Unsere Frage des Monats: Müssen Freizeitreiter springen können?

Wem das Springen keinen Spaß macht oder Angst bereitet, der lässt es für gewöhnlich sein. In den meisten Situationen im Gelände ist es auch möglich, Hindernissen auszuweichen. Zumindest dort, wo man sich auskennt. Aber was ist beim gemeinsamen Ausritt mit Freunden in einer fremden Gegend? Wie kommt der Freizeitreiter heil über den Wassergraben, wie den Steilhang hinunter und wie über den Baumstamm, der sich durch das Dickicht auf beiden Seiten nicht umreiten lässt?  Springen zu können, ist also doch wichtig, nicht nur für den Reiter, sondern auch für das Pferd, das wissen muss, dass es seinem Reiter vertrauen kann.

Also auf zur Springstunde?

Die klassische Springstunde im nächsten Reitverein hilft Pferd und Reiter zwar, Hindernisse zu überwinden, die richtige Vorbereitung für feste Hindernisse im Gelände, ist sie aber nur bedingt. Wesentlich besser geeignet ist die Springschule nach Caprilli. Caprilli (1868 bis 1907) war ein italienischer Rittmeister, der den leichten Springsitz entwickelt hat. Sein Ziel war, dass das Pferd mit möglichst wenig Kraft springt und nicht durch den Reiter gestört wird.

Springen nach Caprilli ist daher das Reiten im effektiv-leichten Sitz. Das Reitergewicht wird optimal abgefedert und entlastet den Pferderücken. Das Pferd lernt außerdem, in seinem eigenen Rhythmus zu springen. In leicht abgewandelter Form bieten heute auch viele Ausbilder Chiron-Kurse an. Diese Methode wurde von Rolf Becher entwickelt, der lange auch im Rekener-FS-Testzentrum Kurse für Freizeitreiter gegeben hat. Sie ist eine Abwandlung von Caprillis Theorien.

Was ist anders beim Caprilli-Sitz?

Beim leichten Sitz werden die Bügel voll ausgetreten (Sicherheit!), der Reiter sitzt im leichten Sitz, das Gesäß ragt weit nach hinten, die Hände gehen tief nach vorn und geben Kopf und Hals des Pferdes frei. Dadurch wird der Reiter flach, aber der Oberkörper bleibt über dem Pferd, wird also nicht wie beim herkömmlichen Springsitz nach oben-vorn gestreckt. So bleibt der Reiter im Schwerpunkt genau über dem Pferd. Sollte das Pferd straucheln oder anschlagen, hat der Reiter genügend Halt, den Rumpler auszugleichen, ohne gleich über den Hals geschleudert zu werden. Was aber genauso wichtig ist: Der Reiter gerät nicht so leicht aus dem Gleichgewicht, wie beim herkömmlichen Springsitz. Das bedeutet, das Pferd kann sich auf das eigene Gleichgewicht konzentrieren und muss nicht den wackelnden oder fallenden Reiter auch noch ausgleichen.

Wenn die Angst im Weg ist

Wer keine Springerfahrung hat, ist fast immer unsicher. Gerade für solche Reiter ist das Springen im Sitz nach Caprilli ideal, denn es ist vor allem Sitzschule. Niemand wird überfordert, das Heranführen an die Hindernisse geschieht langsam und so, dass Pferd und Reiter sich dabei wohlfühlen. Deshalb empfehlen sich Kurse ganz besonders, die dann auf einem Gelände mit festen Hindernissen stattfinden. Auch das korrekte Reiten von Steilhang, Tiefsprung und Graben gehört dazu.

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Uwe Göbel und Gulliver haben es ausprobiert und einen Kurs besucht, in dem der Caprilli-Sitz gelehrt wird. (Foto: Martin Diehl)

Kann ich mir das selbst beibringen?

Nein. Um das sichere Springen und Klettern zu erlernen, ist ein kompetenter Reitlehrer unverzichtbar. Er wird den Sitz erklären und ihn vor allem korrigieren. Bis zum Aha-Erlebnis, kann einige Zeit vergehen, aber da der Unterricht nach Caprilli für gewöhnlich pädagogisch aufgebaut ist, geht es von Lerneffekt zu Lerneffekt zum sicheren Sitz.

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Henry Göbel mit seinem Pony Luna sitzt dank des Caprilli Sitzes auch diesen gewaltigen Satz sicher aus. (Foto: Martin Diehl)

Wie gut muss ich für einen solchen Kurs reiten können?

Kurse mit dem Schwerpunkt Caprilli werden für jedes Niveau angeboten. Auch Reitanfänger können in der Reitweise (Marburger Modell) geschult werden. Für gewöhnlich wird schon in der Ausschreibung des Kurses darauf hingewiesen, welcher Ausbildungsstand vorausgesetzt wird. Kurse nach Caprilli werden vor allem von Freizeitreitern genutzt, es gibt sie aber auch für Sportreiter. Wer nun interessiert ist, kann sich bei den FreiZeitReitern e. V. melden und nach Kursanbietern fragen.