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Kamera im Pferdeanhänger? Expertin vom Verkehrssicherheitsdienst warnt

Beim Pferdetransport ist bei vielen Reitern die Sorge um das Pferd im Anhänger groß. Vor allem unruhige Vierbeiner, die gegen Wände treten, eine Krankheit überstanden haben oder dem Besitzer noch nicht so vertraut sind, beunruhigen den Pferdefreund. Der Gedanke, das Pferd mit der Kamera zu überwachen und sein Wohlergehen auf dem Handydisplay zu züberwachen, ist naheliegend. Bei Autofahrten kann das jedoch richtig gefährlich werden und ist mit der oft genannten Entschuldigung: Auf das Navi schau ich doch auch… nicht zu vergleichen.

Expertin vom Verkehrssicherheitsrat (DVR) warnt!

Wir haben mit Julia Fohmann vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) gesprochen. Sie warnt Autofahrer eindringlich davor, ihre Pferde während der Fahrt auf dem Monitor zu überwachen. Allein per  Straßenverkehrsverordnung darf der Fahrer seinem Smartphone nur einen kurzen, angepassten Blick zuwenden, etwa maximal zwei Sekunden. Aus gutem Grund

„Bei 50 km/h bedeuten zwei Sekunden Ablenkung 14 Meter Blindflug auf der Straße. Bei 80 km/h sind es bereits 22 Meter.“  Leicht vorstellbar, welche Folgen das hat, wenn plötzlich ein Hindernis auf der Straße auftaucht. Sei es ein bremsendes Auto vor dem Transporter oder ein Reh, das auf die Straße springt. Wird der Fahrer zur sogenannten Gefahrenbremsung gezwungen, tritt er also das Bremspedal voll durch, braucht schon ein normales Auto bei Tempo 50 noch einmal etwa 27,5 Meter bis es steht. (Faktoren, wie unterschiedliche Gewichtsklassen des Fahrzeugs, Zustand der Straße und Reaktionsvermögen des Fahreres mal außen vorgelassen)

 

Das bedeutet: 2 Sekunden Ablenkung – in denen der Fahrer kaum in der Lage ist zu erfassen, was gerade auf dem Monitor von seinem Pferd zu sehen ist – haben zur Folge, dass das Fahrzeug selbst bei Tempo 50 frühestens nach 42 Metern zum Stehen kommt. Und auch nur bei einer Vollbremsung! Ein für ein Pferd im Hänger sehr gefährlicher Vorgang.

Bei Tempo 80 wird ein solches Prozedere dann schnell lebensgefährlich.

„Ablenkung bei höheren Geschwindigkeiten, die zu einer Kollision führen, zum Beispiel mit einem Baum, sind für den Fahrer oft tödlich“, so die Expertin. Vom Pferd ganz zu schweigen.

Was empfiehlt Julia Fohmann vom Verkehrssicherheitsrat?

Das rät Julia Fohmann vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat zu Kameras im Transporter, die live Bilder aufs Handy übertragen: „Nicht benutzen! Solche Apps bieten keine sichere Möglichkeit der Überwachung während der Fahrt. Die Gefahr, dass der Fahrer auf das Smartphone schaut, selbst wenn er sich vorgenommen hat, es nicht zu tun, ist viel zu groß. Allein Geräusche aus dem Anhänger verleiten dazu, den Blick auf das Gerät zu lenken. Planen Sie lieber Pausen ein, bei denen Sie sicher anhalten können. Wer auf eine Überwachung während der Fahrt angewiesen ist, sollte einen Beifahrer mitnehmen.

Julia Fohmanns Warnung: „Sie sind im Auto nicht multitaskingfähig!

(CS)

Julia Fohmann

credit: Martin Lukas Kim/DVR