Studie über das Reiten

Die Anthropologinnen Dona Lee Davis und Sarah Dean von der University of South Dakota und Anita Maurstad von der norwegischen Universität Tromsø gingen der Frage nach der Bedeutung des Reitens für Frauen auf den Grund. Dazu befragten sie 52 Frauen zwischen zwanzig und siebzig Jahren. Alle Teilnehmerinnen reiten seit frühester Kindheit. Sie kommen aus allen Bereichen, Leistungssportler waren nicht dabei. Auffällig war, dass die Frauen den Umgang mit dem Pferd häufig mit einer Psychotherapie verglichen. Auch Aussagen wie „Reiten ist Teil meines Lebens“, „Mein Pferd ist mein Freund“, „Reiten durchlüftet meinen Kopf“, wurden häufig angeführt.

Interessant wird die Studie an der Stelle, an der die Teilnehmerinnen erzählen, wie sie Lebenskrisen überwunden haben. Hier hat das Pferd spürbar eine stabilisierende Funktion. Einige der befragten Frauen leiden zudem unter psychischen Störungen, die sie selbst als behandlungsbedürftig einstufen würden, wenn sie sie nicht durch den täglichen Umgang mit ihrem Pferd bewältigen könnten.

Es gibt eine Forschungslücke

Die Antrophologinnen kommen außerdem zu dem Schluss, dass es keine wissenschaftliche Erklärung dafür gibt, warum so wenige Männer reiten. Zu Beginn der Studie hatten die drei Wissenschaftlerinnen auch acht Männer interviewt. Die Befragungen wurden dann aber beendet, da der therapeutische Aspekt von keinem erwähnt wurde.

Eine Studie aus den 90ern (Warum Mädchen und Frauen reiten) kommt zu dem Schluss, dass es sich um ein Bindungsphänomen handelt. In diesem Zusammenhang kommt auch zur Sprache, dass Reiten einen Suchtcharakter entwickeln kann. Allerdings gibt es keinen Hinweis darauf, dass das Verhalten Schaden anrichten kann.

Wer nie im Morgentau auf leichtbehuftem Pferde die Welt durchstreift, weiß nichts um des Lebens höchstes Glück. Ich habe ein wunderbares Pferd, es hat die Leichtigkeit des Windes und des Feuers Hitze, aber wenn sein Reiter es besteigt, ist seine Sanftmut nichts als die Ruhe vor dem Ausbruch des Sturms. (Shakespeare)