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Der Rittführer – Reiten können reicht nicht

David Wewetzer nimmt die Aufgabe als Rittführer ernst. Seit 2010 hat er mehr als 6000 km mit seinem Pferd im Gelände verbracht – oft in Gesellschaft anderer Reiter. Dem VFD-geprüften Sicherheitsexperten und FN-Wanderritführer vertrauen sich auch Einsteiger an, die unter kompetenter Führung ihre ersten Wanderritte absolvieren oder neues Gelände erkunden wollen.

Foto: D. Wewetzer

Ein Rittführer ist aber nicht nur Begleiter und Wegweiser: Er trägt die Verantwortung, und zwar von der ersten bis zur letzten Minute. Und das beginnt bereits bei der Planung: In welchem Gelände findet der Ritt statt und ergeben sich daraus bereits besondere Anforderungen an Reiter und Pferde? Für welche Teilnehmer ist der Ritt geeignet? Eher für erfahrene Reiter oder diejenigen, die möglicherweise zum ersten Mal die geschützte Umgebung von Platz oder Halle verlassen?

D. Wewetzer

Stehen die Vorbereitung und treffen sich die Teilnehmer zum Abritt, beginnen die Aufgaben des Rittführers. Nicht nur die Reiter stellen sich vor. Auch der prüfende Blick auf die Pferde gehört für den erfahrenen Wanderreiter dazu. Ist mit dem Hufschutz alles in Ordnung, macht die Ausrüstung einen gepflegten Eindruck und in welcher allgemeinen Verfassung sind Pferd und Reiter? All das dient vor allem zwei Dingen: 1. Alle sollen heil wieder nach Hause kommen und 2. Der Wanderritt soll allen viel Freude bereiten. Bei der Vorbesprechung geht es deshalb vor allem darum, den Teilnehmern zu vermitteln, dass das, was der Rittführer sagt, unterwegs auch wirklich zu befolgen ist. „Auf einem Wanderritt gibt es keine Demokratie“ macht David daher deutlich. Dabei geht es ihm nicht darum, der Bestimmer zu sein, sondern Risiken rechtzeitig zu erkennen und abzuwenden. Dafür hat David Wewetzer viele Beispiele.
„Unfälle passieren nicht wegen eines einzelnen Fehlers, sondern wegen mehrerer Fehler oder Dinge, die passieren“, weiß er aus Erfahrung. „Auf einem Wanderritt gibt es keine Demokratie“, macht David daher allen Teilnehmern deutlich. Dabei geht es nicht darum, der „Bestimmer“ zu sein. Vielmehr obliegt es seiner Verantwortung, Risiken rechtzeitig zu erkennen und abzuwenden. Ein Beispiel dafür ist die Staubwolke am Horizont. Was aus der Distanz der Landwirt ist, der gerade Mais fährt, könnte Minuten später der entgegenkommende Schlepper mit einem schwer beladenen Anhänger sein. Die Reitergruppe muss sich darauf verlassen können, dass der Rittführer das Gelände im Auge behält, ganz besonders wenn sie sich selbst in der Region nicht auskennen.

D. Wewetzer

Das bedeutet, dass der Rittführer vorausschauend denken muss. Mit mindestens einem Ohr und einem Auge ist er in der Umgebung, aber auch die Reiter muss er beobachten. Ist jemand besonders ängstlich und braucht Bestärkung? Gibt es einen „Clown“ in der Gruppe, der möglicherweise beim Anblick eines Stoppelfelds losgaloppiert und dabei womöglich das Feld von hinten aufrollt? Gibt es Nörgler oder Teilnehmer, die besonders ernsthaft sind? Auf Wanderritten verteilt David daher gerne Aufgaben, passend zu den Fähigkeiten. „Ich muss wissen, wer was gut kann“, macht der Rittführer deutlich. Besondere medizinische Kenntnisse sind dafür nur ein Beispiel. Kommt es zu einem Unfall oder einer gefährlichen Situation, muss der Rittführer ungefähr vorhersehen können, wie die Teilnehmer sich verhalten. Für den erfahrenen Wanderreiter gehört es deshalb zum Alltag, verschiedene Szenarien gedanklich durchzuspielen. „Im Ernstfall muss ich dann nicht mehr entscheiden, ich kann gleich handeln“. Dass solche Notfälle wirklich eintreffen, hat er schon mehrfach erlebt, wie beim Athen-Kassel-Ritt 2017. Ein Pferd war in einen Draht geraten. David gab einem Mitreiter die Zügel seines Pferdes und durchschnitt den Draht mit einer Zange. Das war nur möglich, weil der Mitreiter sofort reagierte und das Pferd festhielt. Bei allen Gefahrensituationen auf einem Wanderritt gilt: Eigensicherung zuerst.


Umsichtigkeit mahnt David Wewetzer aber auch bei erfahrenen Wanderreitern an, denn „Routine ist die Mutter aller Unfälle“. Deshalb setzt er auf Checklisten. Die können gedacht sein oder real in Papierform oder digital vorliegen. Sicherheit hat daher vor allem etwas damit zu tun, dass sich Reiter die täglichen Risiken immer wieder neu bewusst machen.
„Wann habe ich das letzte Mal meine Ausrüstung gereinigt und überprüft“? Neige ich vielleicht dazu, Einzelschritte beim Satteln zu überspringen, weil die Handgriffe in Fleisch und Blut übergegangen sind? Banale Fehler können die Folge sein, wie das Nachgurten zu vergessen.

Das rät David Wewetzer:

Gelegenheiten nutzen und sich selbst immer wieder in Frage stellen. Eine Zugfahrt oder auch Wartezeiten, in denen man statt mit dem Handy zu spielen einfach mal darüber nachdenken kann, welches Verhalten in welchen Situationen richtig wäre. „Was kann ich, was kann ich nicht“? Was könnte mir unterwegs passieren und welche Maßnahmen eignen sich dann? Was kann ich tun, damit ich gewappnet bin? Aber auch die Frage nach eigenen Defiziten ist wichtig. Gibt es Situationen, in denen ich mich immer wieder überfordert fühle? Dann sind Kurse die richtige Entscheidung. David Wewetzer besucht trotz umfassender Erfahrung und Ausbildung weiterhin Kurse, ganz besonders zur ersten Hilfe und Prävention. Weitere Kurse sind geplant, wie auch die nächsten großen und kleinen Touren.

CS