Der Grüne Daumen – So geht Weidemanagement

Grasende Pferde auf grünen Weiden – wie sehr sehnt man sich als Pferdehalter nach der warmen Jahreszeit und dem Weideauftrieb der Vierbeiner. Neben dem reinen Ernährungsaspekt auf der Weide, der – eine gesunde Weide vorausgesetzt – maßgeblich zur Gesundheit des Pferdes beitragen kann, spielen auch Bewegungsmöglichkeiten und Umgang mit Artgenossen eine wichtige Rolle, nicht zuletzt für die Pferdepsyche.

Vom Weidemanagement

Zur Weidepflege gehört auch - gerade bei kleineren Weiden - das Abäppeln!  Foto: Woisetschläger

Zur Weidepflege gehört auch – gerade bei kleineren Weiden – das Abäppeln!
Foto: Woisetschläger

Damit unsere Pferde eine gute Weide vorfinden, bedarf es seitens des Pferdehalters einiger wohlüberlegter vorbereitender Maßnahmen. Evolutionsbedingt aus weiten Steppenregionen stammend nimmt das Pferd auf dem Grasland selektiv Gräser auf. Dieses ausgewählte Fressverhalten führt leider auch oft dazu, dass weniger schmackhafte Begleitpflanzen auf der Weide vom Pferd verschont werden und sich dadurch zunehmend ausbreiten. Disteln, Brennnesseln, Ampfer und nicht zuletzt Jakobskreuzkraut können aus der schönen Weide binnen weniger Jahre ohne ausreichende Pflege eine weitgehend kahle Steppenlandschaft machen, auf welcher Inseln mit den ungeliebten Begleitpflanzen saftiges, aber nicht schmackhaftes oder sogar schädliches, Grün heucheln. Wer wenig Weidefläche hat (Faustregel: maximal zwei Pferde pro Hektar Weide!) und diese nicht pflegt, hat nach der kurzen Wachstumsphase im Frühjahr bald ein Futterproblem. Daher gilt: Vorbeugen ist angesagt!

Auf Verletzungsgefahren untersuchen: Wer so sein Stromgerät aufhängt, geht ein hohes Risiko ein. Foto: Woisetschläger

Auf Verletzungsgefahren untersuchen: Wer so sein Stromgerät aufhängt, geht ein hohes Risiko ein.
Foto: Woisetschläger

Wer seine Weiden regelmäßig abäppelt, bewegt sich an der frischen Luft, wird dabei vielleicht sogar braun und tut ganz aktiv etwas gegen Wurmbefall durch im Pferdekot enthaltene Eier und Larven und gegen Geilstellen. Pferde meiden beim Fressen Stellen, an denen Kot abgesetzt wurde, dadurch wird das Wachstum ohnehin unerwünschte Pflanzenarten zusätzlich begünstigt. Auch Maulwurfshaufen sollten eingeebnet werden, da gerade auch dort gerne unerwünschte Arten keimen. Die einfachste Art zum Einebnen der Maulwurfshügel und – sofern noch vorhanden – Verteilen liegengebliebener Pferdeäpfel ist das Schleppen, das normalerweise im Frühjahr durchgeführt wird und gegebenenfalls im Jahresverlauf wiederholt wird. Beim Schleppen wird eine schonende Weideegge über die Grasnarbe gezogen, die alte Pflanzenteile ausreißt, Maulwurfshaufen einebnet und Kotstellen verteilt. Ebenso sinnvoll, gerade auf stark beanspruchten und von Trittsiegeln der Pferde im Herbst stark mitgenommenen Weiden, ist das Walzen.  Dabei wird die obere Erdschicht wieder verdichtet, lose Grassoden wieder mit dem Untergrund verbunden, so dass die Wurzeln Feuchtigkeit aus tiefer gelegenen Schichten ziehen und so wieder eine feste Grasnarbe ausbilden können.

Bereits mit einfachen Mitteln und wenig Arbeitsaufwand lässt sich aus der ungepflegten Weide wieder etwas machen: Unkraut lässt sich beispielsweise ganz altmodisch mit der Sense in Schach halten. Am besten regelmäßig und vor der Blüte sensen. Gerade jetzt im Frühjahr empfiehlt es sich, kahle Stellen auf der Weide mit Grassaat nach zu sähen, damit sich wieder eine geschlossene Grasnarbe bilden kann. Fragen Sie im Agrarhandel nach schnell wachsenden, für den Standort passenden, Weidemischungen. Auskünfte zu Standortanforderungen geben auch Landwirtschaftskammern (www.lwk-rlp.de; www.lwk-saarland.de, www.llh-hessen.de). Ein der bekanntesten Grasarten ist das Deutsche Weidelgras, das in vielen Grassaatgemischen enthalten ist und vorzugsweise im Frühjahr ausgesät werden sollte.

Dauerweide oder Portionsweide

Ein Traum von einer Weide - saftiges Gras, guter Schutz durch die Bäume und viel, viel Platz. Foto: Woisetschläger

Ein Traum von einer Weide – saftiges Gras, guter Schutz durch die Bäume und viel, viel Platz.
Foto: Woisetschläger

Weideland ist in den meisten Regionen Deutschlands rar. Die Qualität und der Grad der wirtschaftlichen Nutzung des auf der Weide befindlichen Grünfutters hängt in hohem Maß mit der Art der Nutzung zusammen. Da der ungeregelte Zugang zum Grünland nur selten möglich ist, findet in der Praxis meist eines der beiden folgenden Nutzungssysteme Anwendung: Bei der Dauerweide oder auch Koppelweide wird die Gesamtfläche in mehrere Koppeln geteilt, die nacheinander von den Pferden abgegrast werden. Die Portionsweide hingegen findet dort Anwendung, wo zu wenig Weideland vorhanden ist, um ausreichend große Koppeln zu realisieren oder wo die Nahrungsaufnahme der Pferde, etwa bei Sportpferden, gezielt beschränkt werden soll. Die Koppelweide, deren auch für bewegungsfreudige Pferde ausreichend große Flächen bis zu zehn oder 14 Tagen beweidet werden, leidet die Grasnarbe stärker unter dem selektiven Fressverhalten der Pferde als bei einer Portionsweide, der Vertritt ist aufgrund der längeren Aufenthaltsdauer ebenso deutlich größer. Als Faustregel für Koppeln sind bei der Dauerweide mindestens 1.000 Quadratmeter pro Pferd angemessen, beispielhaft für vier Pferde also Koppeln von 4.000 bis 5.000 Quadratmeter (1/2 Hektar). Bei einer Beweidungszeit von zehn bis 14 Tagen und einer angenommen Zahl von vier Koppeln, in welche die Gesamtfläche aufgeteilt ist, hat jede Fläche also 4-6 Wochen Zeit zur Regeneration zwischen den Beweidungsphasen.

Die Portions- oder Rationsweide ist die intensivste Form der Beweidung. Die Weidereste sind sehr gering, die Grünfutteraufnahme pro Pferd sehr hoch. Die Nutzung als Rationsweide empfiehlt sich bei kleinen Weiden und knapper Weidefläche und bei Beweidung durch kleine Gruppen. Die Weide wird täglich neu rationiert, Tagesbedarf pro Pferd etwa 100 Quadratmeter. Für größere Herden ist diese Form wegen des erhöhten Stresses nicht geeignet. Auch ist der Pflegeaufwand der Weide hoch,  durch die intensive Nutzung müssen zusätzliche Nährstoffe durch Düngung eingebracht werden. Grundsätzlich sollten die wichtigsten Nährstoffe wie Kalium, Phosphor und Magnesium regelmäßig – nach Entnahme von Bodenproben – aufgebracht werden. Stickstoff verzeichnet meist den höchsten Nährstoffverlust, erkennbar am schlechten Wachstum der Gräser und Verbreitung von Zeigerpflanzen wie Weißklee oder auch durch zunehmende Lücken in der Grasnarbe. Empfohlen wird im Frühjahr eine Düngung – je nach Boden und Bodenverhältnissen 30 bis 50 Kilo Stickstoff je Hektar.

Zäune – Verletzungssicher, dauerhaft und ausbruchssicher

Zäune sollten haltbar, stabil und verletzungssicher sein, vor allem auch im Torbereich. Foto: Woisetschläger

Zäune sollten haltbar, stabil und verletzungssicher sein, vor allem auch im Torbereich.
Foto: Woisetschläger

Pferdehalter wissen – eine absolut ausbruchssichere Umzäunung gibt es nicht. Landauf, Landab finden sich Beispiele schlechter Umzäunungen mit hängenden, uralten Stromlitzen und morschen Zaunpfosten und die Nachrichten, gerade zu Beginn der Weidesaison, warnen immer wieder vor freilaufenden Pferden oder berichten gar von tragischen Verkehrsunfällen. Bei der Einzäunung einer Weide ist daher ein Höchstmaß an Stabilität und Sicherheit anzulegen. Die regelmäßige Kontrolle und – bei Elektrozäunen – das Anlegen eines Weidezaunprüfers an verschiedenen Stellen der Umzäunung sollte selbstverständlich sein. Für Holzzäune empfiehlt sich das bewährte Modell aus Pfählen und Querverstrebungen. Die Pfähle sollten mindestens 1,30 Meter aus dem Boden ragen oder sich nach der Widerristhöhe des größten Pferdes richten  (Faustregel: Pfahlhöhe = Stockmaß x 0,8). Bewährt sind heimische Hölzer wie Eiche oder Robinie. Etwas preiswerter zu bekommen, allerdings nicht ganz so haltbar ist Lärche, die im übrigen – ebenso wie Eiche – von den Pferden aufgrund ihres hohen Harzanteils (Bitterstoffe im Fall der Eiche) nicht angeknabbert wird. Bahnschwellen und andere mit Imprägniermitteln kontaminierten Materialien verbieten sich für den verantwortungsbewussten Pferdehalter von selbst. Wer keine Kosten scheut, dem bietet der Markt inzwischen auch eine Vielzahl an Kunststoffzäunen, die unverrottbar, leicht und witterungsbeständig dauerhaften Schutz bieten.

Gerade auf gepachteten Flächen wird die Investition in einen guten Holzzaun häufig durch den Einsatz eines Elektrozauns umgangen. Hier sollte man sich darüber im Klaren sein, dass der Hüteeffekt des Zauns lediglich in der abschreckenden Wirkung des elektrischen Impulses und dem davor begründeten Respekt liegt und die Stromlitze im Gegensatz zur massiven Holzeinzäunung kein unüberwindbares Hindernis darstellt. Preisgünstig, heutzutage relativ langlebig und mobil  – das sind Vorteile, mit denen Hersteller von E-Zäunen punkten. Die Nachteile sind schlechte Erkennbarkeit bei schmalen Litzen und E-Schnüren, Verschmutzung und Korrosion von preiswerten Drähten. Wer mit Litze einzäunt, sollte die breiten Modelle mit 40mm-Breite oder mehr wählen, diese sind für Pferde auch bei hohen Geschwindigkeit, etwa beim Herumgaloppieren auf der Weide, gut sichtbar. Weidegeräte, stationär mit Netzanschluss, mit 12 Volt Akku oder 9-Volt Batterie sollten über ein Prüfsiegel (GS- oder DLG-Prüfsiegel) verfügen, mindestens 2.000 bis 5.000 Volt auf die Leitung bringen, bei einer Stromstärke von mindestens 100 mA und einer Impulsenergie von mindestens 0,5 Joule. Das beste Gerät nützt aber nichts, wenn nicht gut angebrachte Isolatoren die Leitung vom Pfahl trennen oder Litzen zur Verlängerung einfach aneinander geknotet werden. Zum Verlängern der stromführenden Litze gibt es spezielle Zaunverbinder aus Metall, die den Strom sicher auch in die letzte Ecke leiten. Bewuchs unter dem Zaun sollte regelmäßig mit dem Freischneider kurz gehalten werden, um keine Stromableitung ins Erdreich zu schaffen. ●

Michael Woisetschläger