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Wanderritt mit Hindernissen

von Dörthe Schenk

Teilnehmerin Wanderreiter-Champion 2021

 

Achtung lang. ;) Wir haben es nun tatsächlich geschafft, wir waren auf unserem ersten „richtigen“ Wanderritt. :D Ich und die drei Ponys, fünf Tage, gesamt 152,9 km, 41:17 Stunden im Gelände unterwegs (natürlich inkl. Pausen). Gestartet sind wir am Samstag von zu Hause aus, daher knapp die Hälfte der Strecke bekanntes Gelände. Unterwegs hat uns noch eine meiner liebsten Freundinnen ein kleines Stück mit dem Fahrrad begleitet, Fotos gemacht und ein paar Kleinigkeiten mitgegeben. <3 Sie war dann auch meine moralische Unterstützung, wir haben täglich telefoniert, sie hat sich mitgefreut, mitgeärgert, mitgelitten … Das kann man nicht mit Gold aufwiegen! <3 Vom noch bekannten Siekwald ging es dann zum Barver Sand. Von diesem Wald hatte ich irgendwie mehr Sand erwartet. ;) Tatsächlich waren die Wege ziemlich zerfahren und matschig, daher fast nur Schritt möglich. Aber trotzdem eine sehr schöne Strecke bis Högenhausen! Die Touren hatte ich hauptsächlich mit Wanderreitkarte.de geplant und dann auf Komoot übertragen. Ohne Navi wäre ich vermutlich aufgeschmissen gewesen. ;) Aber auch das Navi hat natürlich seine Tücken, besonders wenn man das Programmieren der Strecke noch nicht so oft geübt hat. So waren einige Wegpunkte ungünstig gesetzt und die freundliche Stimme schickte mich mehrfach in einen Weg hinein nur um dann direkt zum Wenden aufzufordern. Hat etwas gedauert bis ich das verstanden hatte. 😂 ;) Ausgerechnet das Endziel des ersten Tages hatte ich dann wohl völlig falsch gesetzt, so dass noch eine ziemlich große, völlig unnütze Runde zusätzlich auf die Uhr kam und ich letztlich noch Google Maps angeschmissen habe um die Unterkunft zu finden. 😊 Erschöpft aber glücklich kamen wir gegen 19:30 Uhr an und wurden ausgesprochen lieb empfangen! Die Ponys durften Offenstall, Paddock und Wiese der eigenen Pferde nutzen, da diese auf die Sommerweide ausquartiert waren. Ich bekam Essen frisch aus dem eigenen Garten und wir haben tolle Gespräche geführt. <3 Für Sonntag war den ganzen Tag Regen vorhergesagt, der setzte auch früh morgens tatsächlich ein. Ich hatte aber Glück, püntklich zum Rittstart hörte es auf und unterwegs traf uns nur ein wenig Niesel. Regen und Gewitter blieben neben und hinter uns. (y) Damit war unser Glück für diesen Tag allerdings wohl aufgebraucht … Die Wege wurden recht bald immer ungemütlicher, gefühlt 90 % Schotter. :( Und das ausgerechnet am Tag mit der längsten geplanten Strecke (36 km ca.) Ich bin bestimmt über die Hälfte zu Fuß gegangen und wir kamen so nur relativ langsam voran. Die nächste Unterkunft sollte ein Pferdehof mit Ferienwohnungen sein, also eine voll gewerbliche Station. Bereits beim Buchen hatte ich auf Nachfrage mitgeteilt, dass ich wegen der langen Strecke wohl erst Spätnachmittags oder Abends ankommen würde. Sobald ich es abschätzen konnte (in dem Fall ca. 15:00 Uhr) schickte ich eine Nachricht, dass ich vermutlich gegen 20:00 Uhr ankommen würde. Obwohl ich mir wirklich Mühe gegeben habe wurde es dann letztlich doch ca. 20:30 Uhr. Kurz nach 20:00 Uhr bekam ich einen doch recht genervten Anruf wo ich denn bliebe, ob ich überhaupt noch käme, man hätte nun schon „den ganzen Tag“ auf mich gewartet, würde nicht auf dem Hof wohnen und wolle ja nun auch mal nach Hause … Tja, herzlich willkommen fühlte ich mich da bereits nicht mehr. :( Endlich angekommen teilte mir die Hofbetreiberin während des Absattelns mit, dass sie nun noch kontrollieren wolle ob das zweite Weidetor verschlossen sei und Wasser auffüllen würde. „Ja bitte, das wäre schon wirklich wichtig!“ (Hätte man ja vielleicht auch bereits machen können während man „den ganzen Tag“ auf mich gewartet hat …) Dann die Ponys auf die Weide entlassen und direkt zum Abrechnen ins Ferienhaus, sie hatte es ja eilig nach Hause zu kommen und wollte morgens nicht extra dafür wieder auf dem Hof sein müssen … Kurz darauf klingelte ihr Telefon, da würden drei Ponys durchs Dorf laufen, ob die von ihr kämen? 😱😱😱 Sie hatte also das zweite Weidetor nicht wirklich kontrolliert, nur von weitem einen Blick darauf geworfen, es war aber nur angelehnt und nicht verriegelt. 😡😡😡 „Immerhin“ halfen sie und ihr Mann beim Einfangen, fuhren mich mit dem Auto hinter den Ponys her, die Anruferin war ebenfalls mit dem Auto und Warnblinker den Ponys gefolgt, so dass wir sie wenigstens finden konnten. Die drei waren aber wie in einem Film und stapften schnurstracks immer weiter den Weg zurück, den wir gekommen waren. Mein Rufen, Locken, Säuseln, Pfeifen wurde gar nicht wahr genommen. Scheinbar fühlten sie sich in Rüssen ebenfalls nicht so willkommen … ;) Sie sind bestimmt mindestens 3 km zurück gewandert, inkl. der Überquerung einer schnell befahrenen Landstraße. 😱 Mir war so schlecht, ich hatte solche Angst, dass sie vors Auto laufen, man malt sich ja in so einer Situation alles mögliche aus … Obwohl kein bisschen religiös habe ich inbrünstigst zu höheren Mächten gebetet, meinen Ponys möge bitte bitte nichts passieren!!! Ich wurde erhört. Danke! <3 Nun musste der Weg natürlich zu Fuß wieder zurück gegangen werden, was in Verbindung mit feuchten Socken das Mü zuviel war und an beiden Füßen zu großen Blasen führte. Aua! 😫 Letztlich waren wir gegen 22:30 Uhr endlich alle wohlbehalten und nun auch sicher wieder auf dem Hof angekommen. Weidetore wurden nochmal von mir selbst kontrolliert (was im Dunklen allerdings schwierig war) und zusätzlich mit meinen Führstricken gesichert. ;) Trotzdem war an Schlafen kaum zu denken, ich bin mitten in der Nacht noch zweimal gucken gegangen ob alle da sind. ;) Der nächste Tag konnte ja nun eigentlich nur besser werden. Leider aber nicht im Hinblick auf die Wege, auch an Tag 3 sehr viel Schotter und Asphalt, kaum mal unbefestigte Wege, immerhin aber der ein oder andere halbwegs begehbare Randstreifen. Entschädigt wurde ich durch die Unterkunft. Wieder, wie an Tag 1, bei lieben Menschen untergebracht, die selbst Wanderreiter sind, war alles einfach toll! Sehr schöne, absolut sichere ;) Unterbringung der Ponys, zusätzlich zum Gras noch einen Ballen Heu, mein Zimmer mit Fenster direkt am Paddock (sehr gut für meine paranoiden, strapazierten Nerven ;) ), lecker Essen und super nette Gespräche! Tausend Dank nochmal dafür!!! <3 Ab hier wusste ich, dass nun auch das Gelände wieder schöner sein würde. Auch das Wetter war perfekt und wir konnten bei Sonnenschein wunderschöne Wiesen-, Wald- und Sandwege genießen!

 

<3 Gerade auch das Gebiet um Aumühle fand ich ausgesprochen toll! Die vierte Unterkunft war auf einer Westernranch, die auf Nachfrage auch für Wanderreiter eine Möglichkeit finden. Die Ponys bekamen eine der Hengstkoppeln (groß und so schön sicher eingezäunt ;) ) und mir wurde ein Feldbett im Reiterstübchen aufgebaut. Die Hofbetreiber-Familie und auch alle Einstaller waren ausgesprochen lieb und hilfsbereit. <3 Die Nacht war dann zwar recht kalt, mein Schlafsack war dafür nicht wirklich geeignet. Aber da ich im Reiterstübchen einen Wasserkocher zur Verfügung hatte, habe ich mir nachts mit warmen Wasser und zwei meiner leeren Trinkflaschen zwei kleine Wärmflaschen gemacht. Improvisation ist alles! :D Nach wieder mal leckerem Frühstück mit sogar Gurkenscheibchen, Kiwi und Banane, erwarteten mich die Ponys bereits am Tor. <3 Überhaupt waren alle drei immer super fleißig unterwegs! Ich bin wirklich begeistert, immerhin sind ja alle schon über 20 (21, 22 und 26). ;) Scheinbar war das Training vorher ganz passend. ;) Oder sie haben einfach nur gehofft, möglichst schnell wieder nach Hause zu kommen? Man weiß es nicht. 😂😉 Auch am fünften und letzten Tag war das Gelände wieder überwiegend schön. Ein bisschen verfranst hab ich mich im Wildeshauser Wohngebiet und bin auf dem Gelände der „Himmelsthür“ gelandet, einer sehr großen Einrichtung für betreutes Wohnen und Co. Aber auch da haben wir durchgefunden. ;)

 

Bald darauf waren wir wieder in bekanntem Gelände und konnten den Rest ganz entspannt genießen. :) Was man den Ponys, besonders Basse, angemerkt hat, war dass unterwegs doch viele Eindrücke zu verarbeiten waren und das für den Kopf wohl doch recht anstrengend war. Öfter als gewohnt wollte Basse an einigen Dingen nicht vorbei gehen (besonders große weiße oder glänzende Dinge gehören dazu), so dass ich absteigen und führen musste. Wenn das Frauchen vorgeht, gehen aber alle überall mit hin! <3 <3 <3 Und warum sich unnötig streiten, so eine Tour war schließlich meine Entscheidung. ;) Lediglich meine schmerzenden Füße waren dabei unpraktisch. ;) Wirklich begeistert bin ich auch von wirklich sehr sehr vielen Begegnungen mit Menschen! Etliche Wanderer, Radfahrer oder Jogger haben unseretwegen Platz gemacht oder gewartet, sich natürlich über mein besonders herzliches Dankeschön gefreut und sich kein bisschen geärgert. <3 Kein einziges Mal wurde ich unterwegs angemeckert! Viele haben mich angesprochen und fanden unsere Unternehmung und die Ponys toll. <3 Zweimal wurden Rasenmäher extra für uns ausgestellt. <3 Usw., ich kann gar nicht alles aufzählen! Es gibt doch wirklich viele nette Menschen! <3 Fazit: Wanderreiten ist toll! <3 Strecken über 30 km plane ich nicht mehr, es wird sowieso immer von alleine mehr. ;) Ich muss versuchen noch sicherer gute Wegbeschaffenheit zu planen, so viel Schotter brauche ich wirklich nicht nochmal! Aber ich habe ja jetzt erfahrene Wanderreiter kennengelernt, die ich um Tipps bzw. Empfehlungen bitten kann. :D Höre immer auf dein Bauchgefühl und traue keinem Weidezaun/-tor, welches du nicht selbst kontrolliert hast! ;) Wenn wir alle fit bleiben, machen wir das ganz bestimmt nächstes Jahr wieder! <3
Ohne die Teilnahme an Mut zur Strecke, dem Motivationsmarathon vom vfd und ganz besonders dem Wanderreitchampion vom ETCD hätte ich das vermutlich (noch) nicht gemacht. Danke für die großartige zusätzliche Motivation! ❤️