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Reiten am Scharbeutzer Strand – Bitte nehmt Rücksicht!

Scharbeutz an der Küste Schleswig-Holsteins ist nicht nur im Sommer ein beliebter Urlaubsort, auch im Winter zieht es viele Feriengäste und Ausflügler ans Meer. Die Gemeinde bemüht sich, allen Besuchern einen schönen Aufenthalt zu ermöglichen. Direkt von der Autobahn geht es auf einen großen Parkplatz, der nur 100 Meter vom Strand entfernt liegt. Luxusbedingungen, die auch Reiter zu schätzen wissen, denn in der Wintersaison ist das Reiten am weißen Sandstrand erlaubt. Doch das sorgt auch für Ärger.

Birgit Petersen ist

  • 1.Vorsitzende Aktionsbündnis Pro Pferd e.V.
  • 2.Vorsitzende VFD Bezirksverband Lübeck
  • Mitglied Fachbeirat Pferd und Umwelt Pferdesportverband  SH
  • Pferdesportbeauftragte Itzehoer

Birgit Petersen lebt in Scharbeutz. Sie ist Pferdehalterin und Reiterin. Selbst ist sie sehr gerne am Strand unterwegs, aber nicht am Wochenende nachmittags bei Sonnenschein. Ihr Pferd ist gut ausgebildet und mit den Wellen der mitunter rauen Ostsee vertraut. Als jüngst der NDR einen Beitrag über Reiter in der Lübecker Bucht sendete, in dem mehr als einmal unschöne Bilder von Pferden zu sehen waren, die vor dem Wasser zurückscheuten oder an der Ampel rückwärtsliefen, anstatt ruhig zu stehen, hat sich Birgit an das Ordnungsamt gewandt, um die Stimmung einzuholen. Denn als erfahrene Aufklärerin in Sachen Pferdesteuer weiß sie genau, wie schnell es mit dem Verständnis für Reiter vorbei ist, wenn sich Einzelne nicht an die Regeln halten. In Scharbeutz hält man an der Pferdefreundlichkeit fest, doch das Fehlverhalten muss aufhören.

Die Situation vor Ort

Birgit kennt die Stimmung, die vor allem bei Sonnenschein aufkommt. Die Lübecker Bucht ist nur eine Stunde von Hamburg entfernt. Sie beobachtet, dass zur Zeit zwar nicht unbedingt mehr Menschen den Strand aufsuchen. „Die Leute sind aber gereizter geworden“. Ein Nadelöhr auf dem Weg zum Strand sorgt dafür, dass Reiter, Spaziergänger und Familien mit Kindern aneinandergeraten. Auf dem Stück müssen die Strandgänger eine Bundesstraße überqueren. Dabei hilft ihnen eine Ampel. Steht die Ampel auf Rot, müssen alle warten. Dann kann es passieren, dass Pferde direkt neben Kinderwagen und Hunden stehen. Eigentlich müssten die Reiter dort die Straße zum Reiten oder Führen nutzen. Das macht aber kaum jemand und auch Birgit hält dieses Stück für Pferde für zu gefährlich. Platzmangel, ein hohes Verkehrsaufkommen und die Verkehrsführung an dieser Stelle machen das Vorhaben unmöglich. Deshalb weichen die Reiter auf den Fußweg aus. Auf dem sind aber besagte Familien mit Kindern und Hunden unterwegs. Wenn da ein Pferd nicht sehr gelassen ist, kann es gefährlich werden. Es gibt aber noch ein weiteres Problem und auch dafür sind die Reiter verantwortlich.

„Es ist Luxus, hier reiten zu dürfen“

Birgit Petersen kennt den Ärger um Pferdemist. Solche Debatten können ausreichen, um den Ruf nach einer Pferdesteuer lautwerden zu lassen. In Schleswig-Holstein besteht die Gefahr nicht bzw. nicht mehr. Die Landesregierung hat nach heftigen Debatten die Einführung einer Pferdesteuer untersagt. Aber an der Lübecker Bucht könnte eines Tages ein Reitverbot drohen und das findet Birgit schade. „Es ist absoluter Luxus, hier reiten zu dürfen“. Die Gemeinde hat sogar Mülltonnen mit Schaufeln aufgestellt, und zwar an mehreren Stellen. „Dazu müssen die Reiter aber absteigen“. Für Pferdeleute, die das nicht tun, hat sie kein Verständnis. Es gibt am Strand sogar die Möglichkeit, Betonteile als Aufstiegshilfen zu nutzen. Sie würde sich auch wünschen, dass Anreisende mit Pferdehänger die Äppel aus dem Hänger nicht in die Mülltonnen entsorgen, sondern wieder mitnehmen. „Sonst sind die Mülltonnen über das Wochenende nämlich zu schnell voll.“

Risiken vermeiden und Unfälle verhindern

Für Pferde, die die Ostsee nicht kennen, kann ein Ausritt ans Meer Stress bedeuten. „Das gilt auch für Pferde, die vor Wasser keine Angst haben oder auch Seen kennen. Der Wellengang ist hier rauer. Das muss man üben“

Für Birgit ist das Wochenende nachmittags, womöglich noch bei bestem Spazierwetter, kein geeigneter Zeitpunkt, um das Pferd ans Meer zu gewöhnen.

„Da sind Familien mit Kindern unterwegs. Es ist voll, alle wollen unten an der Wasserkante laufen, weil dort der Sand fest ist. Das ist kein Platz, um dazwischen Pferde ans Meer zu gewöhnen“ Birgit warnt Reiter zudem, dass immer mit freilaufenden Hunden zu rechnen ist, denn in der Wintersaison nutzen auch die Hundehalter den Strand zum Spaziergang mit ihrem Vierbeiner. Sie selbst beobachtet immer wieder, dass Hunde zwischen den Pferden herumlaufen, sogar nach den Schweifen schnappen. Sie sieht die Reiter in der Verantwortung und rät: „Fahrt in der Woche oder wenn das Wetter mal nicht so gut ist oder kommt am Wochenende ganz früh. Dann ist ausreichend Platz für einen tollen Ausritt, auch im flotteren Tempo“

Birgits Appell: „Wir Reiter haben es selbst in der Hand, dass wir auch in Zukunft in Scharbeutz am Strand reiten dürfen“