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Wanderritte vorbereiten – Eine Aufgabe für jeden Tag

Für Wanderritte ist der Herbst perfekt. Aber auch im Sommer lassen sich mehrtägige Touren zumeist gut durchführen. Die Planung allerdings ist jahreszeitenunabhängig und für erfahrene, ambitionierte Wanderreiter eine spannende Aufgabe für das ganze Jahr.


Wir haben mit Rittführer David Wewetzer gesprochen, denn er ist immer in der Rittplanung, wenn er nicht gerade auf kleiner oder großer Tour ist.
David: Du bist Vorstandsmitglied bei den ETCD-FreiZeitReitern und spätestens seit dem Athen-Kassel-Ritt ein Wanderreiter-Urgestein.

Auf welche große Touren kannst du zurückblicken?

Erinnerung an einen legendären Ritt. D. Wewetzer


Mein erster Wanderritt führte 1999 von Speyer bis an die französische Grenze. Dann folgten jährlich mehr oder weniger lange Touren, die alle ihren Reiz und ihre Herausforderungen hatten. Herausragend waren sicherlich: 2010 bin ich entlang der innerdeutschen Grenzen bis zur Rhön geritten. 2014 und 2016 war ich in der Schweiz und habe die Alpen überquert. Kleinere Touren habe ich entlang der deutsch-polnischen Grenze absolviert und in diesem Jahr bin ich 900 km durch Marokko geritten.

Wie bereitest du dich auf solche Touren vor?


Jeder Ritt ist Training. Wanderreiten lernt man nur durch Reiten, Reiten, Reiten. Und das nicht nur im Gelände, sondern auch auf dem Platz, wo man die Umgebung etwas ausblenden kann. Auch Boden- und Freiarbeit gehören für mich dazu – alles, was das Vertrauen und die Bindung zwischen meinem Pferd und mir stärkt und es uns ermöglicht, physisch und psychisch gelassen draußen unterwegs zu sein. Ebenso gehört auch theoretisches Wissen dazu. Dafür belege ich Kurse.

Was sind das für Kurse?

Alles, was man für einen Wanderritt wissen muss. Ich habe Hufkurse besucht, insgesamt 10 -Erste-Hilfe-Kurse am Pferd und noch mehr für Erste Hilfe am Menschen. In einem Lederbearbeitungskurs habe ich gelernt, wie man unterwegs die Ausrüstung repariert. Ich bin VFD Sicherheitsexperte Reiten und Veranstaltung und FN Wanderrittführer. In diesem Sommer habe ich einen dreitägigen Kurs für Outdoor-1. Hilfe besucht. Das war nochmal sehr lehrreich.


Wie bereitest du dich außerdem vor, mal abgesehen vom Reiten?

Durch mentales Training. Den Abend nutzen meine Frau Antje und ich gerne, um darüber zu sprechen, was bei unseren Ausritten gut geklappt hat und was nicht. Hab ich mich unterwegs an irgendeiner Stelle unwohl gefühlt und warum? Was können wir tun, damit es beim nächsten Mal besser klappt.


Wenn nun jemand mit dem Wanderreiten beginnt, wie sieht die Vorbereitung aus, abgesehen von Kursen und regelmäßigem Reitunterricht?

Foto. D. Wewetzer

Lernen, lernen, lernen. Auch das Lesen von Karten gehört dazu, unter allem möglichen und unmöglichen Voraussetzungen.  
Nicht einfach nur ausreiten, sondern den Ritt für das Training nutzen. Man kann nirgendwo besser üben, mit Karte, Kompass und GPS umzugehen, wie auf den vertrauten Wegen. Auch wenn sich das vielleicht komisch anfühlt. Aber auch das Reiten in fremden Gegenden ist wichtig. Dazu gehört, auch mal mit unbekannten Reitern unterwegs zu sein, neues Gelände zu erkunden, sich mit ungewohntem Untergrund vertraut zu machen. Die eigene Fitness ist ebenfalls ein nicht zu vernachlässigbarer Faktor.


Gibt es noch etwas, was Einsteiger gerne vergessen?

Unterwegs auf einem Wanderritt. Alles was passieren kann, passiert Foto D. Wewetzer

Es ist wirklich wichtig zu überlegen, was man macht, wenn was schiefläuft. Es ist also nicht gut zu glauben, das wird dann schon irgendwie funktionieren, vor allem dann nicht, wenn es um wichtige Dinge geht, wie Wasser. Wie komme ich unterwegs an Wasser? Klappt das auch sicher oder was kann ich tun, wenn es schiefgeht?

Aber lässt sich alles planen?
 
Nein, ich kann sogar sagen: Auf langen Touren stellt sich nicht die Frage, ob etwas schiefgeht, sondern wann es passiert. Wer sich gedanklich damit vorab befasst hat, wird die Situation mit weniger Stress bewältigen. Das fängt schon bei der Kontrolle der Ausrüstung an. Die Zeit zwischen den Wanderritten ist sehr gut geeignet, die Ausrüstung gründlich zu kontrollieren. Passt das überhaupt alles noch? Eignet sich die Ausrüstung für lange Etappen? Ich nutze die Zeit auch, um neues Equipment auszuprobieren. Der Wanderritt selbst ist für solche Versuche weniger geeignet.

Keine Kompromisse bei der Ausrüstung

Foto: D. Wewetzer

Auf Wanderritten erlebt man immer wieder, dass die Teilnehmer zwar sattelfest sind und die Pferde auch straßensicher. Eine eigene Wanderreiterausbildung haben sie aber nicht. Trotzdem fühlen sich die Reiter dem Vorhaben gewachsen. Wie siehst du das?
 
Eine Wanderreiterausbildung ist wichtig – genauso wie die ersten Ritte in Begleitung erfahrener Wanderreiter. Man darf nicht Glück mit Können verwechseln. Nur weil es gutgegangen ist, muss das nicht so bleiben. Es ist immer besser, Wissen in der Ausbildung zu erwerben und in begleiteten Ritten zu Kompetenzen auszubauen.

Große Ziele setzen eine gute Ausbildung voraus

Foto: D.Wewetzer

CS