwehn, Trainer B EWU, das junge Ausbildungspferd mit dem Führtraining vertraut gemacht. Die ÜE 1 ist zwar unspektakulär und ohne Showeffekt aber die wichtigste Basis der Ausbildung auf die immer wieder zurückgegriffen werden sollte, bzw. muss.

Bevor man hier weiter liest ist es sinnvoll die Berichte 1 und 2 der Bodenschule auf dieser Seite gelesen zu haben. Da das System logisch, konsequent aufeinander aufbaut, damit der Pferdebesitzer später auch immer auf die gleiche Basis zurückgreifen kann. In ÜE 1 „Führtraining“ wurde das „einfache“ Führen bewusst und präzise geschult. Stimm-, Köper- und Kontaktsignale werden für das Pferd logisch miteinander verknüpft.

In der ÜE 2 besch0äftigen wir uns mit der Leitseilarbeit

Dafür benötigt man folgendes Equipment:

  • Leitseil mind. 4,60 m
  • Knotenhalfter
  • Handschuhe / festes Schuhwerk

Das korrekt angelegte Knotenhalfter liegt etwa zwei bis drei Finger breit unterhalb des Jochbeins.

Übungseinheit (ÜE ) 2:

1Die Leitseilarbeit beginnt man zunächst genauso wie das Führtraining (ÜE 1), um das Pferd auf die feinen Kontakt-Signale des Knotenhalfters einzustellen. Das Pferd muss zunächst mit dem neuen Arbeitsmaterial (Leitseil /-ende) vertraut gemacht werden. Dazu berührt man es mit dem Leitseil. Je nach Pferdecharakter geht man mehr oder weniger intensiv vor. Vor allem wird es sich dann nicht mehr durch die Berührungen des Leitseil-Endes (Pendel) erschrecken und diese als Hilfe verstehen.

4Die Leitseilhilfen bestehen aus:

  • der Pendelbewegung des Leitseil-Endes
  • dem Schwung, der mit dem Leitseilende von oben kommt
  • und dem Schwung, der mit dem Leitseilende von unten kommt.

Die pendelnde Bewegung des Leitseilendes vermittelt dem Pferd, sich in der vom Menschen gewünschten Gangart weiter zu bewegen. Das Pferd lernt somit schon, die späteren reiterlichen Signale des Schenkels – auch bekannt aus der Signal-Hilfengebung beim Westernreiten – richtig zu deuten (zu verstehen). Hiermit schlägt die Bodenschule eine wichtige Brücke zwischen Hilfen-Verständnis am Boden und vom Sattel aus.

1. Arbeit auf „kurzer Distanz“

5.Ist das Pferd damit vertraut, beginnt Julia mit der Leitseil-Arbeit auf „kurzer Distanz“.  Auf dieser Distanz hat Julia immer wieder die Möglichkeit zurück  in das Führtraining zu wechseln, falls das Pferd die Signale des Leitseil-Endes noch nicht versteht und es nicht vorwärts schreiten möchte.

Bei der Arbeit auf dieser Distanz kann man vor allem auf die Schulter des Pferdes einwirken, um diese nach außen weichen zu lassen, durch einen gezielten Impuls des Pendels zunächst an der Schulter und später auch an der für das Reiten wichtigen Schenkellage.

6.Das Kreuzen der Hinterbeine lässt sich ebenso aus dieser Distanz entwickeln. Wir weisen darauf hin, dass die Beschreibung aller Übungen nur oberflächliche Darstellungen sind, die natürlich in der praktischen Ausführung wesentlich detaillierter aufgebaut sind, um dem Pferd die Verknüpfungen von allen Kontaktsignalen klar zu verdeutlichen.

2. Arbeit auf mittlerer Distanz

7.Nach mehreren ÜE auf kurzer Distanz, wechselt Julia auf die „mittlere Distanz“, die auf das spätere „Herauslongieren“ vorbereitet. Auf dieser Distanz hat Julia die Möglichkeit, das Zirkel-Verkleinern und Vergrößern herauszuarbeiten, in dem sie die Schulter mit Impulsen auf das Leitseil hereinholen kann, bzw. mit einem Schwung des Seilendes von unten oder oben kommend herausschickt.

Aus dieser Position ist es ideal, die Stangenarbeit zu erarbeiten (siehe Titelbild dieses Beitrages), weil man noch verhältnismäßig nahe am Pferd ist und, wenn das Pferd überfordert sein sollte, man daraus immer wieder je nach Bedarf stufenweise im Ausbildungsbereich zurückgehen kann. In diesem Teil der ÜE 2 entwickelt der Mensch das Gefühl für die Linienführung, was wiederum für das spätere Reiten von wichtiger Bedeutung ist.

11… nur ein entspanntes Pferd arbeitet willig mit….

deshalb baut Julia immer wieder in allen Einheiten Entspannungsübungen (siehe auch ÜE 1) ein. Diese Übungen sind sehr wichtig, weil das Pferd dann gelernt hat gewissermaßen auf Knopfdruck zu entspannen. Dies kann in Stresssituationen sehr hilfreich sein.

3. Arbeit auf langer Distanz

Um das Pferd nicht sinnlos an einer Longe „auszuschleudern“ ist es sinnvoll, die Leitseilarbeit in der vorher gennannten Weise zu erarbeiten… „Das Pferd wird es euch danken“!

9Auf langer Distanz  kann Julia nun nicht mehr direkt auf das Pferd einwirken. Die Zusammenarbeit erfolgt nun nur noch durch eine indirekte Hilfengebung –  auf „langer Distanz“. Die Arbeit und daraus folgende Gymnastizierung ist nur möglich, wenn das Pferd den Sinn der Hilfengebung verinnerlicht hat. Nun kann Julia  ebenso das Pferd über einige Stangen auf Distanz schicken.

12Ebenso wie auf kurzer Distanz  erreicht Julia eine bessere Gymnastizierung des Pferdes durch die Übung des Zirkel verkleinern und vergrößern, sowie durch viele andere Übungen, über die wir in ÜE 4 berichten werden. Nach getaner Arbeit ist es eine sinnvolle Gedankenstütze für den Menschen, das Knotenhalfter gegen das Halfter zu tauschen, um nie in die Verlegenheit/Versuchung zu kommen, das Pferd doch mal am Knotenhalfter anzubinden: Dabei droht höchste Verletzungsgefahr für den Vierbeiner!

Fortsetzung folgt: Teil 4 beschäftigt sich mit dem Thema: „Sinnvolle Gymnastizierung ohne Showeffekt“

Text: Claudia Wieth/Julia Schwehn

mehr Infos und Kursangebote unter: www.fairplay4horses.de
weitere Bilder von Claudia Wieth: www.fotos-sind-toll.123webseite.de