Jakobskreuzkraut auf Pferdeweiden – wie gefährlich ist es?

Das Thema Jakobskreuzkraut beschäftigt Landwirte und Pferdehalter seit sechs Jahren mit steigender Intensität. Während es auf der einen Seite heißt, dass das Kraut hochgiftig ist und ausgerottet werden sollte, zucken andere mit den Schultern und halten die Debatte für völlig übertrieben. Dass viele Medien dann auch noch falsche Zahlen veröffentlichen, wenn es darum geht, ab wann denn das JKK tatsächlich tödlich wirken könnte, sorgt außerdem für Verwirrung. Wir lösen auf und fassen hier die wichtigsten Punkte zusammen.

Was ist eigentlich Jakobskreuzkraut?

JKK ist eine heimische Pflanze, die vor allem auf Wiesen vorkommt, die wenig oder zur falschen Zeit gemäht werden.

Wieso gibt es jetzt eine JKK-Diskussion, wenn die Pflanze doch hierher gehört?

Das Problem ist nicht das Kraut an sich, sondern die Bestandsdichte, und die hat sich in den letzten Jahren deutlich erhöht. Vor allem auf Pferdeweiden ist es häufig zu sehen, die nicht gründlich gemäht werden. So kann sich das Kraut selbst neu aussäen. Hinzu kommt, dass Pferde das JKK wegen seines Geschmacks eher nicht fressen, sodass es keine Feinde hat.

Wenn Pferde das JKK nicht fressen, ist doch alles gut

Nein, das ist ein Trugschluss. Wird JKK nicht gemäht, säht es sich aus und natürlich bleibt es nicht auf dem eigenen Grund und Boden, sondern breitet sich auf den Wiesen und Weiden der Nachbarn aus usw. So gelangt es auch ins Heu und schließlich in die Raufe der eigenen Pferde. Im Heu erkennen Pferde das JKK nicht. Sie fressen es mit.

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Foto: Jakobskreuzkraut am Wegesrand. So breitet es sich aus und gelangt auf Pferdeweiden, aber auch ins Heu (Foto: Sonja Schütz)

Wie hoch ist die tödliche Dosis für Pferde?

Laut Landwirtschaftskammer NRW liegt die tödliche Dosis für ein Pferd bei Frischpflanzen bei 40 bis 80 g pro kg Körpergewicht. Das bedeutet, dass ein Pferd mit 350kg Körpergewicht 14 bis 20 kg von diesem Kraut fressen müsste, um zu sterben. Für Heu gilt, 2-4kg im Heu entsprechen einer tödlichen Dosis.

Wenn Pferde kaum frisches JKK fressen und 2kg getrocknetes JKK im Heu kaum vorstellbar sind, wieso ist es dann gefährlich?

Das ist eine gute Frage, aber leider gibt es keine Entwarnung. JKK enthält gleich mehrere Pyrrolizidin-Alkaloide. Das sind Substanzen, die die Leber chronisch vergiften. Pferde reagieren auf die Substanzen auch noch besonders empfindlich. Die Pyrrolizidin-Alkaloide reichern sich in der Leber an. Außerdem hat ein fertiger Trieb durchaus ein Gewicht von 70 g. Nur 15 Triebe im Heu genügen, dann ist das erste Kilogramm voll und diese giftigen Substanzen werden nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft nicht abgebaut. So vergiftet sich das Pferd systematisch selbst.

Was kann ich gegen JKK tun?

Flächen müssen frei von JKK gehalten werden. Das ist Arbeit. Neben verschiedenen chemischen Hilfsmitteln (Auskunft erteilt die Landwirtschaftskammer), ist das zweimal jährliche Mähen VOR der Blüte wichtig. Allerdings gibt es auch hier ein Problem, denn wenn das gemähte JKK auf der Wiese liegenbleibt und werden im Anschluss wieder Pferde auf die Wiese gelassen, fressen sie die gemähten Pflanzen, da sie sie nicht mehr als Giftpflanze erkennen. Also muss das JKK runter von den Weiden. Die meisten Fachleute rupfen die Pflanze daher aus und sammeln sie in einem Behälter. Dazu müssen die Pflanzen mitsamt der Wurzel vorsichtig herausgezogen werden. Da JKK auch für Menschen giftig ist und das Gift auch über die Haut aufgenommen wird, ist es wichtig, dabei Handschuhe zu tragen. Aus weicher Erde lässt es sich übrigens leichter ziehen. Das verringert auch die Gefahr, dass die Wurzel abreißt und die Pflanze schon bald nachwächst.

Kann ich JKK auf den Pferdemist entsorgen?

Auf keinen Fall darf JKK auf den Misthaufen gelangen. Es muss verbrannt werden! Man kann es z. B. in einer Tonne sammeln und dann gesamt verbrennen.

Warum werden Landbesitzer und Pächter nicht verpflichtet, JKK zu bekämpfen. Schließlich gibt es viele, denen das Kraut völlig egal ist.

Es gibt solche Bemühungen, die vor allem von den Landwirten ausgehen. Sie sehen die Probleme und schlagen schon lange Alarm. Aber es gibt auch zu viele Menschen, die das gelbe Kraut schön finden und die Forderungen für übertrieben halten. Bitte helft uns bei der Aufklärung, damit die Weiden und Wiesen für unsere Tiere keine Gefahr mehr bedeuten.

Fotos: Sonja Schütz

www.diefreizeitreiter.de e. V.