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Deshalb brauchen Wanderreiter Fachwissen – Interview mit Hufschmied Ulrich Gerusel

Ein kurzer Stolperer und plötzlich klingt das Auffußen dumpf. Der Blick nach unten zeigt dem Reiter das Dilemma. Das Eisen ist ab. Ärgerlich ist das immer, unterwegs auf dem Wanderritt aber ein echtes Problem, wenn der  Reiter nicht in der Lage ist, das Eisen wieder aufzunageln. Ulrich Gerusel ist staatlich geprüfter und anerkannter Hufbeschlagschmied. In zweitägigen Kursen lernen Wanderreiter bei ihm, wie sie die Notversorgung ihres Pferdes fachgerecht vornehmen müssen.

„Für einen Turnierreiter ist das einfach“, erklärt Ulrich Gerusel den Grund, warum Wanderreiter Fachwissen brauchen. „Die steigen ab, gehen zum Turnierschmied. Der nagelt das Eisen wieder drauf, sie steigen wieder auf und reiten in die nächste Prüfung. Ein Wanderreiter kann das nicht. Er muss seinem Pferd unterwegs helfen können“

ETCD FreiZeitReiter: Was muss ein Wanderreiter lernen, damit er seinem Pferd nicht schadet?

UG: Wenn das Eisen verbogen ist, muss er es geradebiegen können. Dafür braucht er das passende Werkzeug. Und er muss das Eisen wieder aufnageln können.

ETCD FreiZeitReiter: Und wenn das Eisen verloren ist?

UG: Ein Wanderreiter sollte sowieso Ersatzeisen dabeihaben. Das gilt auch für Hufkitt oder Ersatzhorn, falls das Hufhorn ausgebrochen ist. Das ist aber immer eine Notfallversorgung. Ich setze voraus, dass das Pferd grundsätzlich, auch vor dem Wanderritt, eine professionelle Hufversorgung bekommen hat.

ETCD FreiZeitReiter: Wie lang dauern Ihre Kurse und was lernen die Wanderreiter dabei?

UG: Die Kurse dauern zwei Tage. Wir beginnen mit einer PowerPointPräsentation, danach geht es an die praktische Arbeit an echten Hufen.

ETCD FreiZeitReiter: Es sind aber keine lebenden Pferde?

UG: Nein, nur die Hufe toter Pferde

ETCD FreiZeitReiter: Was ist, wenn jemand mit Hufschuhen oder geklebtem Beschlag unterwegs ist?

UG: Auch dafür braucht man unterwegs Fachwissen für die Notfallversorgung am Huf. Und auch dieses Pferd gehört für die Grundversorgung in Profihände. Unterwegs muss der Wanderreiter aber genau wissen, was er zu tun hat. Deshalb lernen die Kursteilnehmer auch, wie sie den Beschlag wieder aufkleben und üben das auch. Insgesamt geht das Aufkleben aber schneller als das Aufnageln und der Trend nimmt auch zu. Das sieht man zum Beispiel an den Duplos mit Carbonlaschen. Der Beschlag ist in Minuten wieder drauf und der Reiter kann weiterreiten.

ETCD FreiZeitReiter: Gibt es etwas, was Sie Wanderreitern sagen wollen?
UG: Wanderreiter haben eine sehr enge Bindung zu ihrem Pferd, weil sie viel mehr Zeit mit ihm verbringen, als z.B. ein Turnierreiter. Deshalb tragen Wanderreiter auch eine sehr große Verantwortung. Sie müssen sich unterwegs selbst helfen können und das muss man lernen.

Ulrich Gerusel ist staatlich geprüfter und anerkannter Hufbeschlagschmied und lebt in Kalletal, in NRW. Sein Einsatzgebiet ist jedoch erheblich größer

CS

Zur Webseite: http://www.hufschmied-gerusel.de/