Reizthema Anweiden

Wohl dem, der selbst entscheiden kann. Die meisten Pferdebesitzer sind allerdings den Gepflogenheiten der Pensionsbetreiber oder den Vorstellungen und Möglichkeiten des Stallbesitzers und der Mitarbeiter ausgeliefert. Je größer der Betrieb, desto problematischer ist das Anweiden für gewöhnlich. Die Leidtragenden sind empfindliche Pferde und deren Besitzer.

Welche Gefahren drohen?

Neben der gefürchteten Hufrehe, drohen Durchfall und Kolik. Gefährdet sind grundsätzlich alle Pferde, empfindliche Vertreter jedoch besonders. Wer ein anfälliges Pferd gleich für 2 Stunden ins Gras stellt, setzt das Leben des Tieres aufs Spiel.

Langsames Anweiden

Grundsätzlich gilt: So langsam wie möglich. Die meisten Freizeitreiter können ihr eigenes Pferd sehr gut einschätzen. Kann der Stallbetreiber das schonende Anweiden nicht managen, sind die Pferdebesitzer gefragt. Bei empfindlichen Pferden genügen fünf bis zehn Minuten täglich für die Dauer von einer Woche. Sie grasen in der Zeit sicher an der Hand. Bestmöglich stehen Pferde in der Anfangszeit im überständigen Gras. Das kann jedoch kaum ein Stall bieten. Gedüngte Weiden mit fettem Gras, womöglich noch nach einer frostigen Nacht, sind für alle Pferde in den ersten Wochen nur für Kurzaufenthalte geeignet.

Sonderfälle

Nicht immer sind die Voraussetzungen gleich. Ein Stallwechsel. Durchgemachte Erkrankungen oder Wetterumschwünge erschweren das Anweiden erheblich. In solchen Fällen sind die Besitzer häufig gezwungen, ihre Pferde wieder aufzustallen oder im Auslauf zu belassen. Bis ein erneutes Anweiden möglich ist, sind die anderen Pferde womöglich schon den ganzen Tag auf der Weide. Vor allem in Ställen mit Großpferden ist die Anweidephase oft schon nach einer Woche abgeschlossen. Das bedeutet Mehrarbeit für die Betroffenen. Lässt sich der Stallbesitzer nicht auf die veränderten Anforderungen ein, bleibt nur der Stallwechsel, um die Gesundheit des Pferdes nicht zu gefährden. Kompromisse können abgetrennte Weideflächen sein, die zwar gepflegt sind, aber wenig Bewuchs aufweisen. Auch hier ist Vorsicht geboten. Die ersten warmen Sonnenstrahlen sorgen für einen Fruktanschub im schießenden Gras, das damit sehr gehaltvoll wird.

Alarmsignale

Neben den typischen Kolikanzeichen sollten Pferde beim Anweiden möglichst morgens und abends kritisch beobachtet werden. Sind die Hufe warm? Pulsiert die Zehenarterie? Läuft das Pferd klamm, lahm oder will es sich möglicherweise gar nicht bewegen? Die kleinste Auffälligkeit ist Grund genug, das Pferd nicht auf die Weide zu stellen und stattdessen den Tierarzt zu rufen.

Carola Schiller