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Wanderreitpferde richtig füttern, daheim und unterwegs

Wanderreiter und alle, die es werden wollen, zerbrechen sich nicht selten den Kopf darüber, wie sie ihr Pferd in der Vorbereitung und vor allem unterwegs richtig füttern. Wir haben mit Conny Röhm gesprochen. Conny ist Pferdewissenschaftlerin und hat sich in die richtige Pferdefütterung eingearbeitet, wie sonst kaum jemand. Sie ist heute Autorin, Inhaberin von Futterberatung-Roehm und Dozentin. Für uns hat sie einige hilfreiche Tipps, mit denen wir unsere Pferde gesunderhalten können. Daheim und unterwegs.

Foto: Conny Röhm

Hallo Conny, was empfiehlst Du Wanderreitern zur Fütterung unterwegs?

Wichtig ist, die Pferde über den Tag immer wieder fressen zu lassen. Zum Beispiel bei einer geplanten Tagesetappe von etwa sieben Stunden empfehle ich alle zwei bis drei Stunden 15 bis 20 Minuten Fresspausen einzulegen. Grasen an der Hand ist dann optimal. Zusätzlich rate ich zu einer einstündigen Mittagspause, in der das Pferd ebenfalls fressen darf.

Was passiert, wenn das Pferd unterwegs nicht fressen kann?

Bei einem Tag wird nichts passieren, aber bei Touren über mehrere Tage wird es zu Problemen kommen. Das Pferd bekommt Magenprobleme. So können Magengeschwüre entstehen. Zusammengefasst kommt das Pferd mit einem gesundheitlichen Problem vom Wanderritt zurück.

Zeigt das Pferd denn nicht, dass es Magenprobleme hat?

Pferde neigen dazu, Beschwerden in sich hineinzufressen. Die Anzeichen können dann missverständlich sein. Das Pferd wehrt sich z.B. gegen den Sattel. Das kann ein Signal sein. Oder es neigt zu Koliken. Auch Zähneknirschen, Müdigkeit und Lethargie sind Symptome. Übrigens: Fressen lassen beim Laufen ist keine Lösung. Das macht auf Dauer richtig Ärger, aber das sollte jeder Wanderreiter wissen.

Wie ist es mit Kraftfutter unterwegs?

Das hängt stark vom Pferd ab. Ein Blüter wird unterwegs ohne Kraftfutter Masse verlieren. Das ist nicht unbedingt schlimm, das wollen wir aber nicht. Ein solches Pferd braucht also unterwegs 1-2 Kg Kraftfutter täglich. Bei den kleinen Plüschigen ist das ganz anders. Die sind dafür geboren, schwierige Strecken zu meistern, ohne an Gewicht zu verlieren. Im Gegenteil, die werden ohne körperliche Leistung eher zu dick. Ein Fjordpferd, ein Haflinger oder ein Isländer läuft auch anspruchsvolle Wanderritte ohne Kraftfutter. Erst auf langen Strecken über mehrere Tage muss man da etwas beisetzen.

Es gibt aber Reiter von Robustrassen, die auf Kraftfutter auf Wanderritten schwören

Ja, ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass es eher die nicht so fitten Reiter sind, die dazu neigen, ihre Pferde mit Nährstoffen zu versorgen, die die gar nicht brauchen und die sogar Schaden anrichten. Irgendwo ist natürlich eine Grenze, aber ein 4-Tage-Wanderritt mit Tagesetappen von 30 km, ist für ein Robustpferd keine Herausforderung was den Energiehaushalt betrifft, sofern es gut trainiert ist. Im Gegenteil, die werden eher unterwegs fit und kommen sportlich zurück. Ohne Kraftfutter.

Wie sieht es mit Mineralfutter aus?

Mineralfutter ist ein ganz anderes Thema. Bei Tagesritten spielt es keine Rolle, aber wenn ich bei hohen Temperaturen unterwegs bin, das Pferd schwitzt, braucht es Mineralfutter. Ich habe immer Mineralfutter dabei. Und das war immer eine gute Entscheidung. Ich habe auch immer einen handtellergroßen Salzleckstein dabei, der schon wertvolle Dienste geleistet hat. Vor allem bei hohen Temperaturen und das Pferd stark schwitzt. Diese Einstellung teilt nicht jeder. Das ist auch in Ordnung. Ich mach es so und die Erfahrungen sind gut. Das, was verloren geht, muss einfach wieder aufgefüttert werden.

Wie stehts mit der Wasserversorgung unterwegs?

Pferde können auch mal einen Tag ohne Wasser überstehen. Vorausgesetzt allerdings, sie schwitzen nicht stark. Wenn der Wanderritt bei moderaten Temperaturen stattfindet und das Pferd zwischendurch angemessen grasen kann, wobei es auch Wasser aufnimmt, ist es nicht schlimm, wenn es erst am Abend Zugang zu Wasser hat. Dann sollte es aber so viel Wasser aufnehmen können wie es will und dieses Wasser muss von hervorragender Qualität sein. Bei großer Hitze gilt das natürlich nicht. Dann muss frequenter getränkt werden.

Würde das Pferd nicht vor lauter Durst auch nicht so gutes Wasser trinken?

Pferde sind sehr empfindlich was die Wasserqualität betrifft. Sie können sogar den Keimbesatz im Wasser riechen und würden Wasser verweigern, wenn damit etwas nicht stimmt, auch wenn sie großen Durst haben. Das muss man wissen und immer genau beobachten.

Das ist ja interessant- Kann das auch uns Menschen auf einem Wanderritt helfen, z.B. wenn wir an einen Bach kommen, den wir nicht einschätzen können, aber Durst und kein Wasser mehr haben?

Auf keinen Fall. Wenn ein Pferd Wasser akzeptiert, ist das kein Qualitätsmerkmal für Menschen. Wir Menschen reagieren auf Keime richtig empfindlich, mit denen Pferde aufgrund ihres sauren Magenmilieus überhaupt keine Probleme haben.

Wie siehts denn mit dem Kraftfutter in der Vorbereitung aus?

Das ist nicht viel anders als beim Ritt selbst. Mit dem Unterschied, dass wir auf einem Wanderritt nehmen müssen, was wir bekommen. Aber auch hier gilt, die Robustrassen brauchen es nicht unbedingt. Jedes Pferd, das ohne Kraftfutter Masse verliert, braucht Kraftfutter,  Das ist aber auch wie immer in Abhängigkeit des Trainingszustandes zu sehen.

Vielen Dank an Conny Röhm!

Das Interview mit Conny Röhm führte Carola Schiller für die ETCD FreiZeitReiter e.V.

Hier gibt es mehr Informationen von Conny Röhm;

Webseite https://www.futterberatung-roehm.de/