Trail – die hohe Schule, nicht nur für Freizeit- und Wanderreitpferde

Es ist noch gar nicht lange her, da wurden Trailparcours belächelt als Spieltreffen, Spielparcours oder reine Spaßveranstaltung für Reiter, die den herkömmlichen Prüfungen nicht gewachsen sind. Falsch gedacht, und das hat sich mittlerweile auch herumgesprochen. Zu verdanken ist das der Westernreitweise, denn dort ist der Trail eine Disziplin, in der gute Pferd/Reiter-Teams auch auf internationaler Ebene gegeneinander antreten.

Doch Trailreiten ist mehr. Im Trailparcours treffen Pferd und Reiter auf simulierte Geländehindernisse, auf entschärfte Gefahrensimulationen. Beispiele gefällig?

 

Jeder erfahrene Wanderreiter kennt die meisten der folgenden Situationen:

  •  der Weg führt über eine Holzbrücke
  •  der Weg endet vor einem umgestürzten Baum
  •  auf der Strecke liegt eine Schleuse mit mehreren Toren
  •  der Weg führt an einem Garten vorbei, in dem eine Party stattfindet
  •  der öffentliche und sehr schmale Weg endet vor einem Drehkreuz
  •  Ein Reiter ist gestürzt und muss versorgt werden. Anbindemöglichkeiten gibt es nicht
  •  schon mal mit einem Pferd den Anforderungskontakt an einer Ampel ausgelöst?
  • An der Straße stehen Fußballfans mit Flaggen
  • starker Wind weht eine Plastikfolie dem Pferd vor die Füße
  • Ein Zweig mit vielen Blättern verfängt sich im im Trab im Schweif

usw.

 

Die passenden Trailhindernisse oder Übungen dazu?

  1. Brücke simuliert die Situation im Gelände
  2. Ein festes Hindernis ist im Trail keine Seltenheit
  3. Tor öffnen und schließen vom Boden oder vom Pferderücken aus
  4. Luftballons, Springbrunnen (Wasserschlauch mit Löchern) sind kein Spiel, sondern eine sinnvolle Vorbereitung für den Ernstfall.
  5. Rückwärtsrichten durch eine enge Gasse ist Pflichtprogramm
  6. Das Pferd muss im Notfall auch unangebunden stehenbleiben können
  7. präzises Manövrieren auf eine vorgezeichnete (kleine) Kontaktfläche
  8. Durchreiten einer Gasse mit Planen
  9. Überreiten einer Plane
  10. Ziehen eines Klappersacks

 

Aber! Nur wer sein Pferd langsam an die Aufgaben heranführt, kann sich darauf verlassen, dass das Pferd sein Wissen im Ernstfall auch anwenden kann. Mit Abspulen von Bewegungsabläufen hat das jedoch wenig zu tun. Das vorsichtige Heranführen des Pferdes an neue Aufgaben trainiert die Kommunikation zwischen Pferd und Reiter und festigt die Bindung. Das Pferd lernt, dass es alles bewältigen kann, wenn es dem Reiter vertraut. Auch deshalb ist es so wichtig, dass das Pferd bei Trailübungen niemals überfordert wird, sondern die Chance erhält, die Anforderungen auch zu bewältigen. Das erfordert Sachkenntnis und Geduld.

In der Ausbildung muss auch berücksichtigt werden, dass jedes Pferd anders lernt und auch das Temperament des Pferdes sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass Einfühlungsvermögen gefragt ist. Ein Isländer wird einen Baumstamm vermutlich lieber überklettern, als darüber zu springen, während der Araber eine knisternde Plane zu Beginn mit allergrößtem Misstrauen betrachten wird. Warmblüter, vor allem großrahmige, reagieren gerne „leicht genervt“ auf eng am Boden liegende Stangen, die sie zwingen, Fuß für Fuß über den Stangensalat zu klettern. Pferde, die Erfahrung mit der Bodenarbeit haben, sind hier deutlich im Vorteil.

stangen 4 eck

Ein weiterer Tipp: Pferde lernen durch Wiederholungen! So gewinnen sie noch mehr Sicherheit        

Trail für Anfänger?

Jedes Pferd kann lernen, einen einfachen Trailparcours zu absolvieren. Der beste Einstieg lässt sich über einen Kurs bewältigen. Die FreiZeitReiter e. V. bieten dazu mehrmals jährlich die passenden Gelegenheiten. Wer möchte, kann einen der Trainer auch auf den eigenen Hof einladen und dort einen Kurs durchführen. Die Voraussetzungen dafür sollten bei den Trainern selbst erfragt werden. Wer sich lieber erst mit einem erfahrenen Pferd an einem Trailparcours versuchen möchte, sollte sich für einen Kurs – oder auch eine Übungsstunde – mit einem Schulpferd anmelden. Auch diese Möglichkeit bieten die FreiZeitReiter. (Die Mitgliedschaft kostet nur 2 Euro im Monat)

Trailreiten als Diszplin

Trailreiten gibt es auch als Wettkampfdisziplin für alle Reitweisen. Wer sich außerhalb der Westernszene an eine Teilnahme heranwagt, darf mit Überraschungen rechnen. Anfänger sollten daher vorher klären, ob die Hindernisse zum Üben vorher bekannt gegeben werden, denn es gibt nichts, was es nicht gibt. Ein leichter Freizeitreitertrail enthält z.B.:

  1.  Brücke
  2. Flattervorhang
  3. Plane
  4. Stangen-L
  5. Gasse
  6. Slalom durch Pylone
  7. Läuten einer Glocke vom Pferd aus
  8. Gangart Schritt und Trab

 

Ein mittelschwerer Trail kann folgende Hindernisse enthalten:

  1. Brücke
  2. Stangen-Z
  3. Engpass
  4. Plane mit Sprung
  5. Klappersack
  6. Tor
  7. Seitwärts über eine Stangen
  8. Stangenmikado
  9. Gangart Schritt, Trab und Galopp

 

Ein schwerer Trail kann folgende Hindernisse enthalten

  1.  Stangen-Z rückwärts durch, Hinterhandwendung und seitwärts (Stange unter dem Bauch des Pferdes) wieder zurück
  2. Klappersack
  3. Sprung mit Schikane (Plane/Ballons/Wasser)
  4. Graben durchreiten
  5. Weidetiere auf dem Trailplatz (eingezäunt: Gänse, Schweine, Schafe)
  6. Wasserschlauch mit Löchern, aus denen Wasser spritzt (überreiten/springen)
  7. Flattervorhang mit Gegenständen
  8. Papierwand
  9. Pferd im Viereck abstellen und weggehen
  10. Tunnel

Gangart: Schritt, Trab, Galopp mit einfachem Wechsel

 

Im zweiten Teil „Trail, die hohe Schule“, geht es um die Vorteile des Trailreitens für Sportpferde