Kein Artikelbild

Lösten Wölfe Panik unter Pferden aus?

Dierra-Zehren (Meißen) – Am späten Abend des 10. Dezember kam es auf der Pferdekoppel eines Pferdezüchters zu einer verhängnisvollen Kettenreaktion. Eine aufmerksame Beobachterin informierte Peter Kunath, dass 12 seiner wertvollen Pferde aus der Weide ausgebrochen waren.

Nur wenig später sind der Züchter und seine Frau vor Ort. Mithilfe der Polizei gelingt es ihnen, die Tiere auf der Bundesstraße B6 einzufangen. Mit nur zwei Personen führen sie die Pferde auf dem Seitenstreifen in Richtung des Hofes. Nach hinten hinten wird die Gruppe von einer pferdekundigen Polizeibeamtin gesichert, als sich das vorderste Pferd plötzlich losreißt, umdreht und in entgegengesetzter Richtung auf die Bundesstraße galoppiert. Weder Kunath, noch seine Frau oder die Polizistin können die verhindern, dass sich die anderen Pferde ebenfalls losreißen und dem flüchtenden Wallach folgen.

Obwohl die Polizistin versucht,  mit einer Lampe die nahenden Autofahrer zu warnen, kann sie eine Kollision nicht mehr verhindern. Neun Pferde stoßen mit drei Fahrzeugen zusammen, deren Fahrer die Tiere in der Dunkelheit zu spät erkennen. Zwei Menschen werden schwer verletzt. Neun Pferde sterben, bzw. werden im Anschluss aufgrund der Schwere der Verletzungen von Polizisten erschossen.

Laut Zeugenaussagen gleicht die Bundesstraße einem Schlachtfeld. Pferdezüchter Kunath äußert sich auch später noch fassungslos. Neben den entstandenen Personenschaden macht ihm auch der Verlust der Pferde zu schaffen. Ihren Wert beziffert er auf 70.000 Euro. Als Züchter steht er damit vor dem Aus.

Wen trifft die Schuld?

In den Tagen nach dem Unfall befasst sich nicht nur die ermittelnde Behörde, sondern auch Peter Kunath selbst mit den möglichen Ursachen. Bei der Kontrolle der Zäune wurden Pfotenspuren gefunden, die auf zwei oder drei große Hunde hinweisen. Offenbar hat der Züchter an dieser Stelle einen Sachverständigen eingeschaltet, der ein Gutachten erstellt. Es wird der begründete Verdacht formuliert, dass die Spuren nicht von Hunden, sondern von Wölfen stammen, die in der Region ihre neue Heimat gefunden haben. Unterstützung erfährt der Gutachter durch einen Jäger aus der Region.

Sollten es tatsächlich Wölfe gewesen sein, hat der Züchter Anspruch auf Schadensersatz. Es bleibt ihm zu wünschen, dass ihn die Katastrophe nicht auch noch die Existenz kostet. Doch selbst dann ergibt sich für die Besitzer von allen Weidetieren die Frage, wie sie ihre Pferde vor wandernden Wölfen schützen können. Kaum ein großer Züchter ist in der Lage, Pferde von entfernten Weiden täglich und mit Einbruch der Dunkelheit in die heimischen Ställe zu holen, um sie am nächsten Morgen wieder hinauszufahren. Das dürfte auch für Schäfer gelten, deren Tiere vermutlich noch stärker gefährdet sind.

Ähnliches gilt für den Zaunbau. Kein üblicher Zaun hält eine durchgegangene Pferdeherde auf. Es stellt sich sogar die Frage, ob ein Zaun in der Lage ist, eine panische Herde von nur 10 Schafen zu stoppen. Erschwert wird der Umstand durch die Größe der Weiden.

Offensichtlich ist es allerhöchste Zeit, dass sich Landwirte, Pferdehalter, Jäger und Naturschutzbeauftragte an einen Tisch setzen und eine Lösung erarbeiten.