Eine Lesergeschichte über das Handicappferd Mango

Nachdem wir die Geschichte über den halbseitig blinden Tammo veröffentlicht haben, hat sich Anke bei uns gemeldet und die Geschichte über ihr Pferd Mango für uns aufgeschrieben.

Ich traf auf einen Zeitungsartikel, über eine Gruppe für schwer vermittelbare / nur bedingt reitbare Pferde. Neugierig schaute ich auf die Homepage und fand dort ein Bild. Es machte mich stutzig. Dieses Pferd sah genauso aus, wie das Pferd auf unserem Hof. Ich rief sofort unsere Stallbesitzerin an und erzählte ihr davon. Sie stimmte zu. Die Besitzerin hatte sich aufgrund auswärtigem Studium / Zeitmangel schweren Herzens dazu entschieden ihn abzugeben, da sie ihm nicht mehr gerecht werden konnte. Ich wusste bereits ab diesem Moment das ich das nicht übers Herz bringen kann ihn abzugeben. Bisher hatte ich auf diesem Hof mein Pflegepony und daher keinen weiteren Kontakt zu ihm gehabt. Aber ich konnte es einfach nicht. Irgendwas war da zwischen uns. Ich rief direkt bei der Besitzerin an und bat ihr die Übernahme an. Da er dadurch im gleichen Stall / Umgebung bleiben konnte war sie ebenfalls begeistert und glücklich. Ich übernahm ihn trotz seiner bedingten Reitbarkeit durch Arthrose und seiner „Beeinträchtigung“ durch nur einem Auge. Am Abend fuhr ich mit meinem Freund zum Hof, Ein kalter Tag. Ich lief zu ihm, streichelte ihn und nahm ihm das erste mal richtig war. Ich war überglücklich. Es war wie Liebe auf den zweiten Blick.

Mein erstes eigenes Pferd!

Heute bin ich sehr glücklich mit ihm und total stolz auf ihn. Für alles was wir gemeinsam erleben. Für jeden Fortschritt. Da er jahrelang stand und nichts mit ihm gemacht wurde fing ich mit Bodenarbeit an, um Vertrauen zu ihm aufzubauen. Er freute sich über jede Beschäftigung und schnell war klar, das er das alles kennt und ebenfalls Freude daran hat. So konnten wir mit seinem Kumpel ausreiten haben die ein oder andere Dressurstunde (nur für Besseres Zusammenarbeiten und Sitzkorrektur) gemeistert und waren sogar schon 2 mal zusammen im Ausreit-Urlaub. Nach einem halben Jahr kaufte ich mir einen Sattel für ihn. Durch die Haltung im Offenstall mit 24 Stunden Weidegang im Sommer und Winter ist von seiner Arthrose nichts zu merken. Und mit meiner Freizeitreiterei sind wir genau die richtigen für einander. Wir ergänzen uns.

Nicht jeder hat Verständnis für ein einäugiges Pferd!

Jedoch, egal wo wir sind werden wir betrachtet und erschrocken angesehen, aufgrund seines Handicaps, da er nur ein Auge hat. Die leere Augenhöhle sieht für viele schlimm aus, und lässt daher auch so reagieren. Aber das macht ihn überhaupt nichts aus! Und das möchte ich weitergeben! Er ist das tollste Pferd für mich. Er geht direkt neben Trecker vorbei, obwohl er das nicht sehen kann. Auch wenn er lieber einen Kumpel dabei hat, der ihn Sicherheit gibt und vor läuft. Hat er auch manchmal seine Phasen wo er meint „Ich lauf dann jetzt mal vorne weg, ihr seid mir zu langsam“. Daher haben wir es auch schon alleine ins Gelände geschafft. Jedes Pferd hat halt seinen eigenen Charakter, der sich dadurch nicht unbedingt ändert. Er hat so viel Lebensfreude und ich freue mich über jeden Moment den wir noch gemeinsam haben werden. Eine Behinderung heißt nicht gleich, dass diese auch behindern muss. Ein Pferd kann sehr gut lernen damit zurecht kommen. Das wichtigste ist hier eine Vertrauensbasis zu seinem Pferd zu haben. Das geht nur wenn man immer wieder zusammen arbeitet und dem Pferd beibringt, dass es sich auf dich verlassen kann. Das es nicht schlimm ist wenn er diesen Weg mit dir geht. Dann wächst das Vertrauen und dann ist alles möglich. Und dieser kleine „Fehler“ fällt gar nicht mehr auf.  Für mich bis an sein Lebensende mein perfektes Pferd!

Von Anke und Mango