Vom Freizeitkameraden zum Schnitzel

Der Februar 2013 bringt die Wende für die Pferdebesitzer. Geht es meinem Pferd als Schlachtpferd oder Nicht-Schlachtpferd besser? Welche Vor- und Nachteile kommen auf den Besitzer zu?  Dreh-und Angelpunkt der Diskussion ist der Equidenpass, den Medikamenten und dem möglichen Verwaltungsaufwand. Doch die Plastikhülle beinhaltet für den späteren Konsumenten des Pferdefleisches noch sehr viel mehr, nämlich das Recht, ein gesundes Stück Fleisch auf dem Teller zu haben und da prallen Welten aufeinander.

Kostenfaktor Pferd

Schnitzel_Lasagne

In die jüngste Debatte kam Pferdefleisch, als es in Fertigprodukten einiger Hersteller nachgewiesen wurde. Was der Eintrag „Schlachtpferd“ im Equidenpass aber wirklic h bedeutet, das wissen die wenigstens Pferdebesitzer.
Foto: woisetschlaeger.org

Als im Jahr2000 der Equidenpass eingeführt wurde, konnten auch noch Besitzer erwachsener Pferde entscheiden, ob ihr Tier in die Lebensmittelkette gelangen darf oder nicht. Damals lautete die Empfehlung: „Schlachtpferdeeintrag“ und das hatte viele Gründe. Ein Pferd ist und bleibt teuer im Unterhalt. Bei Erkrankungen wird es u.U. über Jahrzehnte zu einem enormen Kostenfaktor. Von Reiten keine Spur, stattdessen steigen die Tierarztkosten. Das Tierschutzgesetz erlaubt kein Einschläfern aus wirtschaftlichen Gründen des Pferdebesitzers und hier stehen die Reiter vor dem ersten Paradoxon. Ein Schlachtpferd darf geschlachtet werden, weil es gegessen werden kann, ein Nicht-Schlachtpferd wird zum Haustier und muss am Leben erhalten werden. Um fast jeden Preis und ganz sicher oft genug über die Belastungsgrenze des Eigentümers hinaus. Tierschutzvereine kennen das Problem. Hilferufe von verzweifelten Besitzern von Nicht-Schlachtpferden, die Haus und Hof verlieren, weil sie ihr Pferd weder einschläfern noch verkaufen können, nehmen zu. Vor diesem Hintergrund kann jeder halbwegs vernunftbegabte Mensch nur zum Schlachtpferdeeintrag raten.

Was heißt es, ein Schlachtpferd zu halten?

Selbstverständlich darf und soll ein Schlachtpferd medizinisch behandelt werden. Aber es müssen Protokolle erstellt und Wartezeiten eingehalten werden. Die Behandlung wird kostenintensiver, denn nicht einige Tierärzte geben die vorgeschriebenen Belege für den EP gegen eine Gebühr ab. Die Behandlung eines Schlachtpferdes kann also kostenintensiver sein. Und damit folgt das Hauptproblem, denn die Freiheit, ein Pferd töten zu lassen, wenn der Besitzer nicht mehr kann, ist an einen hohen Preis gekoppelt. Das Pferd ist von nun an ein Nutztier. Der Konsument will bestes Fleisch auf seinem Teller, die EU macht den Pferdebesitzer damit zum Fleischproduzenten. Bei allem, was der Pferdebesitzer unternimmt, muss er den Verbraucherschutz berücksichtigen. Auch Wartezeiten müssen eingehalten werden, ein großes Problem bei Pferden, die chronisch krank sind. Doch das ist noch nicht alles.  Ein Landwirt darf sein Schlachttier nicht einfach aus dem Bestand entfernen, das muss protokolliert werden. Bei den Reitern war das bislang kein Thema. Kurse, Reitunterricht, Wanderritte sind auch für Schlachtpferde noch zulässig. Doch das könnte sich ändern, wenn den Pferdefleischfreunden klar wird, was der Pferdebesitzer da mit seinem Grillfleisch veranstaltet. Verantwortung übernehmen muss auch der Stallbesitzer, der das Schlachtpferd aufnimmt. Er muss das Bestandsbuch führen, aus dem jederzeit, auch bei unangekündigten Kontrollen, hervorgehen muss, welches Schlachtpferd wann welches Medikament bekommen hat.

Der Ausweg wenn nichts mehr geht

Ein Rettungsanker bleibt den Pferdebesitzern, wenn das chronisch kranke Tier das Budget sprengt. Ob Schlachtpferd oder Nicht-Schlachtpferd, eine Schlachtung ist erlaubt. In diesem Fall muss ein Schlachter gefunden werden, der die entsprechende Zulassung für Nicht-Schlachtpferde hat. Das Fleisch darf nicht in Kontakt mit dem der Schlachttiere für die Lebensmittelgewinnung kommen. Es wird anschließend zu Tierfutter verarbeitet.

Carola Schiller