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Wanderritt in Hohenlohe

von Ursula Dahm

Lagsi, Äffchen und ich waren von Mittwoch bis Freitag auf einem 3-Tages-Ritt. Äffchen ist seit 1988 mein Mit(st)reiter, wenn ich mehrere Tage alleine, also „ohne menschliche Begleitung“ zu Pferd unterwegs bin. Wenn es regnet, muss Äffchen in einer Tüte in die Packtasche, sonst hängt es vor meinem Oberschenkel am Sattel. Ich habe ihm seinerzeit seinen „Reitanzug“ gestrickt, damit ich es sicher befestigen kann und nicht fürchten muss, es unterwegs zu verlieren.

 

 

Gestartet bin ich bei Freunden in Braunsbach-Orlach und dann waren wir in Hohenlohe, überwiegend auf der sogenannten „Hohenloher Ebene“, unterwegs. Dabei gibt es trotz „Ebene“ immer noch einiges Auf und Ab, wie ihr im Höhenprofil sehen könnt – es waren auf 69,89 km Strecke insgesamt jeweils ca. 950 m An- bzw. Abstieg.

Am ersten Tag ging es zum Islandpferdehof Reußenberg bei Crailsheim (dort hatten wir schon mehrfach übernachtet). Diesmal waren durch Kinderferien alle Betten belegt, so bekam ich ein „Einzelzimmer“ (mit Matratze und Bettzeug!) in einem Pferdeanhänger.

Von dort ging es dann am zweiten Tag nach Obersontheim-Hausen zur Reitstation Hausen von „Reiten zwischen Main und Donau“ (auch dort waren wir nicht das erste Mal). Am dritten Tag ging es dann zurück nach Orlach.

Bepackt war Lagsi mit zwei (Hinter-)Packtaschen und den Vorderpacktaschen, die bei mir im Sommer immer am Sattel sind. Wenn es durch Tore oder andere Durchgänge ging, musste ich immer gut die Mitte anzielen, denn so war er „fast so breit wie hoch“ 😊

 

Da wir überwiegend im „freien Feld“ unterwegs waren (sonst bin ich auf meinen Wanderritten meist sehr viel im Wald), hatten wir mehr Graswege, als ich je auf einem Wanderritt hatte – der Nachteil war, dass wir wenig Schatten hatten.

 

 

 

Hier trafen sich Natur und Technik – Grasweg und Windräder, denn wir waren unter anderem im „Windpark“ unterwegs

 

 

 

Das machte v. a. am dritten Tag den Ritt sehr anstrengend – angekündigt waren „30° – 32° im Schatten“, da wurden 26,41 km Strecke, von denen ich maximal auf 2 km Schatten hatte (alles andere war freies Feld mit praller Sonne), dann schon grenzwertig. Zum Glück sah ich etwa nach der Hälfte der Strecke in einem Garten ein Paar beim Mittagessen und so konnte Lagsi aus deren Trog im Garten trinken, meine Wasserflaschen wurden aufgefüllt und wir konnten im Schatten unter einem Baum Pause machen. Der Mann bedauerte nur, dass er gerade am Tag vorher den Rasen gemäht hatte, so konnte Lagsi nur ein wenig „Gras nagen“.

Jedes Mal bekam ich abends zu hören: Lagsi sieht aus, als wolle er sagen „Und was machen wir jetzt?“ Darüber habe ich mich sehr gefreut – 21 Jahre und „fit wie ein Turnschuh“. Ich hatte oft abends das Gefühl, dass ich deutlich müder war als er.

Ich habe unterwegs einige Fotos gemacht – ein paar davon habe ich hier eingefügt. Einige „Besonderheiten“ unterwegs konnte ich leider nicht fotografieren, da ich bei einer Bullenherde direkt am Weg (Lagsi mag keine Rinder) und v. a. bei drei Zebus, die direkt neben dem Weg im Auslauf ihres Offenstalls lagen, lieber beide Hände an den Zügeln haben wollte – wir haben uns jeweils erfolgreich vorbeigezittert. Bei einer großen Beregnungsanlage (dort wurde auf großen Feldern Gemüse oder Salat angebaut) habe ich die Anlage fotografiert, den großen Tankwagen mit dem Wasser dann nicht – der „tickte“ nämlich laut, während er die Sprühvorrichtung langsam näher zog. Auch da wollte ich die Hände lieber an den Zügeln haben.

Zwei „etwas kritische“ Momente gab es unterwegs:

Einmal machte Lagsi auf einmal einen Satz (mit Vierteldrehung) zur Seite, so dass er mich fast verloren hätte. Als ich wieder aufrecht saß, sah ich über mir Heubüschel fliegen. Da hatte also eine kräftige Windböe (oder kleine Windhose) Heubüschel von der Wiese neben uns erfasst und Lagsi war erschrocken.

Und dann war ein Landwirt sehr ungeduldig (da es heiß war, waren ganz, ganz viele Landwirte bei der Ernte – Getreide, Heu – unterwegs). Als ich durch einen kleinen Ort ritt, hörte ich, dass hinter mir Fahrzeuge waren. Als eine kleine Lücke im Gegenverkehr war, scherte hinter mir ein großer Trecker mit großem Ladewagen aus, beschleunigte neben mir mit aufheulendem Motor und scherte (Gegenverkehr!) so knapp wieder vor mit ein, dass ich einen Moment lang Angst hatte, das Ende des Landewagens könnte Lagsi noch streifen. Es ist doch Gold wert, wenn man ein verkehrssicheres Pferd hat!!

Ich kann im Ganzen nur sagen: Es war wieder toll!!!! Und es hatte Lagsi und mir gefehlt (der letzte Mehrtagesritt war im Oktober 2019). Lagsi liebt es, so unterwegs zu sein. Er hatte die ganzen Tage über ein Schritttempo drauf, dass ich seit 1 ½ Jahren bei ihm nicht mehr erlebt habe – und war zugleich völlig entspannt unterwegs.