Der Pferdezahnarzt kommt: Scharlatan oder Fachmann?

Das Interesse an der Zahnheilkunde beim Pferd hat sich in den letzten Jahren zunehmend gesteigert: ein großer Bedarf ist entstanden. Die Forderung der Pferdebesitzer nach regelmäßigen Zahnbehandlungen hat dazu geführt, dass sich immer mehr Tierärzte und auch Nichttierärzte mit diesem Gebiet befassen.

Dr. Katharina Ros (links) und ihre Assistentin sind ein eingepieltes Team. Foto: Jan Reumann

Dr. Katharina Ros (links) und ihre Assistentin sind ein eingepieltes Team.
Foto: Jan Reumann

Nun stellt sich der besorgte Pferdebesitzer folgende Fragen: Wen beauftrage ich mit der Zahnpflege meines Tieres? Wer zeigt sich als qualifiziert und sorgfältig in der Durchführung der Zahnbehandlung? Wie erkenne ich, ob die Zahnbehandlung professionell durchgeführt wurde? Dazu muss man wissen: die Bezeichnung Dentist, Pferdedentist, Pferdezahnarzt, Pferdezahnspezialist oder ähnliche sind ungeschützte Berufsbezeichnungen. Salopp gesagt kann sich jeder Taxifahrer ein paar Handraspeln kaufen und munter als Pferdedentist ans Werk gehen – ohne jegliche Ausbildung und Qualifikation.

Sind deshalb nicht tierärztliche Pferdezahnärzte grundsätzlich als unfähig einzustufen? Dies ist mit einem klaren Nein zu beantworten. Es gibt weltweit sehr gut ausgebildete nicht-tierärztliche Fachleute. Diese zeichnen sich in der Regel dadurch aus, dass sie Mitglieder von Organisationen sind, die sich die Qualität und die Ausbildung in der Pferdezahnheilkunde zum Ziel gesetzt haben.

Eine Mitgliedschaft allein bedeutet zwar guten Willen, aber noch lange keine Qualifikation. Zwei der großen Organisationen sind beispielhaft genannt: die IGFP (Internationale Gesellschaft zur Funktionsverbesserung der Pferdezähne) mit Sitz in Deutschland und die IAED (International Association of Equine Dentistry) mit Sitz in USA fordern, dass sich die aktiven (also arbeitenden) Mitglieder prüfen lassen. Diese Prüfungen beinhalten eine theoretische und eine praktische Prüfung. Nach Bestehen der Prüfung wird ein Titel verliehen. So weiß der Pferdebesitzer, dass ein Zahnbehandler mit dem Titel PDP (Pferdedentalpraktiker) nach IGFP oder IAED/C (zertifiziert nach IAED)“ sein theoretisches Wissen und seine Fähigkeit bei der praktischen Zahnbehandlung vor einem Gremium erfahrener Fachleute unter Beweis gestellt hat.

Eine regelmäßige Kontrolle des Gebisses ist zwingend erforderlich. Foto: PZZ Riemühle

Eine regelmäßige Kontrolle des Gebisses ist zwingend erforderlich.
Foto: PZZ Riemühle

Dem Erreichen eines Titels sollte weiterhin die regelmäßige Teilnahme an Fortbildungsveranstaltungen folgen. Denn die Pferdezahnmedizin entwickelt sich ständig weiter. Sind Tierärzte grundsätzlich qualifiziert eine professionelle Zahnbehandlung durchzuführen? Die Frage beantworte ich mit einem deutlichen Nein. Die universitäre Ausbildung in der Pferdezahnheilkunde während des Tiermedizinstudiums in Deutschland beschränkt sich auf wenige Stunden. Die praktische Zahnbehandlung wird in der Regel gar nicht geübt. Doch auch Tierärzte haben die Möglichkeit sich fortzubilden und eine IGFP- oder IAED-Prüfung zu machen, um sich von der Masse abzuheben. Betrachtet man Internetseiten von Kliniken und Praxen, drängt sich die Meinung auf, dass nahezu jeder eine Spezialisierung in der Pferdezahnheilkunde besitzt. Auf Nachfragen des Pferdebesitzers sollte der behandelnde Tierarzt in der Lage sein, die Grundlage dieser Spezialisierung näher zu erläutern.

Wie erkenne ich als Pferdebesitzer eine professionelle Zahnbehandlung?

Einige Stichpunkte sind Voraussetzung für eine gute Arbeit: Der Behandlung geht eine Befragung des Pferdebesitzers und eine gründliche Untersuchung des Tieres im Allgemeinen und Speziellen voraus. Das Pferd sollte als Ganzes betrachtet werden. Der Kopf wird gründlich von außen untersucht und wenn möglich abgetastet. Die gründliche Untersuchung und Behandlung der Zähne ist nicht angenehm für das Pferd. Deshalb müssen die meisten Tiere sediert werden. Das Maul sollte grundsätzlich mit einem Vollmaulgatter geöffnet werden, welches auf den Schneidezähnen aufsitzt. Niemals darf ein metallener Maulkeil zwischen die Backenzähne geschoben werden, denn dieser kann die Zähne beschädigen.
Das Maul muss zur gründlichen Untersuchung sauber gespült werden und mit einer hellen Lampe ausgeleuchtet werden. Mittels eines Zahnspiegels oder Endoskops und verschiedener Sonden können die Zähne jetzt einzeln untersucht werden. Zur Form der Zähne sollte der Pferdebesitzer wissen, dass eine Balance oder gleichmäßige Druckverteilung gegeben sein muss zwischen den Schneide- Backenzähnen und den Kiefergelenken des Pferdes. Idealerweise sollten alle Backenzähne etwa gleich lang sein. Das Ausbalancieren eines unphysiologisch abgenutzten Gebisses (okklusale Rehabilitation der Kauflächen) zurück zur natürlichen Form und Funktion ist eine Kunst und eine Wissenschaft zugleich

Erfahrung und regelmäßiges Training zeichnen einen guten Pferdezahnarzt aus

Jahrelange Übung und regelmäßiges Training durch erfahrene Instruktoren sind nötig, um im Sinne des Pferdes ein möglichst optimales Ergebnis zu erzielen: minimaler Verlust von Zahnsubstanz und möglichst schnelles Erreichen einer optimalen Funktion. Dieses kommt der Gesundheit des Pferdes im Allgemeinen zugute. Nicht nur in der Routinezahnbehandlung, auch in der Endodontie (Karies- und Paradontosebehandlung) und in der Chirurgie (Entfernen von Zähnen) hat sich vieles in den letzten Jahren verändert. So ist es in der Regel möglich, Schneide-, Hengst- und Backenzähne im Stehen in Sedation und mittels minimalinvasiver Methoden zumeist aus der Mundhöhle zu entfernen – ähnlich wie in der Zahnmedizin beim Menschen.

Operationen in Vollnarkose sind heutzutage nur noch in Spezialfällen notwendig. Auch werden die Möglichkeiten zur Erhaltung von vorgeschädigten Zähnen ständig verbessert, so können kariöse Zähne gefüllt und Paradontosetaschen gereinigt und behandelt werden.

Die Maulhöhle ist für den Pferdebesitzer ein unzugängliches dunkles Loch. Jeder weiß, wie schrecklich Zahnschmerzen sein können, dennoch hat man selbst keine Möglichkeit das Pferdemaul zu untersuchen. Daher rate ich jedem bei der Zahnbehandlung seines Pferdes vor Ort zu sein, mit ins Maul zu schauen, Fragen zu stellen und seiner Verantwortung als Partner Mensch gerecht zu werden.

Dr. Katharina Ros/entnommen aus PSJ

Kontakt: Pferde-Zahn-Zentrum Riedmühle, Tierärztliche Praxis für Pferde:
Dr. Katharina Ros, Münzenberger Weg 10, 35510 Butzbach (Griedel),
Tel.: 06033/ 9285369, info@pzz-riedmuehle, www.pzz-riedmuehle.de

!! Eine Abendveranstaltung der FreiZeitReiter gemeinsam mit Pferdezahnärztin Dr. Bernadette Immel informiert übrigens am 5. Juni ebenfalls zum Thema. Mehr Infos im Terminkalender. !!

HIER der Flyer zur Abendveranstaltung zum Download: 2013-06-05 DFZR-Seminar-Zahnpflege