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Tierrechtler gegen Tierdressur

Vor allem in größeren Städten wehren sich Tierrechtler zunehmend gegen Zirkusveranstaltungen. Sie prangern Haltungsbedingungen, unwürdige Dressuren und die Ausbeutung der Tiere zur Unterhaltung der Besucher an. Am 27.7.14 riefen Aktivisten sogar zu einer Demonstration auf: „Wir wollen natürlich Aufsehen erregen, also bringt alles mit, was euch einfällt: Plakate, Banner, Pfeifen, Megafone, Kostüme, etc.“, so hieß es auf der Facebookseite „Boykott Zirkus Krone“. Laut Aussagen der Tierrechtler konnten sie durch Aufklärungsarbeit auch verhindern, dass einzelne Familien die Veranstaltung besuchen. Die Betreiber des Zirkus Krone sehen sich als Opfer und erklärten, dass sie eng vom Veterinäramt überwacht werden.

Wer ist im Recht?

Zirkus ist Kulturgut. Dennoch ist vieles nicht mehr zeitgemäß. Vor allem Raubtierdressuren in Wanderzirkussen sollten kritisch hinterfragt werden. Das Herumreisen, der fehlende Freilauf, keine ausreichenden Rückzugsmöglichkeiten, all das lässt sich mit der heutigen Vorstellung vom artgerechten Umgang mit Tieren wohl kaum vereinbaren. Für die Unternehmen sind aber gerade diese Tiere die Existenzgrundlage. Hautnah an Elefanten und Löwen, ist für naturferne Menschen oft ein Erlebnis, das sie nie wieder vergessen. Ob es ihnen aber gleichzeitig vermitteln kann, was diese Tiere wirklich brauchen, ist fraglich. Was bleibt, ist der Unterhaltungswert und natürlich die Liebe der Tiertrainer zu ihrem Beruf. Doch das genügt nicht mehr, die Betriebe am Leben zu erhalten. Längst ist vom Zirkussterben die Rede. Aktuell soll es nur noch weniger als 300 Zirkusbetriebe in Deutschland geben. Neue kommen offensichtlich nicht mehr hinzu, mit der Ausnahme von tierfreien Unternehmen, die mit artistischen Darbietungen überzeugen wollen.

Was hat das mit den Reitern zu tun?

Wer einen Blick in die Kommentarfunktionen auf den Anti-Zirkus-Seiten wirft, erkennt eine Tendenz, die viele Pferdefreunde erschrecken könnte. Tierrechtler sind keine Tierschützer im herkömmlichen Sinn. Sie sind sehr strikt in ihrer Haltung und lehnen „das Nutzen von Tieren“ ab, und zwar in zunehmendem Maß recht rigoros. Für Menschen, die mit Tieren, insbesondere mit Pferden nichts zu tun haben und sich für die Reiterei nicht interessieren, gibt es keinen Unterschied zwischen dem ausgebunden im Kreis galoppierenden Pferd in einer Manege und dem Warmblüter auf dem Zirkel in einer Dressurprüfung. Das zeigt sich auch unmissverständlich in den Kommentaren nach Turnieren in den sozialen Netzwerken. Ein Schlagabtausch zwischen Reitern und Nicht-Reitern gehört mittlerweile fast zum Programm. Befeuert wird die Auseinandersetzung dann unglücklicherweise durch entsprechendes Bildmaterial der Presse. Das ist zwar nicht immer der Fall, aber immer öfter. Das Wissen um diese Entwicklung kann helfen, mit früher Aufklärung gegenzusteuern. Protestaktionen gegen den Reitsport befinden sich derzeit noch im Anfang, konzentrieren sich aber längst nicht mehr nur auf den Spitzensport. Die Rückmeldung zu unserem Kommentar: „Warum der Tod von Ben Winter uns alle angeht“, hat deutlich gezeigt, dass die schrecklichen Ereignisse auch Freizeitreiter gegenüber Nicht-Reitern in Erklärungsnot gebracht haben. Aus Sicht der Tierrechtler werden zunehmend alle Pferdehalter, die ihr Pferd „benutzen“ zunehmend auf eine Stufe gestellt, unabhängig davon, ob sie nur in Feld und Flur unterwegs, im Sport aktiv sind oder ihr Pferd anderweitig einsetzen.  Es ist also wichtig, die Fachkenntnis und vor allem die Zielsetzung der Protestler kritisch zu hinterfragen, bevor man sie unterstützt.