Warum Ben Winters Tod uns alle angeht

Benjamin Winter war Vielseitigkeitsreiter und Mitglied des Perspektivkaders des DOKR (Deutsches Olympiade-Komitee für Reiterei). Am 14. Juni 2014 verunglückte der in Warendorf stationierte Sportsoldat in Luhmühlen bei einer Vier-Sterne-Vielseitigkeit so schwer, dass er kurz darauf starb. Die Vielseitigkeit, und damit auch Winters tragischer Unfall, wurde live im Fernsehen übertragen. Entsprechend groß war das Entsetzen bei den Zuschauern. Sie alle hatten sich auf einen spannenden und fairen Wettkampf gefreut.
Den bekamen sie auch zu sehen, bis Ben Winter mit offensichtlich zu hohem Tempo Hindernis 20 anritt. Sein Wallach Ispo verpasste den Absprung und Winter wurde zu Boden geschleudert. Dabei wollte der 25-jährigen Hoffnungsträger des deutschen Reitsports  nichts anderes als gut reiten.

Unterschiedliche Reaktionen auf das Unglück

Im Netz klaffen die Kommentare seitdem inhaltlich erheblich auseinander. Auf der einen Seite gibt es die mitempfundene tiefe Trauer, die Fassungslosigkeit und das Mitleid mit den Hinterbliebenen. Auf der anderen Seite melden sich viele Reiter und Nicht-Reiter zu Wort, die die Vielseitigkeit mit ganz anderen Augen sehen. Sie sind der Ansicht, dass dieser Sport die Teilnehmer überfordert und Todesfälle vorprogrammiert sind.

Vielseitigkeitsreiten ist ein Präzisionssport, der den Sportlern viel abverlangt. Sowohl Reiter als auch Pferde in dieser Sparte sind Athleten der Spitzenklasse. Sie durchlaufen eine lange und gründliche Ausbildung, die sofort endet, wenn auch nur der Verdacht besteht, dass der Kandidat nicht geeignet ist oder überfordert sein könnte. Dennoch ist die Vielseitigkeit ein Sport mit Risiko. Wie das Reiten überhaupt.

Am selben Wochenende, an dem Benjamin Winter aufgrund eines eigenen Fehlers stürzte, verunglückten unzählige Menschen bei den verschiedensten Freizeitaktionen mit dem Pferd (oder ohne) nicht weniger tragisch. Der Vielseitigkeitssport hatte das Pech, dass die Öffentlichkeit die Katastrophe miterleben musste und jetzt zu einem nicht unerheblichen Anteil Konsequenzen fordert, die den Sport gefährden könnten.

Was hat die Debatte mit der Freizeitreiterei zu tun?

Sehr viel. Es geht nämlich nicht nur darum, dass die Vielseitigkeitsreiterei vielen Menschen als zu gefährlich erscheint. Es geht auch darum, dass mit jedem Unfall mehr Menschen der Meinung sind, dass Reiten nicht mehr zeitgemäß ist, den Pferden schadet und verboten werden sollte. Jetzt richtet sich die Wut auf die Vielseitigkeit, und das ist mit Sicherheit das Letzte was Ben Winter gewollt hätte. Dennoch können solche Unfälle irgendwann einmal zum Aus der Vielseitigkeit führen. Wenn das aufgrund des öffentlichen Drucks von Nicht-Reitern passiert, müssen wir davon ausgehen, dass wir Freizeitreiter die Nächsten sind. Auch deshalb ist es wichtig, Aufklärungsarbeit zu leisten und der nicht-informierten Öffentlichkeit die Chance zu geben, uns zu verstehen.

Carola Schiller für DieFreiZeitReiter e. V.

Unser Mitgefühl gilt der Familie von Benjamin Winter, seiner Lebensgefährtin und seinen Freunden.