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Zu viert auf Tour – zwei Reiterinnen und zwei Pferde

Teilnehmerbericht – Wanderreiter-Champion 2021

von Ursula Dahm

 

Vor einiger Zeit hatte ich zu Carola Müller Kontakt aufgenommen, die auch beim Wanderreitchampion und bei Mut zur Strecke mit macht. So besuchte sie mich mit ihrer Stute Julchen dann im Juli für einen Tagesritt.

Da wir uns gut verstanden und die Pferde im Tempo zusammenpassten, kam dabei dann die Idee auf: Wir könnten doch mal zusammen „auf Tour gehen“.

Und nun war es soweit – wir waren Montag und Dienstag zusammen unterwegs.

 

 

  1. Tag: Langenberg – Scheerhof 22,48 km, Anstieg 441m, Abstieg 523 m, mit Pausen 5 Std. 1 Min.

Am Montag fuhr Carola mit Julchen nach Langenberg, wo Lagsi daheim ist. Wir putzten und sattelten in Ruhe die Pferde, befestigten die Satteltaschen am Sattel – und los ging es.

Hinter Vorderhundsberg ging es hinunter ins Weidenbachtal und dann weiter rund um Welzheim. Auf der Hochebene östlich von Welzheim waren überraschend viele Graswege – normalerweise sind bei uns (fast) alle Wege im freien Feld geteert. Als wir dann wieder in den Wald kamen, begann der erste größere Abstieg – viel Ab- und Anstiege sollten noch folgen. Von nun an waren wir überwiegend im Wald unterwegs, was für die Pferde bei den doch recht sommerlichen Temperaturen sehr angenehm war. Dabei kamen wie unter anderem am Hüttenbühlsee vorbei, einem kleinen Stausee. Immer wieder taten sich auch schöne weite Ausblicke auf.

 

Kurz vor 17 Uhr kamen wir am Scheerhof, unserem Nachtquartier, an und stellten fest, dass außer vielen bellenden Hunden, vielen Pferden und ein paar Ziegen niemand daheim war. Die Nachricht von Frau Scheer, dass sie wegen eines Notfalls mit einer Freundin und deren Katze zum Tierarzt musste (wir stellten später fest, dass wir uns nur um wenige Minuten verpasst hatten), fand ich dann am nächsten Tag, als ich wieder daheim ankam, bei WhatsApp auf meinem Tablet (ich habe WhatsApp nur daheim auf dem Tablet, da ich kein Smartphone besitze).

Zum Glück hatte eine der SIM-Karten in Carolas Smartphone Empfang (der Empfang war dort sehr schlecht), so dass wir Frau Scheer erreichen konnten und dann Bescheid wussten. Wir konnten die Pferde grasen lassen und als Frau Scheer zurückkam, kamen sie auf eine große Koppel mit Offenstall, wo sie auch über Nacht bleiben konnten.

Als wir dann – wie ausgemacht – bei einer Pizzeria die Lieferung unseres Abendessens bestellen wollten, wurde klar, dass ich bei meiner Planung übersehen hatte, dass die leider montags ihren Ruhetag haben. Doch konnten wir dann in einer anderen Pizzeria bestellen und Frau Scheer holte uns das Essen.

Nach einem langen „Schwätzabend“ ging es dann ins Bett – wir brauchten zum Glück keine Schlafsäcke, sondern hatten „richtige Betten mit Bettwäsche“, auf Wanderritten ja nicht immer eine Selbstverständlichkeit.

 

  1. Tag: Scheerhof – Langenberg 26,74 km, Anstieg 604 m, Abstieg 506 m, mit Pausen 6 Std. 8 Min.

Am nächsten Morgen gab es dann ein leckeres Frühstück mit frischen Brötchen und Brezeln – und dann holten wir die Pferde von der Weide und machten uns fertig für den Heimritt.

Zunächst ging es bis zum Hüttenbühlsee die gestrige Strecke wieder zurück. Und wieder zeigte sich: eine Strecke wirkt ganz verschieden, wenn man sie „anders rum“ reitet.

Dort ging es dann hinüber zum Hagerwaldsee – auch ein kleiner Stausee – und dann konnten wir ausnahmsweise mal ein Stück weit einem Tal folgen, anstatt es nur zu kreuzen (es gab halt leider auf der Strecke mehrere Quertäler). Auf dem Weg gab es auch einen Brunnen, den unsere beiden Pferde gleich nutzten, um zu trinken.

Und wieder ging es „runter ins Tal – rauf aus dem Tal“ … bis wir dann wieder auf der Hochebene nordöstlich von

Welzheim waren. Diesmal ging es ein Stück weit nördlich an Welzheim vorbei

und dann recht steil runter ins Wieslauftal. Diesem folgten wir bis zur Straße, die zur Laufmühle runter führt. Dort mussten wir dann leider ein kurzes Stück auf der sehr stark befahrenen Straße gehen – und erlebten einen sehr rücksichtsvollen LKW-Fahrer. Als er von hinten an uns ran kam, hielt er deutlich Abstand – und alle anderen Autos uns Motoradfahrer von uns weg. Als wir dann unten waren und über die Straße zum Parkplatz mussten, von dem unser Weg weiterführte, ließ er uns rüber und fuhr erst dann – mit einer langen Schlange an Autos hinter sich – weiter. Solche LKW/Autofahrer liebe ich!!

Ab dem Abstieg ins Wieslauftal wusste Lagsi dann genau, wo er war – und wo es nach Hause geht 😊 und nach insgesamt gut 6 Stunden kamen wir kurz vor 17 Uhr an.

Julchen durfte dann noch ein wenig grasen, bevor Carola sie wieder verlud und heimfuhr.

Es war eine sehr schöne, wenn auch anstrengende Tour. Wir hatten viele steile Ab- und Anstiege und sind am 2. Tag sicher etwa ein Drittel der Strecke gelaufen (am ersten Tag etwas weniger), da abwärts führende Wegstrecken immer wieder zu steil waren, als dass wir sie hätten reiten mögen. Bergauf und „halbwegs ebene“ Streckenstücke sind wir dann geritten.

 

Und als ich Dienstagabend die Streckenlängen in meine Liste für MzS eintrug, stellte ich fest, dass mir nun noch 180 m fehlen, damit die 1000 km komplett sind (Stand 999,82 km).

 

Ich habe mal geschaut, wie die Höhenmeter bei den „Leistungskilometern (Lkm)“ eingerechnet werden:

beim Anstieg entsprechen 100 m einem Lkm
beim Abstieg gilt nur das, wo mindesten 20% (nach anderen Seiten 22%) Gefälle da ist, dann gelten 150 Höhenmeter als 1 Lkm – so ein Gefälle hatten wir gerade mal 2-mal und dann jeweils 30 – 40 Höhenmeter, das habe ich also nicht eingerechnet.

Mit denen vom Anstieg gilt also:
Hinweg:     22,48 km (Strecke) + 4,41 Lkm (Höhe) = 26,89 Lkm
Rückweg:   26,74 km (Strecke) + 6,04 Lkm (Höhe) = 32,78 Lkm

 

Ich denke, wir können stolz auf unsere beiden sein, die abends auch keineswegs einen „erschöpften“ Eindruck machten. Müde waren sie – und wir auch 😉

Lagsi und Julchen sind übrigens beide Jahrgang 2000, also 21 Jahre alt.

Fotos: Carola Müller