Keine Lücke im System – E-Zäune als Risikofaktor

Dass Pferde die eingezäunte Koppel verlassen, kommt immer wieder vor. Ganz sicher vermeiden lässt sich ein solcher Ausbruch nicht. Dazu gibt es zu viele mögliche Gründe. Deshalb sind Pferdehalter in der ganz besonderen Verantwortung, beim Zaunbau und der täglichen Kontrolle, die größtmögliche Sorgfalt anzuwenden.

Weide sichern schützt Tier- und Menschenleben

Am 5. November entliefen bei Gießen sechs Pferde in den frühen Morgenstunden von ihrer Koppel. Ein LKW-Fahrer konnte seinen 40-Tonner nicht mehr rechtzeitig stoppen. Drei Pferde kollidierten mit dem LKW. Zwei der Tiere waren sofort tot. Ein drittes erschoss die Polizei. Der Fahrer des LKW blieb unverletzt. Der Sachschaden wird mit 10.000 Euro beziffert. Die drei weiteren Pferde konnten später unverletzt gesichert werden. Die getöteten Tiere mussten mit erheblichem Aufwand zur Tierkörperverwertung transportiert werden. Erst gegen Mittag wurde die gesperrte Autobahn wieder freigegeben.

Pferde waren mit Litzen gesichert

Die Polizei begutachtete später die Einzäunung, die aus einem Litzenzaun bestand. An zwei Stellen war der Zaun laut Morgenpost.de niedergedrückt. Jetzt hat der Unfall auch ein juristisches Nachpiel. Im Raum steht die Frage, wer für den Schaden aufkommen muss.

Pferde können mit E-Zäunen gut und weniger gut eingezäunt sein

 

 

 

 

 

 

 

Gefährdungshaftung gilt für Hobbytierhalter

Die Haftungsfrage ist komplex und kompliziert. Für Hobbytierhalter, die also nicht mit der Pferdehaltung ihren Haupterwerb erzielen, gilt die Gefährdungshaftung. Ob nun ein Sturm den Zaun umwirft oder eine Rotte Wildschweine den Zaun beschädigt oder Nachlässigkeit der Grund für den Ausbruch ist, der Tierhalter ist in der Haftung. Hier greift die eigens für diesen Zweck abgeschlossene Versicherung. Achtung! Es besteht ein Unterschied zwischen Tierhütern und Tierbesitzern. Wer sein Pferd untergestellt hat und dafür bezahlt, wird vom Gesetzgeber anders behandelt als jemand, der Pferde gegen Entgeld versorgt. Und auch hier gibt es gewaltige Unterschiede zwischen denen, die ihr Haupteinkommen von den Einstellern beziehen und denen, die die Stellplätze „nebenbei“ anbieten. Entscheidend ist für den Hobbytierhalter, dass er „verschuldensunabhängig“ haftet, also zwar selbst dann, wenn jemand mutwillig den Zaun zerstört und die Pferde aus der Weide scheucht, muss er für den Schaden aufkommen. Es sei denn, der Verursacher wird ermittelt.

Achtung – Nutztiere werden vom Gesetzgeber anders behandelt!

Ist die Tierhaltung gewerbsmäßig, dient sie also dem Haupteinkommen des Halters (Der Halter muss nicht der Eigentümer sein), ist die Haftung verschuldensabhängig. Die Versicherer sprechen in diesem Zusammenhang von Exkulpation. Der Halter kann sich aus der Haftung „befreien“, wenn ihn kein Verschulden trifft. Das ist gut für den Halter und ganz schlecht für die Unfallopfer.

Das empfehlen Experten!

Der geschilderte Fall ist trotz der toten Pferde noch verhältnismäßig gimpflich verlaufen. Bei einer Kollision mit einem PKW wäre das Risiko für die Insassen vermutlich immens gewesen. Kommt bei einem solchen Unfall der Alleinverdiener einer Familie ums Leben oder erleidet er eine dauerhafte gesundheitliche Schädigung, erreicht die Schadenssumme schnell Millionenhöhe. Dann ist es schlimmstenfalls auch irrelevant, welche Rolle das eigene Pferd beim Unfall gespielt hat. Selbst wenn es nur am Straßenrand stand. Deshalb raten Experten zu umfassendem Versicherungsschutz.

Fotos: G. Münch

Hinweis: Die Bilder stammen nicht von der Weide, aus der die Pferde ausgebrochen sind.