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Verwirrspiel um Pferdeskelett

Eine wirklich konfuse Geschichte spielte sich kürzlich im westfälischen Werne ab. Es begann am Samstag, den 11. Oktober,  an dem Passanten in einem tiefen Graben, nahe einer Bundesstraße das Skelett eines großen Tieres entdeckten. Beim näheren Hinsehen war auch das Stück eines grünen Stoffhalfters zu sehen. Der Schädel und die restlichen Knochen waren teilweise mit Laub und Schlamm bedeckt. Presse und Polizei wurden informiert. Die örtliche Wache schickte einen Streifenwagen. Die Beamten markierten die Fundstelle auf der Straße, damit die Überreste später von der zuständigen Stelle leichter gefunden und abgeholt werden konnten. Die örtliche Presse veröffentlichte einen kurzen Bericht über den ungewöhnlichen Fund. Hinweise gingen jedoch auch danach nicht ein. Am Montag, den 13. Oktober, fuhr ein Mitglied des APP e. V. (Aktionsbündnis Pro Pferd) zur Fundstelle. (Das APP sammelt Daten zu Totfunden von Pferden), um sich nach einem Gespräch mit dem Polizeisprecher und der Redaktion der Zeitung einen Eindruck von dem Skelett zu verschaffen. Zu diesem Zeitpunkt war allerdings unklar, ob die Knochen nicht vielleicht schon abgeholt worden waren und falls ja, durch wen.

Fundstelle war offenbar attraktiv

Dank der polizeilichen Markierung am Fahrbahnrand war der Graben mit dem Skelett leicht zu finden. Allerdings musste das APP- Mitglied feststellen, dass der Graben offenbar zu einem interessanten Ausflugsziel geworden war. Die Knochen waren durcheinandergewirbelt, Schädel und Becken nicht mehr vorhanden. Auch das Halfter war nicht zu finden. Die Spuren am Graben zeigten, dass mindestens eine Person zielstrebig den Graben hinuntergeklettert war und sich vermutlich bedient hatte. Vielleicht hatte nur jemand Interesse am Kopf des Tieres, vielleicht wollte aber auch jemand verhindern, dass das Pferd, falls es überhaupt eines war, doch noch identifiziert wird. Die Tierschützerin vor Ort fand einen Großteil der Wirbelsäule, zahlreiche Rippen, Beinknochen und einige kleinere Knochen, die der Seitenwand des Grabens steckten und nur teilweise herausragten. Sie fertigte einige Fotos an, sprach noch einmal mit der Redakteurin, die am nächsten Tag noch ein Interview mit dem APP- Mitglied veröffentlichte und zog einen Schlussstrich unter die Geschichte. Bis zum 20.10.

Anonymes Schreiben trifft ein

Am 20. 10. ging in der Pressestelle des Aktionsbündnisses ein anonymer Brief ein. In diesem Brief erklärt der/die VerfasserIn dass ein Werner Bürger etwa ein Jahr zuvor sein entlaufenes Pferd gesucht habe. Die Suche sei aber ergebnislos verlaufen, das Pferd blieb verschwunden. Der Name des Bürgers wird in dem Schreiben erwähnt. Die Pressestelle kontaktierte daraufhin die zuständige Polizeidienststelle, die sich das Schreiben ansah und ankündigte, es an das Ordnungsamt weiterzuleiten.  Da das APP auf seinen Seiten über die konfuse Geschichte berichtet, gibt es auch von dieser Seite zahlreiche Kommentare, die sich um die Frage dreht: „warum wird der Fall nicht näher untersucht?“

Was könnte passiert sein?

Alles könnte passiert sein. Das vermeldeten Polizei und APP übereinstimmend. Das Pferd könnte ausgebrochen, herumgeirrt, in den Graben gefallen und dort gestorben sein. An der Fundstelle lag ein Knochen, bei dem es sich um den Unterarm gehandelt haben könnte, der einen längs verlaufenden Bruch aufwies. Unklar ist natürlich, ob der Bruch vor oder nach dem Tod des Pferdes zustande kam. Es könnte auch sein, dass jemand das Tier tot dort abgelegt hat. Warum auch immer. Merkwürdig war, dass einzelne Knochen von der Seite des Grabens verschüttet waren. Hatte es dort bauliche Maßnahmen gegeben? Hatte jemand versucht, das Pferd (wenn es denn eines war) zu bedecken? Viele User stellten sich auch die Frage, warum das Tier über einen offensichtlich langen Zeitraum nicht entdeckt wurde. Das konnte das APP allerdings erklären. Der Graben ist mehr als zwei Meter tief. Der Untergrund ist schlammig, teilweise führt der Graben auch Wasser. Er liegt an einer stark befahrenen Bundesstraße und der Radweg befindet sich auf der anderen Seite. Radfahrer und Fußgänger würden kaum dort entlanglaufen, umso größer war der Zufall, dass die Knochen überhaupt entdeckt wurden. Allerdings berichtete das APP, dass Lkw Fahrer aus ihrer hohen Position ein so großes Tier eigentlich hätten sehen müssen, wenn es denn grundsätzlich sichtbar war, also nicht bedeckt von Wasser oder Erde.

Warum bemüht sich niemand um Aufklärung?

Damit die Polizei ermittelt, muss ein strafrechtlich relevanter Tatbestand vorliegen. Das ist hier nicht der Fall. Es gibt auch keinen Ansatz für ein „Verbrechen“. Wer auch immer den Schädel mitgenommen hat, er hat damit viele Antworten vom Fundort entfernt. Alter, Geschlecht, Größe und der Gesundheitszustand sind nur einige Fakten, über die diese Knochen hätten Aufschluss geben können. Im Schlamm nach einem Transponder zu suchen, dürfte hingegen vergebliche Mühe sein. Auch liegt keine Anzeige vor.  Und selbst wenn der im anonymen Schreiben erwähnte Bürger der Eigentümer des Pferdes war, dass er es in den Graben geschubst hat, ist nicht sehr wahrscheinlich. Vermutlich wird die Geschichte des Skeletts ein Geheimnis bleiben.

Die Links zu den Veröffentlichungen und Fotos sind hier zu finden http://www.propferd.org/index.php/rund-ums-pferd/126-20-10-2014-pferdeskelett-koennte-entlaufenes-pferd-gewesen-sein.html