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Bodenschule Teil 4

Bodenschule Teil‭ ‬4‭ ‬:‭“ ‬sinnvolle Gymnastizierung ohne Showeffekt‭ !“

 

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In den Artikeln Teil‭ ‬1‭ ‬bis Teil‭ ‬3‭ ‬der Bodenschule haben wir uns mit den Übungseinheiten‭ ‬1‭ ‬und‭ ‬2‭ ‬beschäftigt.‭ ‬In ÜE‭ ‬1‭ ‬wurde das Führtraining bewusst und präzise geschult und in ÜE‭ ‬2‭ ‬mit der Leitseilarbeit begonnen.‭ ‬Für diesen Teil‭ ‬4‭ ‬empfehlen wir die o.g.‭ ‬älteren Artikel nochmals zu lesen,‭ ‬um so euer Wissen aufzufrischen.‭ ‬Gleichwohl sollten Führtraining und Leitseilarbeit auf kurze,‭ ‬mittlere und lange Distanz in der Hilfengebung bei Reiter und Pferd verinnerlicht sein.‭ ‬Auf die Basis der Ausbildung kann jedoch immer wieder zurückgegriffen werden,‭ ‬indem man einfach in dem Ausbildungsprogramm einen Schritt zurückgeht,‭ ‬das noch nicht so fest sitzende erarbeitet und dann im Schulungsprogramm weiter vorangeht.‭ ‬Hierin liegt einer der größten Vorteile dieses Ausbildungsprogramms für Jungpferde.‭
Julia Schwehn,‭ ‬Trainerin B‭ „‬EWU‭“ ‬und TGT-Trainerin Bodenschule,‭ ‬wird euch in diesem Artikel zeigen,‭ ‬was ihr mit dem Erlernten anfangen könnt.

Übungseinheit‭ (‬ÜE‭) ‬3:‭ ‬Gymnastizierung durch Bodenschule

 

1.‭ ‬Sinnvolle Bodenarbeit erleichtert das Anreiten

 

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Julia hat das Jungpferd an Knotenhalfter‭ & ‬Leitseil gewöhnt und das Pferd versteht ihre Körpersprache‭ – ‬beide kommunizieren harmonisch miteinander.‭ ‬Aber das soll ja nicht auf ewig nur vom Boden aus möglich sein,‭ ‬der Reiter möchte ja auch‭ ‬`mal aufs Pferd aufsteigen können.‭ ‬Da das Pferd Sattel und Zaumzeug noch nicht kennengelernt hat,‭ ‬muss es auch hieran sorgsam herangeführt werden.‭ ‬Julia beginnt wie üblich die Trainingseinheit und ruft kurz und prägnant die einzelnen Ausbildungspunkte ab,‭ ‬um sicher zu sein,‭ ‬dass das Pferd ihren Anweisungen folgt und aufmerksam bei der Sache ist.‭ ‬Dann stellt sie sich neben das Pferd und legt das Leitseil in einer Schlaufe locker über seinen Rücken,‭ ‬fasst mit der Hand unter dem Bauch durch und bildet sozusagen einen‭ „‬Bauchgurt‭ “ ‬rund ums Pferd.‭ ‬Durch die Kontrolle über das Leitseil kann sie mehr oder weniger Druck auf das Leitseil in der zukünftigen‭ „‬Gurtlage‭“ ‬aufbauen und spielt so das Anziehen des Sattelgurtes nach.‭ ‬Nicht jedes Pferd nimmt das gelassen hin und der Trainer‭ ‬/‭ ‬Pferdebesitzer muss immer auf seine eigene Sicherheit achten.‭ ‬Wenn das junge Pferd diese Übung gelassen und ohne Aufregung annimmt,‭ ‬dann ist es einen entscheidenden Schritt weiter in der Ausbildung und in Richtung Aufsatteln.

 

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2.‭ ‬Bodenschule interessant gestalten

 

Julia zeigt euch hier einige interessante Übungen,‭ ‬die der Gymnastizierung des Jungpferdes vom Boden aus dienen und die natürlich auch bei älteren Pferden angewandt werden können.‭ ‬Ebenso sind es auch sinnvolle Vorübungen für das spätere Reiten.‭
‬Zwischen den einzelnen Übungen sollte das Pferd immer wieder zum Ausgleich in verschiedenen Gangarten auf geraden oder gebogenen Linien bewegt werden.‭
Die Hilfen vom Boden aus werden z.B.‭ ‬bei bestimmten Übungen durch Pendelbewegungen des Leitseils genau in die Richtung gegeben wo später der Schenkel liegt und Druck aufbaut.‭ ‬Grundsätzlich gilt das gewünschte Erlernte durch Lob und Pause zu bestärken.

 

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2.1‭ ‬Kontaktaufnahmen mit der Hand‭ – ‬Zügelhilfe

 

Ein leichter und freundlicher Druckaufbau fordert das Pferd auf nachzugeben.‭ ‬Auch hier folgt einem Annehmen stets ein Nachgeben.‭

 

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Einwirkungen auf das Knotenhalfter werden so gegeben,‭ ‬dass es der Zügelhilfe vergleichbar ist.‭
Das Pferd gewöhnt sich so allmählich an die Hilfengebung,‭ ‬die der vom Sattel aus sehr ähnelt und deshalb macht diese Gymnastizierung‭ (‬seitliche Halsdehung‭) ‬das spätere Reiten und die Hilfengebung‭ „‬von oben‭“ ‬dem Pferd besser verständlich und der Reiter hat mit weniger Missverständnissen zu rechnen,‭ ‬da das Pferd‭ „‬verstanden‭“ ‬hat und vertrauensvoll‭ „‬mitdenkt‭“‬.

 

2.2‭ ‬Gymnastizierende Übungen für die Hinterhand‭

 
Das Pferd wird durch die nach oben gerichtete Leitseilhilfe aufgefordert,‭ ‬die Schulter zu entlasten.‭

 

 

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‬Dadurch wird erst ein Mittreten der Vorhand möglich gemacht,‭ ‬wenn dann die Hinterbeine durch die Pendelbewegung des Leitseilendes zum Kreuzen aufgefordert werden.

 

2.3‭ ‬Einfacher Richtungswechsel

 

Auf langer Leitseil-Distanz wird das Pferd auf einer geraden Linie in Richtung einer geeigneten und sicheren Umzäunung zum Halten aufgefordert.‭ ‬Es ist darauf zu achten,‭ ‬dass die Schulter durch Pendelbewegung auf der gedachten Linie bleibt und nicht herein drängelt.‭

 

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Nunmehr kann man das Pferd durch Umgreifen des Leitseils auffordern,‭ ‬mit der Schulter herum zu treten.‭

 

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Durch die korrekte Körperposition des Ausbilders,‭ ‬das richtige Timing und die Präzision in der Ausführung wendet sich das Pferd dem Ausbilder zu.‭

Der Ausbilder gibt dem Pferd Raum,‭ ‬damit es die Wendung vollenden kann.‭

 

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Somit hat man eine Gymnastizierung der Vorhand erreicht und den Richtungswechsel vollzogen.‭

 

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Übungen zur Entlastung der Vorhand sind für das spätere Reiten unabdingbar,‭ ‬weil das Pferd naturbedingt sowieso mehr Gewicht auf der Vorhand trägt.‭ ‬Die richtige Gymnastizierung trägt dazu bei,‭ ‬dass das Pferd sein Gewicht vermehrt auf die Hinterhand aufnimmt,‭ ‬was somit zur Gesunderhaltung beiträgt.‭

 
2.4.‭ ‬Gymnastizierung um Pylonen

 

 

Ist das Pferd gefestigt in der Übung‭ „‬Richtungswechsel‭“‬,‭ ‬kann man den Schwierigkeitsgrad erhöhen.‭
‬Dazu stellt Julia‭ ‬2‭ ‬Pylonen auf.

 

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Das Pferd wird auf einer‭ ‬8er Figur durch Verschieben der Vorhand durch die Pylonen-Gasse bewegt.‭

 

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‬Dies kann im Schritt und später auch im Trab absolviert werden.‭ ‬Auch hierbei sind sicheres Timing,‭ ‬Körperposition und präzise Hilfengebung absolut erforderlich.‭

 

2.5.‭ ‬Vertrauensübung‭ „‬Ausdrehen‭“

 

Julia hat das Pferd intensiv an die Berührungen durch das Leitseil gewöhnt.‭ ‬Dadurch wurde die Basis gelegt,‭ ‬dass das Pferd jetzt dem Druck nicht nur weicht,‭ ‬sondern durch eigene Überlegung/Entscheidung dem Druck auch folgen kann und darf.‭

 

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Warum ist diese Übung wichtig‭?‬

Das Pferd wird zum Mitdenken aufgefordert.‭ ‬Es weicht und folgt gelassen dem Druck,‭ ‬was eine große Hilfe beim Verladen oder in gefährlichen Situationen sein kann.‭

 

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An dieser Stelle eine Empfehlung…‭ ‬auf jeden Fall nicht nur ein gutes Buch als Anleitung zur Bodenschule kaufen,‭ ‬sondern auch bei renommierten Trainern einen praktischen Kurs buchen.‭ ‬Üben in einem Kurs bringt Sicherheit und Bestätigung.

Man muss erst selbst lernen die Hände und Körperbewegungen zu koordinieren,‭ ‬um ein gutes Timing und Präzision zu entwickeln.

Man muss an vieles denken‭ ‬-‭ ‬überlegen,…‭ ‬es soll aber auch schnell gehen,‭ ‬…es muss Routine werden‭…‬.‭ ‬lernen kann man nur,‭ ‬indem man übt,‭ ‬…‭ ‬Fehler macht…‭ ‬aus diesen man wiederum lernen kann.‭ ‬Niemals sollte man sich über seine Fehler ärgern,‭ ‬denn dann steht man sich selbst im Wege.‭ ‬Anstatt in‭ „‬dem‭“ ‬Moment an sich arbeiten zu können,‭ ‬verschwendet man Zeit mit seinem‭ ‬„über sich selbst‭“‬ ärgern.‭ ‬Besser ist es sich eher zu sagen…‭ ‬beim nächsten Mal bin ich schneller,‭ ‬oder passe besser auf.‭

Ein lächeln bei der Arbeit tut nicht weh und entspannt beim Umgang mit dem Pferd ungemein ‭ ‬….‭ ‬versucht es mal‭ – ‬denn nicht nur reiten macht Freude‭ – ‬Bodenarbeit auch‭ !!!
Text:‭ ‬Claudia Wieth‭ (‬in Zusammenarbeit mit Julia Schwehn‭)‬
Bilder u.a.‭ ‬von Claudia Wieth‭ ‬www.fotos-sind-toll.de
‭(‬Näheres über Julia Schwehn und Kursangebote findet ihr unter‭ ‬www.fairplay4horses.de)