Bremsenschutz! Welche Methoden eignen sich und welche Nachteile haben sie

Wie tierfreundlich der Pferdehalter auch ist, Bremsen mag er nicht. Der Stich der etwa zwei cm großen Fliege ist gemein schmerzhaft und nicht ungefährlich. Bedingt durch die Größe des Rüssels, kann das Insekt auch einige Krankheiten übertragen, u. a. Borreliose.

DIE eine Pferdebremse gibt es nicht. Insgesamt sind etwa 3500 Arten bekannt, die zur Familie der Bremsen (Taba-nidae) gehören. Wie sicher jeder Reiter weiß, fühlen sie sich vor allem in der Nähe von Gewässern und Feuchtwiesen so richtig wohl.

Wollen Pferdefreunde also nach einem anstrengenden Arbeitstag, womöglich auch noch im Anschluss an einen erfrischenden Regenguss, einen Ausritt am Waldrand unternehmen, haben Bremsen garantiert dieselbe Idee und werden zu unerträglichen Begleitern.  Dabei gilt: je dunkler das Pferd, desto aggressiver die Bremsen. Die Gewinner sind die Besitzer von Falben. Hell Pferde schwitzen in der Sonne weniger und werden von den stechenden Insekten offensichtlich schlechter wahrgenommen. Was hier sticht, ist übrigens das Weibchen. Die meisten männlichen Bremsen sind Vegetarier, während die Larven eine Vorliebe für Würmer und Insekten haben.  Die erwachsenen Weibchen sind auch nicht wählerisch. Menschenblut schmeckt ihnen nämlich auch, wenn sie auch Pferde bevorzugen.  Dabei sind Bremsen nicht dumm. Sie stechen bevorzugt in die Stellen, die der Pferdeschweif nicht erreicht. Dann hilft kein Hautzucken mehr. Hat die Bremse erst einmal zugestochen, lässt sie sich nur noch mit einem Schlag beseitigen, der ihr Leben beendet, wenn man nicht warten möchte, bis die Bremse satt ist und ihres Weges fliegt.

Was hilft?

Tests von Herstellern der verschiedenen Abwehrmittel haben gezeigt, dass Bremsen in den verschiedenen Regionen unterschiedlich auf die Inhaltsstoffe reagieren. Ziel kann sein, die Bremsen abzulenken und ihnen das Landen zu erschweren oder den Schweißgeruch des Pferdes zu überdecken. Auch dafür gibt es zwei Wege, nämlich einmal über das Futter, sodass ein bestimmter Geruch ausgeschwitzt wird oder als äußerliche Anwendung.

Knoblauch?

Knoblauch ist eine Zwiebel und wird von Pferden für gewöhnlich nicht gefressen. Die meisten Pferdehalter müssen deshalb tricksen, um überhaupt die Zehen ins Pferd zu bekommen. Unter der Voraussetzung, dass das Pferd nicht grundsätzlich auf Knoblauch allergisch reagiert, berichten Pferdehalter durchaus von Erfolgen. Der Knoblauch wird deshalb vom Fachhandel auch als Granulat angeboten. Hier gibt es immer wieder Warnungen, dass Knoblauch für Pferde giftig sein. Diese Behauptung ist nach derzeitigem Stand der Wissenschaft aber offensichtlich nicht zu beweisen. Wer es mit Knoblauch probiert, sollte trotzdem vorsichtshalber mit einer niedrigen Dosis anfangen.

Essig

Essig kann bei äußerlicher Anwendung Bremsen abschrecken.  Vor allem in der Anfangszeit, wenn die ersten Bremsen unterwegs sind, kann Essig eine Lösung sein. Im Hochsommer halten sich die Erfolge jedoch in Grenzen. Hinzukommt, dass empfindliche Pferde den Geruch von Essig überhaupt nicht mögen und eines sollten sich Reiter stets vor Augen führen: Das menschliche Riechvermögen ist im Vergleich zu dem des Pferdes so gut nicht vorhanden. Außerdem gehen die Vorlieben für Gerüche zwischen Mensch und Pferd vermutlich deutlich auseinander. Pferdehalter sollten das bei der Wahl des Fliegenschutzes berücksichtigen.

Fliegendecken

Die ersten Fliegendecken sahen aus wie gehäkelte Überwürfe aus den 70ern. Sie hielten gefühlte 5 Tage, dann hingen sie in Fetzen am Pferd. Inzwischen gibt es hervorragende Fliegendecken, die wesentlich robuster (und teurer) sind. Moderne Fliegendecken haben den Vorteil, dass sie auch Kriebelmücken fernhalten. Ihr Nachteil ist, dass Reiter unterwegs in Regionen mit vielen Spaziergängern im 15 Sekundentakt angesprochen werden, wohin sie mit dem Ritterpferd wollen oder wieso das arme Tier bei diesen Temperaturen so eine „dicke“ Decke tragen muss. Pferde mit Decke in der Sommerwärme rufen daher auch gerne wohlmeinende, aber schlecht informierte Tierfreunde auf den Plan, sodass Besitzer von eingedeckten Ekzemern in schöner  Regelmäßigkeit Besuch des Amtstierarztes erhalten. Der Münsteraner Zoo sah sich sogar genötigt, die Fliegendecke eines der Isländer den Besuchern mit einer erklärenden Tafel näherzubringen.

Ätherische Öle

Ätherische Öle in den verschiedenen Zusammensetzungen gibt es fertig zu kaufen. Sie lassen sich auch selbst mischen. Wenige Tropfen in das Wasser einer Sprühflasche können reichen. Vor allem das Öl von Nelken und der Zedern zeigt Wirkung. Allerdings empfiehlt es sich, auf echte Öle zuzugreifen und nachgebaute Industrieprodukte zu vermeiden. Hochwertige Öle sind nicht billig.

Franzosenöl

Franzosenöl, auch unter dem Namen Tieröl bekannt, ist ein Öl, das u.a. aus den Knochen von Tieren hergestellt wird. Der Geruch ist fast unerträglich und hält auch Bremsen ab. Mitreiter übrigens auch. Der Aasgeruch hält sich über etliche Stunden und das Öl hinterlässt auf hellen Pferden dunkle Flecken, die sich nur schwer wieder entfernen lassen. Franzosenöl gibt es in der Apotheke, wo es als Abwehrmittel gegen Schädlinge vertrieben wird.

Mischungen aus dem Fachhandel

Sprühflaschen und Roller mit verschiedenen Inhaltsstoffen füllen im Sommer die Regale in den Reitsportgeschäften. Nicht jedes Pferd verträgt jeden Stoff. Manche Abwehrmittel enthalten chemische Inhalte, die Allergien bei Pferden auslösen können. Deshalb ist es wichtig, das neue Mittel nicht direkt großflächig und womöglich noch an empfindlichen Körperstellen (z.B.  in Augennähe) anzuwenden. Der erste Test sollte am nächsten Tag zeigen, ob das Pferd das Mittel verträgt.

Und täglich grüßt das Zebra

Dieser Trend geht im Jahr 2014 in die zweite Saison. Den Anfang nahm der Hype mutmaßlich bei Facebook, als eine verzweifelte Pferdebesitzerin ihrem Pferd kurzerhand einen Streifenlook zum Schutz gegen Bremsen verpasste. Ihren Berichten zufolge, war der eigene Haflinger sofort fliegenfrei und wurde auch von Bremsen nicht mehr belästigt. Sie experimentierte weiter und entwickelte Lösungen, wie eine Mischung aus Mehl, Wasser und einem ätherischen Öl. Alles zusammen füllte sie in eine vorn aufgeschnittene große Spritze, die das Auftragen erleichterte. Es zeigte sich, dass je zebraähnlicher die Streifen waren, desto weniger die Versuchspferde belästigt werden.  Vor allem der Abstand der Streifen scheint wichtig. Die Farbe hingegen ist vermutlich nebensächlich. So meldeten sich auch Pferdehalter zu Wort, die die Fingerfarbenkästen ihrer Kinder geplündert hatten und auch bei Pferden mit grünen und roten Streifen durchschlagende Erfolge bestätigten.

Mehlmischung auf einem Rappen (Foto S. Parakenings)

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Während in deutschen Ställen mit Feuereifer gepinselt wurde, schneiderten die Pferdeversandhäuser kurzerhand die passenden Decken im Zebralook. Mittlerweile sind die Spottrufe leiser geworden, denn offensichtlich irritieren die Streifen die Bremsen beim Landeanflug erheblich und reduzieren damit auch die Stiche.

Schecke mit Zebrastreifen (Foto B. Petersen)

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Wer nicht malen, eindecken, zufüttern oder sprühen will, kann sein Pferd in einen Stall fernab von Bremsenhochburgen stellen oder sich für das Aufstallen über den Tag entscheiden.