Vorbeugen und Erste Hilfe bei Wurmbefall

„Da ist der Wurm drin“, dieser Spruch gilt wahrlich für jedes Pferd und die Tatsache als solche stellt noch keine Gefahr dar. Doch, wie bei den meisten Dingen im Leben bewahrheitet sich auch hier die Erkenntnis, dass die Dosis es ist, die das Gift macht.

Mit einer begrenzten Anzahl der häufig unbemerkten Untermieter kann der Organismus eines ansonsten gesunden Pferdes problemlos fertig werden. Doch übersteigt der Befall an Endoparasiten ein gewisses Maß, geht´s mit der Pferdegesundheit bergab: Nicht nur, dass die Schweifrübe plötzlich abgescheuert wird – auch ein stumpfes und glanzloses Fell deutet auf Wurmbefall hin. Darüber hinaus sollte es Sie stutzig machen, wenn Pferde trotz reichhaltiger Futteraufnahme abmagern und sich leistungsmatt zeigen.

2je7ms5Um es erst gar nicht so weit kommen zu lassen, rückt man den heimlichen Mitessern mittels Wurmkur zu Leibe. Zwar steht die standardisierte Regelmäßigkeit von ehemals vier Wurmkuren jährlich inzwischen intensiv in der Diskussion, doch ist unbestritten, dass sowohl vor dem Weideauftrieb im Frühjahr als auch nach der grünen Saison eine Entwurmung durchaus Sinn macht – denn die Pferde kommen auf der Wiese ständig in Kontakt mit kleinen Strongyliden (Kleine Pallisadenwürmer) und einer Fliegenart, die am Haarkleid die gelblichen Eier abstreift, aus denen sich im Magen des Pferdes dann die sogenannten Dassellarven entwickeln. Der späte Herbst ist zudem die Zeit, in der etwas gegen den Bandwurmbefall getan werden muss.

Eingekapselte Gefahr

Kleine Strongyliden sind die am häufigsten vorkommenden Endo-Parasiten des Pferdes. Man kann durchaus sagen: Jedes Pferd ist davon befallen. Das Pferd nimmt die Larven der kleinen Pallisadenwürmer, von denen es über 60 verschiedene Arten gibt, mit dem Weidegras auf. Im Darm angekommen perforieren die Larven die Darmschleimhaut und kapseln sich dort ein. In diesem Zustand spricht man von enzystierten Larven, die sich – so abgekapselt – in aller Ruhe weiter entwickeln. Als erwachsener Wurm kehren diese gefährlichen Endoparasiten in den inneren Hohlraum des Darmes zurück, saugen sich dort an der Darmwand fest und ernähren sich von den Darmwandzellen.  Das geschieht zumeist gegen Ende der Wintermonate, in denen der Entwicklungszyklus der Larven offenbar für einige Zeit stoppt. In Folge von noch nicht näher bekannten äußeren Reizen treten plötzlich zeitgleich Hunderttausende der enzystierenden Larven aus und hinterlassen eine regelrecht durchstanzte Darmschleimhaut.
Dieses als larvale- oder Winter-Cyathostominose bekannte Krankheitsbild geht einher mit massiven Durchfällen, mit Ödemen sowie einer starken Abmagerung und endet in fast 50 Prozent der Fälle sogar tödlich. Hier eine effiziente Therapie anzuwenden ist durchaus schwierig, denn die kleinen Strongyliden gelten nicht umsonst beim Pferd als die gefährlichsten Würmer: Ein Großteil der in Deutschland gängigen Entwurmungsmittel wirkt nicht gegen die Larvenstadien kleiner Strongyliden, die eingekapselt in der Darmwand bis zu zwei Jahre verweilen können. Vor allem gegenüber Wirkstoffen aus der weit verbreiteten Gruppe der Benzimidazole sind Resistenzen längst keine Seltenheit mehr.  Lediglich „Equest“ mit dem modernen, sich durch eine hohe Fettlöslichkeit auszeichnenden Wirkstoff Moxidectin, scheint der verkapselten Gefahr momentan den Garaus machen zu können. Somit hilft ein regelmäßiger, prophylaktischer Einsatz mit diesem Wirkstoff im Kampf gegen die Anhäufung einer großen Anzahl enzystierter Larven in der Darmwand und somit der Gefahr einer plötzlichen, massenhaften Auswanderung mit den beschriebenen Gesundheitsfolgen fürs Pferd vorzubeugen. Ein möglicher Befall des Pferdes mit kleinen Strongyliden ist per Kotprobe übrigens nicht festzustellen, da die eingekapselten Larven ja in der Darmschleimhaut festsitzen.

Gelbe Pünktchen

Sie lebt nicht länger als drei Wochen – aber richtet in ihrem kurzen Leben doch einiges an Schaden an: Die Dasselfliege, die zwischen Juli und Oktober schwirrt und bis zu 500 Eier legt. Diese klebt sie an den Haaren der Pferdevorderbeine fest – deutlich sichtbar als kleine, gelbliche Stippen. Dort werden sie vom Pferd abgeleckt, gelangen so ins Maul. Hier schlüpfen die Larven und werden abgeschluckt. Angekommen im Magen des Pferdes siedeln sich die nun rötlich-braunen, rund 1,5 Zentimeter langen Schädlinge an der Magenschleimhaut an. Im kommenden Frühjahr und Sommer lösen sich die Dassellarven dann von der Magenwand, werden mit dem Kot ausgeschieden. Ein übermäßiger Befall im Magen des Pferdes mit Larven der Dasselfliege führt zu Schleimhautreizungen und im schlimmsten Fall auch zu Magengeschwüren mit gesundheitlichen Folgeerscheinungen wie unspezifischen Leistungseinbußen, Fressunlust, Abmagerung, Blutarmut oder Kolik. Selten kommt es zu einem Magendurchbruch und einer sich daraus entwickelnden Bauchfellentzündung. Eine rechtzeitige Behandlung zum Ende der Flugzeit der Dasselfliege beugt hier vor. Dazu kommt eine Entwurmung mit den Wirkstoffen Ivermectin (Furexel, Ivomec-P, Eraquell, Equimax) oder dem Wirkstoff Moxidectin (Equest) in Frage. Darüber hinaus hilft das regelmäßige Entfernen der am Fell anhaftenden Eier, um den Befall der Pferde mit Dassellarven gering zu halten.

Am laufenden Band

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Sie müssen zwingend darauf achten, dass die gesamte Wurmkur auch in Ihr Pferd gelangt. Das geschieht am sichersten, wenn Sie die Kur in Form einer Paste mittels Applikator ins leere Pferdemaul spritzen und mit dem Belohnungsleckerli so lange warten, bis die ganze Portion runtergeschluckt wurde.
Foto: Jessica Kaup/PSJ

Durch eine Kotprobe werden sie häufig nicht erfasst, doch Untersuchungen haben ergeben, dass fast 75 Prozent deutscher Pferdebestände von Bandwürmern befallen sind. Dabei handelt es sich in erster Linie um den Anoplocephala perfoliata – eine sehr verbreitete Bandwurm-Art. Mehr als 30 Prozent der Pferdebestände sind – nach Ansicht von Experten – mit gerade diesem Typus befallen, der sich durch einen kurzen, dreieckigen Körper auszeichnet. Der ausgewachsene, gelb-grüne Wurm ist drei bis acht Zentimeter lang. Er hat einen Kopf mit vier Haken, mit denen er sich an der Darmschleimhaut seines Wirtes festhakt. In der Regel besiedeln die ausgewachsenen Bandwürmer den Übergang vom Dünndarm zum Blinddarm.
An den Haftstellen entstehen Entzündungen, die Darmschleimhaut schwillt an und verengt sich. Dies wiederum führt zu gravierenden funktionelle Störungen im Verdauungstrakt: Abmagerung, Durchfall genauso wie Verstopfungskoliken bis hin zum Darmriss oder  Darmverschluss können auftreten. Das Pferd infiziert sich nicht mit dem ausgewachsenen Bandwurm direkt, sondern beim Grasen über das Aufnehmen von speziellen Grasmilben.

Der Bandwurm lebt nämlich einen indirekten Lebenszyklus. Das bedeutet, er benötigt einen Zwischenwirt für seine Entwicklung.  Dieser Zwischenwirt des Bandwurmes ist eine frei lebende Grasmilbe, genauer gesagt, die Moosmilbe, welche Bandwurmeier aus dem Kot frisst. Diese Milbe kommt in großer Zahl auf deutschen Weiden vor – besonders ältere und verfilzte Weiden sind ein Risikofaktor, weil dort viele Grasmilben leben. Man findet sie allerdings auch im Heu und Stroh. Die Larven entwickeln sich in einem Zeitraum von sechs bis zehn Wochen zu ausgewachsenen Bandwürmern, deren Eier mit dem Pferdekot ausgeschieden werden. Dann beginnt der Teufelskreis von neuem… Um ihn zu unterbrechen, muss entwurmt werden. Und zwar am besten mit einem Kombipräparat aus Ivermectin und Praziquantel, das neben dem Pferdebandwurm auch andere im Darm lebende Parasiten und Insektenlarven abtötet. Eine Bandwurmbekämpfung nur aufgrund einer „positiven Kotprobe“ durchzuführen ist bei dieser Art der Endoparasiten nicht sehr sinnvoll: Sie ist diesbezüglich nicht genau genug. Auch zeigt sich der Befall mit Bandwürmern nicht gleich mit auffälligen Krankheits-Symptomen. Wohl aus diesem Grund auch ist die Bekämpfung der Bandwürmer in der Vergangenheit nicht sehr intensiv verfolgt worden, mit der Konsequenz, dass man nun vor diesem offenbar massiven Befall  steht, den es einzudämmen gilt.

Jessica Kaup/PSJ