Schottische Highlandponys in Kanada

AufmacherHighlandponysDas schottische Highlandpony kommt wie der Name schon sagt ursprünglich aus Schottland, wo es in den schottischen Highlands lebt und als enorm anpassungsfähiges Pony als Arbeitstier und auch unerschrockenes FreiZeitPferd genutzt wird. Durch Einkreuzung mit spanischen Hengsten steht es im Barockpferdetyp und ist als Allrounder im Pferdesport einsetzbar. Das Pony wird zwar mittlerweile auch in Deutschland oder Kanada gezüchtet, trotzdem gehört es wegen der nur noch geringen Zahl an Zuchtstuten und Hengsten mittlerweile zu den gefährdeten Haustierrassen.

2Im 4.-5. Jh. v. Chr. besiedelten die Kelten Schottland und weitere Teile der britischen Inseln und brachten ihre Ponies mit, die sich dann mit den dortigen heimischen Pferden kreuzten. Das heutige schottische Highlandpony kann als Verbindung des Keltenponys mit dem sehr ursprünglichen nordischen Pferd angesehen werden, wobei sich die genaue Geburtsstunde des Highlandponys nicht bestimmen lässt. Das robuste Pony wurde in früheren Zeiten in den Highlands in der Landwirtschaft eingesetzt und die Landwirte hielten die Ponies entweder am Hof oder sie ließen sie in kleinen Herden frei umherstreifen. Die Ponies entwickelten eine enorme Anpassungsfähigkeit an die rauhen Klimabedingungen und es entwickelte sich ein anspruchsloses, leichtfüttriges und trittsicheres Pony.

5Das Highlandpony unterscheidet sich von anderen Pferderassen durch ein besonders gut ausgeprägtes binokulares Sehen, was bedeutet daß die Zusammenarbeit beider Augen besser funktioniert als bei anderen Pferderassen. Dieses verbesserte räumliche Sehen läßt das Highlandpony weniger ängstlich erscheinen  und prädestiniert es für den Einsatz als  unerschrockenes Freizeitpferd oder Therapiepferd.

Seit 1889 wird ein Stutbuch bei der HighlandPonySociety Schottland geführt.Das schottische Highlandpony ist ca. 1,32 cm – 1,48 cm groß, hat kräftige , trockene Knochen und ist in allen Farben (außer Schecken und wenigen Füchse) vertreten. Es hat einen seidigen Mähnen  – und Schopfbehang und ausgeprägte Kötenbehänge. Aufgrund des ausbalancierten Körpers bewegt es sich frei und taktvoll ohne übermäßige Aktion und läßt sich daher gut für den Reiter sitzen. Es steht durch die Einkreuzung von spanischen Hengsten im 16.Jh. im Barockpferdetyp und ist als Allrounder einsetzbar. Intelligent, gelehrig, brav und gutmütig besitzt es einen ganz besonderen Charme, der den freizeitorientierten Pferdemenschen sehr schnell mit dem „Highlandponyvirus “ infizieren kann.

Es soll heutzutage nur noch ca. 4000 Highlandponies auf der Welt geben, was diese Rasse zu den bedrohten Haustierrassen gehören läßt.

2003 lernte ich Ann Armann – eine Züchterin schottischer Highland Ponies in Nordamerika – kennen. Ann ist gebürtige Schottin und die Highlandponies gehörten schon zur elterlichen Landwirtschaft in Schottland. Nach Lehrjahren auf einer Ranch in Australien u.a. als Schafszüchterin wurde sie in Kanada sesshaft und bewirtschaftet nun nach dem Tod ihres Mannes alleine eine Rinder – und Schafranch im Herzen der kanadischen Provinz BC.

6Ann besitzt eine kleine Stutenherde schottischer Highlandponys und zwei Zucht-Hengste, die dort frei und nahezu vom Menschen unbehelligt auf ca. 300 Hektar Ranch Land leben. Die 6 Zuchtstuten stammen von Ann`s Familienfarm nahe Inverness, Schottland , und haben selbstverständlich – genauso wie auch die Hengste – beste Zuchtpapiere (Pedigree ) und führen die „ Coulmore “ Linie der Ponys in Kanada weiter. Ann startete zusammen mit ihrem Mann Ernie dieses aufregende und spannende Zuchtprojekt mit ursprünglich 4 Coulmore Zuchtstuten, die 1996 nach Kanada geflogen wurden.

8Die Circle H Ranchline von Highlandponys begann dann mit dem Import der beiden Hengste Glenbanchor Corryvreckan ( genannt CORY ) und Glenbanchor Lewis ( genannt LEWIS ).Im zarten Alter von 11 Monaten kamen die Junghengste 1997 in Kanada an. Diese beiden haben sich zu stattlichen Hengsten entwickelt und mit den Zuchtstuten wunderbare Fohlen auf die Welt gebracht. Cory hat das Potential zu einem guten Reitpferd und seinen leichteren Körperbau auch an seine Fohlen weitergegeben.

9Lewis verkörpert eher den traditionellen
„Garron – Typ “ des Highland-Ponys.

 

 

 

 

 

10Viele der Fohlen zeigen noch die Ursprünglichkeit dieser Rasse durch den dunklen Strich auf dem Rücken und die Zebrastreifen an den Beinen, ähnlich wie es auch hierzulande an den Dülmener Ponies noch zu sehen ist.

 

 

 

11Ann ist sehr stolz darüber dass ihre „ Jungs “- wie jeder die beiden Hengste liebevoll nennt – diejenigen sind, die als erste auf dem nordamerikanischen Kontinent der Highlandponyzucht ihre Gene weitergeben durften.Beide Hengste habe ich als die perfekten Gentlemen erlebt. Trotz ihres paradiesischen Lebens in freier Wildbahn haben sie ihre Grunderziehung nicht vergessen. Auch bei diesen beiden muss der Hufschmied nach dem rechten sehen und der Tierarzt behandeln können. Es hat mich immer wieder erstaunt wie neugierig und menschenbezogen sie sind und wie wenig mühevoll es ist sie einzufangen und sie dann zu behandeln.

13Meistens im Mai / Juni nach der Geburt der Fohlen und dem ersten CheckUp durch den Tierarzt werden die Stuten wieder auf die weitläufigen Weiden fernab des Ranchhauses entlassen. Ann entscheidet dann von Fall zu Fall welche Stute mit welchem Hengst den Sommer verbringt. Die beiden Sommerweiden  befinden sich an den entgegengesetzten Enden der Ranch, denn in dieser hoch-emotionalen Zeit sollte viel Platz zwischen den Hoheitsterritorien der Hengste sein. Denn wenn die Stuten ins Spiel kommen, ist die Männerfreundschaft vorbei.

15Die Stuten werden also mit ihren Fohlen bei Fuß in die einzelnen Hengst-Sommerweiden entlassen. Erst im Herbst bevor der erst Schnee fällt, werden Hengst und Stuten wieder getrennt. Das ist nicht so einfach und muss gut geplant sein. Die Pferde kennen zwar das Szenario schon, aber es muß gut vorbereitet werden, damit nicht durch Unachtsamkeit Verletzungen entstehen. Die Hengste werden jeweils mit Futter Tage vorher schon angefüttert, bis dann schliesslich die Halfter aufgezogen werden können. Beide Hengste werden dann jeweils von den verschiedenen Seiten aus zu der in der Mitte der Sommerweiden gelegenen Koppel gebracht. Schon von weit her kann man das Hengstwiehern hören, so als ob 2 Freunde sich nach langer Zeit wiedersehen und sich darauf freuen. Die Hengste sind dann so auf sich selbst und den anderen Hengst konzentriert, daß es ihrer Aufmerksamkeit entgeht, daß ein anderer Helfertrupp die Stuten in andere Weiden entläßt und so immer mehr räumliche Distanz zu den Hengsten schafft. Die Hengste treffen dann auf der Weide aufeinander und jedes Mal wenn man es denn dann wirklich zu sehen bekommt, ist das Zusammentreffen zwar lautstark aber nie lebensbedrohend aggressiv. 16Die Hengste sind trotz ihres natürlichen Zuchteinsatzes unglaublich sozial und ausgeglichen. Nur für die menschlichen Ohren hört sich das Geschrei gefährlich an. Aber es ist auch schnell wieder vorbei und die Hengste verschwinden in Eintracht irgendwo hinter den Hügeln am See. Die Mutterstuten sind zwischenzeitlich auf den Koppeln nahe der Ranch angekommen. Es erleichtert die Versorgung der Herde wenn sie näher am Ranch Haus sind, denn im Herbst/Winter werden sie mit Heu und Mineralien zugefüttert. Das Trinkwasser nehmen sie am nahegelegenen See auf. Nun kommt der Tierarzt zur Trächtigkeitsuntersuchung und es wird spannend zu erfahren welche Fohlen im nächsten Frühjahr zu erwarten sind.

Auch die Hengste werden mit Heu im Winter zugefüttert. Die Ponies graben aber viel lieber im tiefen Schnee nach dem darunterliegenden Gras.

17Ich war jedenfalls beeindruckt von der natürlichen Aufzucht und der Leichtigkeit mit der diese Ponys dem rauen Klima in Kanada trotzen. Die Fohlen werden in dieser natürlichen Umgebung aufgezogen, bis sie dann als Absetzer oder Jährlinge verkauft werden. Auch dann ist das Vertrauen in die Menschen so groß, daß sie problemlos in den Pferdehänger einsteigen. Auch hier ist natürlich Umsicht, Geduld und Fairness gefragt, aber trotzdem habe ich zu keiner Zeit unschöne Bilder gesehen.

Das hat sicherlich auch damit zu tun, daß die Menschen in Kanada mehr Zeit zu haben scheinen – für sich, ihr Leben und ihre Pferde.

Claudia Wieth
www.fotos-sind-toll.de