Horseback Archery – der etwas andere Sport zu Pferd

Berittenes Bogenschießen? Darunter kann sich heutzutage kaum jemand etwas vorstellen. Im schnellen Galopp zügellos eine Bahn entlang jagen und dabei noch gezielt Pfeile auf den Weg ins Ziel schicken ist eine Sportart, auch nach rund 10 Jahren in Deutschland noch eine Randerscheinung im Reitsport ist.

Früher Kampfkunst, heute Sport: Berittenes Bogenschießen, hier ein Schuß beim Qabaq, einem türkischen Reiterspiel, verlangt einen sicheren Sitz, ein gut ausgebildetes Pferd und schnelles Schießen.  Fotos: nomadencamp.de

Früher Kampfkunst, heute Sport: Berittenes Bogenschießen, hier ein Schuß beim Qabaq, einem türkischen Reiterspiel, verlangt einen sicheren Sitz, ein gut ausgebildetes Pferd und schnelles Schießen.
Fotos: nomadencamp.de

Was für antike Reiterkrieger eine Kampfkunst zu Pferd war, der nur wenige Gegner etwas entgegenzusetzen hatten, ist heute zu einer rasanten Sportart geworden, die sowohl reiterliche Fähigkeiten als auch die Beherrschung des Bogens voraussetzt. Weltweit gibt es die verschiedensten Ausprägungen des berittenen Bogenschießens, vom japanischen Yabusame über koreanische Wettkämpfe wie das Mogu-Spiel, das mongolische Nadaam oder die ungarische Variante, auf einer geraden 90-Meter Bahn, die in 16 Sekunden zu bewältigen ist, soviel Punkte wie möglich auf den drei in der Mitte der Bahn platzierten Scheiben zu schießen. Europaweit finden sich begeisterte Horsebackarcher, berittene Bogenschützen, zusammen und so gibt es neben den seit 2007 durchgeführten Europäischen Meisterschaften (www.eocha.org) vielfältige Wettkämpfe im In- und Ausland. Im Nachbarland Polen hat sich eine besonders aktive Szene entwickelt, die neben guten Reitern und Schützen auch historische Aspekte berücksichtigt und durch gutes Pferdematerial auffällt.

Die Wiege des berittenen Bogenschießens liegt jedoch noch weiter im Osten, in den Steppen Zentralasiens. Dort wurden von Reitervölkern wie den Skythen – von denen bereits Herodot berichtet – kurze hornbelegte Bögen hergestellt, die mit ihren kleinen dreischneidigen Bronzespitzen eine verheerende Durchschlagskraft hatten und bei schnellen Angriffs- und Rückzugsstrategien zum Einsatz kamen. Für die Nomaden östlicher Steppen war die Kombination aus Reiterei und der Kunst des Bogenschießens, das Bogenschießen zu Pferd, eine Erfindung, die wilde Horden in die Lage versetzte, einen ganzen Kontinent zu beherrschen und in Angst und Schrecken zu versetzen. Für sie war – weit mehr als für unsere westeuropäischen Ahnen – das Pferd Lebensmittelpunkt: als Reittier, Statussymbol, Kriegsmittel und am Ende des gemeinsamen Weges auch als Nahrungsmittel. Ohne den Druck östlicher Völker auf das Europa der frühen Völkerwanderungszeit würde die Landkarte heute anders aussehen, wäre die Geschichte in vielen Aspekten anders verlaufen.

Horsebackarchery_(c)woisetschlaeger (4)„Wer einmal seinen Pfeil in schnellem Galopp vom Pferd aus dem Ziel entgegenfliegen sah, wer den Wind im Haar spürte, wer das Gefühl des Triumpfs, wenn der Pfeil im Ziel einschlägt, erlebt hat, zugleich die Kraft seine Pferdes unter sich fühlte und einen winzigen Moment das Eins sein mit dem Partner Pferd spürte, der ist für immer verloren. Verloren für die Welt ohne berittenes Bogenschießen, verloren für die Welt ohne Pferde, Bögen und ohne Gleichgesinnte“, so schwärmt auch FZR-Vorstandsmitglied Michael Woisetschläger, der in seinen Kursen die Kunst des berittenen Bogenschießens vermittelt.

Impressionen des weltweit herausragendsten Wettkampfes, Al Faris, seit 2011 in Jordanien unter der Schirmherrschaft des Königshauses durchgeführt und von Wettkämpfern aus ganz Europa, Asien und Amerika besucht, zeigt ein eindrucksvolelr Videoclip. Unser Tipp: Zurücklehnen, anschauen und träumen.. :-)