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Der Wolf – Ratgeber für Reiter, Jogger, Mountainbiker und Hundehalter

Laut Kontaktbüro Lausitz ist damit zu rechnen, dass sich der Wolf früher oder später in den meisten Bundesländern nachweisen lässt. Es ist also wichtig, dass sich Freizeitsportler und Spaziergänger auf einen Wolfskontakt vorbereiten. Nachfolgende Tipps stammen aus verschiedenen fachkundigen Quellen. Im Normalfall bleibt der Wolf stehen und wandert weiter. Für den Fall, dass sich der Wolf doch anders verhält, können folgende Tipps helfen.

Allem voran ist festzuhalten, dass Wachsamkeit in der freien Natur immer notwendig ist. Das gilt nicht erst, seit der Wolf zurückkehrt ist, denn auch Wildschweine können gefährlich werden. Der Wald ist Rückzugsort der Tiere. Wenn Sie ihn zur Erholung aufsuchen, sollten Sie sich entsprechend rücksichtsvoll verhalten. Dazu gehört, auf den ausgewiesenen Wegen zu bleiben und keinen Lärm zu verursachen. Müll und Essensreste haben im Wald nichts zu suchen, denn der Wolf darf nicht lernen, dass überall dort, wo der Mensch unterwegs ist, Nahrung zu finden ist. Das gilt auch für Waldparkplätze. Selbstverständlich sollten Sie als Naturfreund auch Ihre Sinne nutzen und Augen und Ohren offenhalten. Kopfhörer im Wald sind tabu. Wolfsexperten bitten aber Waldbesucher zumindest zu versuchen, Fotos von Wölfen anzufertigen, wenn die Situation es erlaubt. Die Bilder sind den Behörden eine große Hilfe und tragen dazu bei, die Wölfe besser einschätzen zu können. Schildern Sie aber auch andere Beobachtungen, die mit dem Wolf zu tun haben. Ihr Ansprechpartner ist die Obere Landschaftsbehörde Ihres Regierungsbezirks.

Der Wolf ist scheu!

Abgesehen von sehr jungen Wölfen und ggf. solchen, die angefüttert wurden, ist der Wolf scheu. Die Wahrscheinlichkeit, ihn zu Gesicht zu bekommen, ist für Reiter aber deutlich höher, als für Mountainbiker, Jogger oder Radfahrer. Das zeigen die Erfahrungen in Wäldern und auf Feldwegen. Wildtiere nehmen den Menschen auf dem Pferd bei entsprechender Windrichtung oft nicht wahr. Das erlaubt Reitern sehr nahe und beeindruckende Wildbeobachtungen.

Bisherige Erfahrungen haben gezeigt, dass der Wolf meist nur kurz zu sehen ist und schnell weiterläuft. Begegnungen sind im Wald möglich, aber auch auf freiem Feld, denn der Wolf ist kein reiner Waldbewohner. Er schätzt z.B. auch Maisfelder, in denen er sich verstecken kann.

Der Wolf kommt näher – was tun?

Nähert sich Ihnen ein Wolf oder ein Rudel, handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um neugierige Jungtiere auf dem Streifzug. Halten Sie sich nicht an Verhaltensregeln, die für die Begegnungen mit Hunden gelten. Sie haben es hier mit einem Wildtier zu tun, dass den Menschen nicht einschätzen kann und deshalb vorsichtig ist. Sie können dazu beitragen, dass das so bleibt, denn nur dann hat der Wolf eine Chance.

  • Machen Sie sich groß
  • Sprechen Sie mit lauter Stimme
  • Verursachen Sie Krach (z. B. Klappern mit Schlüsselbund)

Das Verhalten ist nur angezeigt, wenn der Wolf sich nähert. Solange er Sie nur neugierig beobachtet, sind keine Maßnahmen nötig.

Mit dem Hund durch den Wald

Halten Sie Ihren Hund unbedingt an der Leine. Der Wolf wird ihn mit großer Wahrscheinlichkeit als Eindringling ansehen. Nahe bei Ihnen ist Ihr Hund in einer sehr sicheren Position. Sollte Ihr Hund neugierig zum Wolf wollen, lassen Sie das unter keinen Umständen zu. Für den Wolf ist der Hund kein Artgenosse. Treten Sie energisch auf. Ziehen Sie sich aber aus dem Wald zurück. Es ist möglich, dass der Wolf Sie aus dem Wald hinaus begleitet.

Als Jogger durch den Wald

Laufen Sie nicht mit Kopfhörern und behalten Sie die Umgebung im Auge. In der Gruppe sind Sie grundsätzlich sicherer unterwegs. Laufen Sie nicht quer durch den Wald, sondern bleiben Sie auf den Wegen. Wenn Sie einen oder mehrere Wölfe sehen, unterbrechen Sie Ihren Lauf. Bedenken Sie, dass Ihr Verhalten für ein Tier keinen Sinn ergibt. Entweder sind Sie auf der Jagd oder auf der Flucht. Ihr Verhalten wird Wölfe irritieren, ängstigen oder neugierig machen. Beobachten Sie die Wölfe und gehen Sie dann ruhig weiter. Laufen Sie nicht weiter, während Sie die Wölfe im Rücken haben. Sie brauchen dennoch keine Angst zu haben. Allerdings sollten Sie durch ein in der Natur unangemessenes Verhalten den Wolf nicht zusätzlich provozieren.

Als Mountainbiker durch den Wald

Probleme lassen sich durch einen guten Kontakt mit dem nächsten Wolfsbotschafter sehr gut vermeiden. Er weiß, ob auf ausgewiesenen Strecken Wölfe unterwegs sein könnten. Dass ein Wolf einen Mountainbiker angreift, scheint schwer vorstellbar. Durch das sehr hohe Tempo könnte es aber zu Zusammenstößen kommen.

Downhill durch den Wald

Sind Gruppen unterwegs und fahren die Strecken mehrfach, wird der Wolf sich mit großer Wahrscheinlichkeit zurückziehen. Einzelfahrer sollten wachsam sein. Beim Wolfskontakt ist es wichtig, sofort anzuhalten. Für den Wolf ist der Mensch eher uninteressant, das Rad könnte ihn allerdings neugierig machen. Nähert sich der Wolf, sollte der Biker das Rad zwischen sich und Wolf halten. Es kann helfen, das Rad anzuheben und wieder abzustellen. Von einer ernsten Gefährdung ist dann eher nicht auszugehen, sondern eher von einem besonderen Naturschauspiel. Was Biker allerdings vermeiden sollten, ist mit dem Wolf im Rücken weiter zu fahren, denn das könnte einen Beutereiz auslösen. Daher gilt: Anhalten, beobachten, groß machen und warten, bis der Wolf das Interesse verliert und geht, was für gewöhnlich nicht lange dauert.

Kontakt Herdenschutzhunde

Erfahrene Mountainbiker kontrollieren die freigegebenen Strecken, bevor sie sie in höherem Tempo nutzen. So sehen sie Schwachstellen, die zu gefährlichen Unfällen führen können. Sollte sich in der Nähe eine Schafherde mit Herdenschutzhunden befinden, muss die Fahrt an der Stelle unterbrochen werden. Hier gilt es, abzusteigen und das Bike zu schieben. Der Herdenschutzhund wird den Mountainbiker als Eindringling sehen, wenn er zu nahe an der Herde vorbeifährt. Sind keine Zäune dazwischen, drohen gefährliche Situationen, die sich mit genügend Abstand problemlos vermeiden lassen.

Als Reiter durch den Wald

Das Kontaktbüro Lausitz hat bereits einige Rückmeldungen von Reitern erhalten, die Wölfen in Sachsen begegnet sind. Durchweg konnten sie berichten, dass die Pferde kaum auf den Wolf reagiert haben. Auch der Wolf hat sich für die Pferde kaum interessiert. Die Reiter haben es richtig gemacht. Sie haben den Wolf zwar im Auge behalten, sich ansonsten aber nicht weiter um ihn gekümmert. Ähnlich vorbildlich haben sich zwei Reiterinnen verhalten, die am 17. Juni im hessischen Schwalm-Eder-Kreis einem Wolf begegnet sind. Der Wolf verschwand schnell wieder im Gebüsch, berichteten sie der Hessisch-Nassauischen Allgemeinen. Als die Pferde diese Stelle passierten, wurden sie allerdings sehr nervös. Die Reiterinnen waren zu Recht davon ausgegangen, dass der Wolf vom lauten Hufschlag der Pferde verscheucht werden würde. Das Verhalten des Wolfs war typisch und die Situation ungefährlich. Dass ein Wolf Reiter und Pferd angreift, kann so gut wie ausgeschlossen werden. Für Reiter kann sich lediglich eine gefährliche Situation entwickeln, wenn das Pferd sehr erschreckt und möglicherweise durchgeht.

Pferd und Wolf begegnen sich

Wolfsexperten raten Reitern, sich bei Wolfsbegegnungen laut zu verhalten. Es ist davon auszugehen, dass der Wolf den Reiter zunächst nicht wahrnimmt, sondern nur das Pferd beobachtet. Starren Pferd und Wolf einander an, kann das beim Pferd einen Fluchtreflex auslösen. Die Situation sollte also schnellstmöglich unterbrochen werden. Ein gut ausgebildetes Pferd, das regelmäßig im Gelände geritten wird, wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit gelassener verhalten, als ein Pferd mit nicht ausreichender Ausbildung oder wenig Erfahrung.

Reiten Sie nicht allein

Reiten Sie vor allem mit jungen und unerfahrenen Pferden nicht allein aus. Meiden Sie mit unruhigen und unerfahrenen Pferden Regionen von denen Sie wissen, dass dort Wölfe unterwegs sind. Halten Sie den Kontakt mit dem Wolfsberater und den Jägern, um rechtzeitig informiert zu werden. Nehmen Sie keine frei laufenden Hunde mit. Beaufsichtigen Sie reitende Kinder und unsichere Reiter besonders sorgsam. Bedenken Sie, dass Wölfe vor allem in den frühen Abendstunden und am frühen Morgen unterwegs sind. Es kann passieren, dass Sie einen Wolf bei der Jagd treffen. In einer solchen Situation hat der Wolf nur Augen für seine Beute. Er wird Sie und das Pferd möglicherweise nicht registrieren und dann näher kommen, als er das im Normalfall tun würde. Auch das bedeutet nicht, dass er das Pferd angreift. Wohl aber erhöht sich dadurch die Wahrscheinlichkeit, dass das Pferd scheut. Wachsame Gelassenheit ist eine gute Grundhaltung. Trainieren Sie Ihr Pferd auch im Umgang mit ungewöhnlichen Alltagssituationen, damit es gelassener wird.

Reiter können einen erheblichen Beitrag zum Wolfsmonitoring leisten, von dem im Ergebnis alle profitieren. Wenn Sie viel im Gelände unterwegs sind und in einer Wolfsregion leben, sollten Sie als Naturfreund Kontakt zum NABU aufnehmen. Dort erhalten Sie das nötige Hintergrundwissen zur Beobachtung.

Fazit

Die Herausforderung ist nicht unbedingt die Rückkehr der Wölfe. Die Herausforderung ist, den Menschen zurück zur Natur zu bringen und ihm zu vermitteln, wie die Natur, wie Wildtiere und wie der Wald funktionieren.

Vielleicht ist der Wolf der Botschafter, der uns alle auf den Weg zurückbringen kann, wenn wir die Kraft, den Mut und wir alle die dafür nötige Toleranz aufbringen. Diese Toleranz darf sich nicht auf den Wolf beschränken, sondern muss die Menschen mit einbeziehen, die direkt von der Rückkehr des Wolfes betroffen sind. Mit gegenseitigem Respekt, Verständnis, Einfühlungsvermögen und Sachverstand können Lösungen in greifbare Nähe rücken.

Weitere Informationen finden Sie in unserem Beitrag mit Interviews des Bundesumweltministeriums, der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, des Schafzuchtverbandes, des Deutschen Jagdverbandes und des NABU http://www.diefreizeitreiter.de/der-wolf-chancen-und-risiken-der-wiederansiedlung/

(Carola Schiller)